Objektive Griechen

Linux-Programmierung mit Kylix, Teil 3

01.04.2003
Die ersten zwei Teile des Workshops zu Linux-Programmierung mit Kylix demonstrierten Installation und Einrichtung des Programm sowie den Umgang mit der IDE und Projekten. Im dritten Teil soll die Sprachbasis von Kylix im Mittelpunkt stehen. Lernen Sie Object Pascal kennen.

Object Pascal

Kylix erlaubt es, schnell und einfach Applikationen mit der Maus und wenigen Code-Zeilen zu erstellen. Aber so schön die visuelle Erstellung von Applikationen ist – ohne Kenntnis der Kylix zugrunde liegenden Programmiersprache kann man nur sehr einfache Anwendungen erstellen. Ob Sie visuell oder auf Ebene eines Texteditors arbeiten – Sie generieren Quelltext, der irgendwann in ein Programm übersetzt (kompiliert) wird. Die leichte Arbeit mit der Kylix-IDE darf nicht den Blick darauf verstellen, dass auch hinter dem visuellen Erstellen von Programmen Quelltext in einer Programmiersprache steht. Diese müssen Sie in Grundzügen verstehen, wenn Sie den visuell generierten Quelltext erweitern wollen. Gab es in Kylix 1 und 2 nur die Sprachbasis Object Pascal, hat im August 2002 die Version 3 zwei potentielle Grundlagen eingeführt: C/C++ und "Delphi Language" (kurz "Delphi", was aber nicht mit dem Windows-Entwicklungspaket verwechselt werden darf). Dabei ist Delphi Language nur ein neuer Name für das Object Pascal der Vorgängerversionen. Diese Sprache wollen wir hier behandeln.

Hauptprogramm und Units

Im Grunde kann jedes Programm unter Object Pascal (und theoretisch Kylix) als eine einzelne Quelltextdatei erstellt werden. Eine solche Datei sieht in der einfachsten Form schematisch so aus:

program …;
uses ….;
{$….}
begin
…
end.

Als Dateierweiterung verwendet man .pas (historisch: Pascal) oder die Kylix-Projekterweiterung .dpr (siehe dazu auch Teil 2 des Workshops). Zwingend ist dabei im einfachsten Fall nur die Zeile mit program sowie begin und end.. Hinter program wird der Name des Programms, gefolgt von einem Semikolon angegeben. Danach folgen eventuell verwendete Units (siehe unten) sowie Compiler-Schalter. Beides ist optional, wobei Kylix sehr viel automatisch generiert, wenn Sie über die IDE ein Programm erstellen. Das eigentliche Programm wird in den mit begin und end. eingeschlossenen Block geschrieben.

Obwohl natürlich die Kylix-IDE einen geeigneten Editor bereit stellt, können Sie ein Programm auch mit einem anderen Editor erstellen – etwa so:

program Project1;
begin
 Writeln('Hallo Welt');
end.
Abbildung 1: Eingabe eines Quellcodes in einem reinen Texteditor

Wenn Sie diese Datei als Project1.pas speichern, können Sie sie mit dem Kylix-Compiler dcc auf Befehlszeilenebene kompilieren:

/opt/kylix3/bin/dcc Project1.pas
Abbildung 2: Der Compiler befindet sich als eigenständiges Programm unter /bin im Kylix-Installationsverzeichnis (hier Kylix 2)
Abbildung 3: Das Programm wurde kompiliert (Kylix 3)

Der Compiler generiert eine ausführbare Datei Project1, die Sie zum Beispiel in ein Startskript einbauen können. Ein passendes Startskript (das Sie auch für andere Kylix-Programme verwenden können – beachten Sie aber den Pfad zu Kylix) sieht so aus:

#!/bin/bash
export LD_LIBRARY_PATH=/opt/kylix3/bin:$LD_LIBRARY_PATH
./Project1

Wenn Sie das Programm laufen lassen, wird in der Shell der angegebene Text ausgegeben. Allerdings werden unter Umständen die voranstehenden Systemmeldungen stören, was aber bei Programmen mit grafischer Oberfläche keine Rolle spielt.

Abbildung 4: Das Programm wurde ausgeführt

Natürlich kann man so ein Programm auch mit der Kylix-IDE erstellen. Dazu wählen Sie im Menü Datei unter Neu den Punkt Konsolen-Anwendung.

Abbildung 5: Eine Konsolen-Anwendung in der Kylix-IDE erstellen

Sie erhalten dann automatisch ein Grundgerüst wie im ersten Listing, in dem nur der zusätzliche Compiler-Schalter {$APPTYPE CONSOLE} explizit anzeigt, dass es sich um eine Konsolen-Anwendung handelt und die eigentliche Funktionalität fehlt. Kylix ist im Grunde für Konsolen-Anwendungen nicht ausgelegt; testen müssen Sie eine solche Anwendung in der Shell.

Abbildung 6: Der Quelltext der Konsolen-Anwendung in der Kylix-IDE

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