Eseltreiber

Linux-Clients für eDonkey und Overnet

01.04.2003
Während früher über Napster & Co nur einzelne MP3s getauscht wurden, haben moderne Programme wie z. B. eDonkey gleich ganze Alben und Filme im Angebot. Wir zeigen Ihnen, wie man auch unter Linux komfortabel auf das Netzwerk zugreifen kann.

Auch wenn Robert und Enie allabendlich die Werbetrommel für T-DSL und den eigenen Video-on-Demand-Dienst rühren – die meisten Filme kommen nicht über T-Online Vision, sondern kostenlos über Peer-to-Peer-Netzwerkewie z. B. eDonkey2000 [1] oder Kazaa [2] zu ihren Kunden, und das häufig sogar vor dem offiziellen Kinostart.

Leider läuft Kazaa schon seit längerem nicht mehr unter Linux, und Sharman Networks, der Betreiber des Netzwerks, wird momentan – trotz Firmensitzes auf einer Pazifik-Insel – in den USA verklagt. Im Gegensatz dazu existieren zahlreiche eDonkey-Clients für Linux, und das Netz konnte bis jetzt allen Kompromittierungsversuchen der Medienindustrie standhalten.

Der Grund für den Erfolg von eDonkey liegt darin, dass die Entwickler aus den Fehlern von Napster gelernt und das Netzwerk weniger zentralistisch angelegt haben. Anders als bei Napster existieren statt einem zentralen – technisch und juristisch angreifbaren – Index tausende von privat betriebenen Servern. Jeder dieser Server verwaltet eine Liste aller freigegebenen Dateien, die bei ihm bekannten Clients lagern. Weil so ein privater Server nur eine begrenzte Bandbreite besitzt, verbindet sich jeder Client (außer mldonkey) nur mit einem dieser Server, an den er dann auch alle Suchanfragen richtet. Falls der Server nicht genügend Ergebnisse zurückliefert, gibt es noch die Möglichkeit, die Suche auf andere bekannte Server zu erweitern, wobei diese Suchanfragen im Vergleich zur primären Server-Verbindung vergleichsweise Bandbreite-schonend abgewickelt werden.

Der eigentliche Datentransfer findet anschließend direkt zwischen den Clients statt. Dabei werden große Dateien vor dem Übertragen in etwas über 9 MB große Stücke zerteilt. Dadurch können verschiedene Stücke parallel heruntergeladen werden, und begehrte Dateien verteilen sich wesentlich schneller, weil die einzelnen Datenfragmente schon vor Komplettierung der Datei weiter verteilt werden können. Es ist in erster Linie dieses "Multisource File Transfer Protocol" (MFTP), dem eDonkey seine Verbreitung zu verdanken hat. Ein weiteres Feature, das inzwischen auch von Gnutella übernommen wurde, sind ed2k-Links. Diese Verknüpfungen enthalten neben dem Dateinamen bzw. der Dateilänge einen so genannten Hash der Datei, mit dem sich das File eindeutig identifizieren lässt: Ändert sich in der Datei nur ein Bit, ergibt sich ein völlig anderer Hash-Wert. Inzwischen gibt es hunderte von Seiten (z. B. Share Reactor [3] und Share2k [4]), die Listen solcher ed2k-Links pflegen und damit sicherstellen, dass man keine gefälschten oder qualitativ minderwertigen Dateien herunterlädt, wie sie seit einiger Zeit von der Medienindustrie in Umlauf gebracht werden.

eDonkey 0.44

Nach längerer Zeit steht unter [5] endlich ein offizieller Linux-eDonkey-Client in der Version 0.44 bereit. Neu ist nicht nur das an Overnet (den designierten Nachfolger von eDonkey) angepasste Versionsschema, auch große Teile des Codes wurden überarbeitet und mit Overnet abgeglichen. Bis allerdings ein echter Overnet-/eDonkey-Hybrid-Client für Linux veröffentlicht wird, kann es noch einige Zeit dauern.

Die Installation des Clients ist relativ einfach: Legen Sie am besten zunächst ein eigenes Verzeichnis für das Programm an und wechseln Sie in dieses hinein:

mkdir edonkey; cd edonkey

Laden Sie die Datei von der angegebenen Seite herunter und entpacken das Archiv mit

tar zxvf eDonkey0.44.tar.gz

Danach kann der eDonkey-Core mit dem Kommando ./donkey_s_44 gestartet werden. Sich im Text-Interface von eDonkey zurechtzufinden, ist weniger simpel – besser ist es da, auf das Programm ed2k-gtk-gui [6] zurückzugreifen, das sich bequem als RPM-Paket oder Debian-Archiv installieren lässt. Bevor Sie das Frontend starten, sollten Sie allerdings die eigenen eDonkey-Zugangsdaten im Kommandozeilen-Interface mittels pass Name Passwort ändern und den Client mit q beenden.

Die gleichen Zugangsdaten und der Pfad des eDonkey-Cores (z. B. /home/user/edonkey/donkey_s_44) müssen danach im ed2k-gtk-gui Verbindungsdialog eingegeben werden, damit das Programm den Esel starten und eine Verbindung aufbauen kann. Danach sollte man unter Server eine aktuelle Server-Liste laden und sich mit einem möglichst großen Server verbinden. Da eDonkey recht Bandbreiten-hungrig ist, sollte man weiterhin die maximale Upload-Geschwindigkeit unter Options/Core auf 10-12 kB/s setzen. Falls der Wert unterhalb von 10 kB/s liegt, straft eDonkey automatisch mit niedrigeren Download-Raten; oberhalb von 12 kB/s werden andere Programme ausgebremst. Die maximale Download-Geschwindigkeit kann normalerweise auf 0 gesetzt werden, was in diesem Fall nicht 0 kB/s sondern "keinerlei Begrenzungen" bedeutet.

Abb 1: Bevor es losgeht: Zugangsdaten zum eDonkey-Core eintragen

Overnet 0.44

Was die Installation betrifft, unterscheidet sich Overnet [7] kaum von seinem Vorgänger eDonkey – nachdem ein Passwort eingerichtet wurde, sollte ed2k-gtk-gui problemlos mit dem Programm kommunizieren. Die eigentliche Änderung liegt im Suchmechanismus, der bei Overnet komplett ohne Index-Server auskommt. Ähnlich wie bei Gnutella ist jeder Client gleichzeitig ein Server und wird deshalb in der Overnet-Terminologie als "Knoten" bezeichnet.

Außer der komplett dezentralen Struktur haben Gnutella und Overnet allerdings nicht viel gemeinsam: Während Gnutella wahllos bei bekannten Adressen nach Dateien fragt, baut Overnet auf dem wesentlich effizienteren KADEMLIA-Algorithmus [8] auf, der Knoten und Dateien in einer unter allen Teilnehmern verteilten Hash-Tabelle verwaltet. Jeder Knoten ist dabei der Index-Server für einige Hashs von Dateinamen, die mathematisch "nah" an seiner eigenen ID liegen. Sowohl die ID als auch die Hashs sind 128 Bit lang. Im Gegensatz zum Dateinamen-Hash, den Overnet eindeutig errechnet, wird die Benutzer-ID zufällig gewählt. Um sich mit Overnet zu verbinden, brauchen Sie nur die Adresse eines anderen Teilnehmers, die standardmäßig aus der Datei contact.dat geladen wird. Falls sich in dem File keine gültigen Adressen mehr finden, geben Sie mit dem Befehl boot IP manuell eine Adresse an oder laden einfach eine neue contact.dat [9] herunter. Befehle werden in ed2k-gtk-gui automatisch an den Overnet-Core weitergeben, wenn man ihnen ein Ausrufezeichen voranstellt und sie im Feld neben dem Los-Button eingibt. Einmal mit dem Netz verbunden, ist Overnet erstaunlich schnell in der Lage, Dateien und andere Knoten zu finden. Noch ist die Auswahl im Vergleich zu eDonkey allerdings relativ gering – wie das Netz mit mehr Benutzern und Dateien zurechtkommt wird sich noch zeigen müssen.

Abbildung 2: Auch bei Overnet braucht es einige Zeit, bis die Downloads anlaufen (Drei-Tage-Statistik)

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