LinEAK

Aus LinuxUser 04/2003

LinEAK

Keyboard Deluxe

Haben Sie sich auch schon gefragt, wozu die komischen Gummitasten auf Ihrer neuen “Internet”- oder “Surf”-Tastatur gut sind? Zum Radieren taugen sie nicht, aber mit LinEAK legen Sie beliebige Funktionen darauf.

Die Tastatur-Fans unter den X-Benutzern werden das Szenario kennen: Es tummeln sich dutzende Fenster auf diversen Desktops; irgendwo dudelt der XMMSmit ordentlicher Lautstärke über die angeschlossene Stereoanlage. Da klingelt das Telefon. Jetzt muss man schnell den Player finden, um auf den Pause-Button zu klicken. Ginge das nicht auch über eine Extra-Taste? Es geht, und zwar mit dem Tool LinEAK von Mark Smulders und Sheldon Lee-Wen.

Hinter der etwas merkwürdigen Abkürzung verbirgt sich “Linux support for Easy Access and Internet Keyboards”. Das Projekt ist auf Sourceforgezu Hause und unter der Web-Adresse http://lineak.sourceforge.net/ zu erreichen. LinEAK besteht aus zwei Teilen: dem Daemonlineakd und dem Konfigurationsprogramm lineakconfig. Letzteres ist aber nicht zwingend notwendig, da sich wie bei jedem ordentlichen Unix-Programm die Konfiguration auch mit einem Text-Editor bearbeiten lässt.

Gib Gummi!

Die Installation des Tools aus den Quellen ist recht einfach durchzuführen. Im Download-Bereich der LinEAK-Homepage (oder auf der Heft-CD im Verzeichnis /LinuxUser/lineak/) finden Sie die beiden Tarballs lineakd-0.4pre3.tar.gz und lineakconfig-0.3.2.tar.gz. Im Wesentlichen kommt der bekannte Dreisatz ./configure ; make ; make install mit leichten Modifikationen zum Zuge:

tar xzf lineakd-0.4pre3.tar.gz
cd lineakd-0.4pre3
./configure --disable-nls
make
su  (root-Password eingeben)
make install ; exit
cd ..
tar xzf lineakconfig-0.3.2.tar.gz
cd lineakconfig-0.3.2
./configure --disable-nls
make
su  (root-Password eingeben)
make install ; exit
cd ..

Nach der Installation liegen die neuen Dateien in der /usr/local-Hierarchie. Das Verzeichnis /usr/local/bin befindet sich üblicherweise in der PATH-Variable, so dass die Shelldie neuen Programme lineakd und lineakconfig findet.

Welches Modell?

Bevor Sie lineakd zum ersten mal regulär starten, müssen Sie eine auf Ihr Keyboard angepasste Konfiguration erstellen. Dazu gehört zunächst die Auswahl des Modells. LinEAK bringt eine Reihe von Definitionen für gängige Keyboards mit. Falls Ihres nicht dabei ist, können Sie eine eigene Definition problemlos hinzufügen, dazu später mehr.

Das Konfigurations-Tool lineakconfig präsentiert sich beim ersten Aufruf mit dem Dialogfenster New LinEAK Keyboard Configuration (Abbildung 1), in dem Sie Hersteller- und Modellname auswählen. Zusätzlich können Sie hier die Gerätedateien für CD-ROM-Laufwerk und Mixer angeben, falls es sich nicht um die Standardwerte (/dev/cdrom und /dev/mixer) handelt.

Abbildung 1: Neue Konfiguration erstellen

Abbildung 1: Neue Konfiguration erstellen

Nach der Auswahl des Keyboards ist der nächste Schritt die eigentliche Zuordnung von Funktionen zu den Spezialtasten. Je nach Keyboard-Modell stehen unterschiedliche Spezialtasten zur Belegung im LinEAK-Configuration-Fenster (Abbildung 2) zur Auswahl. Über Key performs special action stehen einige vordefinierte Aktionen wie z. B. CD-Auswurf, Mixer-Lautstärke (lauter/leiser) oder Stummschaltung zur Verfügung. Außerdem dürfen im Feld Key runs command beliebige Shell-Kommandos eingetragen werden.

Damit lineakconfig die gewählte Zuordnung über die Buttons OK oder Apply aktivieren kann, müssen Sie vorher lineakd starten:

lineakd -b

Die Option -b steht für “background” (Hintergrund). Damit geht der LinEAK-Daemon sofort in den Hintergrund und verrichtet seinen Dienst.

Abbildung 2: Konfiguration bearbeiten

Abbildung 2: Konfiguration bearbeiten

Im Detail

Die Konfigurationsdatei lineakd.conf von lineakd ist aber auch ohne das grafische Tool lineakconfig editierbar. Sie finden sie in Ihrem Home im versteckten Verzeichnis .lineak/ und können Sie mit jedem Text-Editor öffnen und bearbeiten. Listing 1 zeigt die Beispielkonfiguration, die in Abbildung 2 erzeugt wurde. Die Einträge im Überblick:

*

KeyboardType: Name der Tastaturdefinition in lineakkb.def (siehe unten)

  • CdromDevice: Gerätedatei für EAK_EJECT (CD-Auswurf)
  • MixerDevice: Gerätedatei für alle Lautstärkeaktionen (EAK_VOLUP, EAK_VOLDOWN, EAK_MUTE)

Alle weiteren Einträge sind vom Tastaturmodell abhängig und ordnen den Spezialtasten bestimmte Aktionen zu. So ist die [Find]-Taste in diesem Beispiel mit dem Aufruf von xfglob, dem Dateisuche-Dialog von XFCEbelegt. Weitere Tasten dienen der Steuerung von XMMS.

Listing 1

Konfiguration von

lineakd

in der Datei

~/.lineak/lineakd.conf

# LinEAK - Linux support for Easy Access and Internet Keyboards
# Global settings
KeyboardType            = LTIK
CdromDevice             = /dev/cdrom
MixerDevice             = /dev/mixer
# Specific keys of your keyboard
play            = "xmms --play-pause"
previous        = "xmms --rew"
next            = "xmms --fwd"
stop            = "xmms --stop"
mail            = ""
internet        = ""
search          = "xfglob"
go              = ""
volumedown      = "EAK_VOLDOWN"
mute            = ""
volumeup        = "EAK_VOLUP"
sleep           = "xlock -mode clock"
# end lineakd.conf

Nachgelegt

Falls LinEAK Ihr Keyboard nicht kennt, können Sie durch Erweiterung der Datei /usr/local/etc/lineakkb.def Hilfestellung leisten. Zuerst gilt es herauszufinden, welche Keycodes die Spezialtasten liefern. Das X Window System liefert dazu bereits das passende Tool xev mit. Starten Sie dieses Tool aus einem xterm-Fenster heraus und bewegen Sie den Mauszeiger in das xev-Fenster. Nun drücken Sie nacheinander die Spezialtasten Ihres Keyboards und notieren sich die erzeugten Keycodes. Abbildung 3 zeigt den gemeldeten Code für die Sleep-Taste (223) auf einem Logitech Classic Corded Keyboard.

Abbildung 3: Keycodes in xev

Abbildung 3: Keycodes in xev

Die eigentliche Tastaturdefinition ist in Listing 2 zu sehen – sie wird an die Datei lineakkb.def angehängt. Da das Classic Corded-Modell nur drei Spezialtasten enthält, ist der Aufwand minimal.

Listing 2

Neue Tastaturdefinition in der Datei

/usr/local/etc/lineakkb.def

# begin Logitech Classic Corded Keyboard
[LTCCK]
  brandname = "Logitech"
  modelname = "Classic Corded Keyboard"
  [KEYS]
    sleep = 223
    wake = 227
    power = 222
  [END KEYS]
[END LTCCK]
# end Logitech Classic Corded Keyboard

Der Name der Definition LTCCK ist an die bereits vorhandenen Logitech-Definitionen angelehnt. Die symbolischen Tastennamen sleep, wake und power werden den ermittelten Keycodes zugeordnet. Unter diesen Namen tauchen die Tasten im Konfigurations-Tool und in lineakd.conf auf. Zum Schluss wünsche ich kreatives Tastenbelegen.

Glossar

XMMS

Der Quasi-Standard in Sachen MP3-Player unter Linux (X MultiMedia System). Neben MP3 kennt er viele andere Audio-Formate, darunter auch die patentfreie MP3-Alternative OGG Vorbis.

Sourceforge

Ein Web-Dienst, der viele Open-Source-Projekte beheimatet. Entwickler-Foren, Versionsverwaltung, Download-Bereiche und vieles mehr werden zur Verfügung gestellt.

Daemon

“Disk and execution monitor”, ein Dienstprogramm (Server), das ohne interaktive Eingaben auskommt.

Tarball

tar ist ein unter Unix übliches Archivierungs-Tool. Eine damit zu einem File zusammengepackte Dateiansammlung, im Slang “Tarball” genannt, trägt meistens die Dateiendung .tar.gz oder .tgz. Diese rührt daher, dass solche Archive zuerst mit tar zusammengefasst und dann mit gzip komprimiert werden.

Shell

Einer der wichtigsten Bestandteile jedes Unix-Systems – die kommandozeilengesteuerte Benutzerschnittstelle zum System.

PATH

In dieser Umgebungsvariable sind durch Doppelpunkt getrennte Verzeichnisse aufgelistet. Diese durchsucht die Shell nach den Kommandos, welche der Benutzer ohne Pfadangabe eingibt. So wird etwa top unter /usr/bin/top gefunden.

~

Die Tilde steht als Abkürzung für das Home-Verzeichnis des jeweiligen Benutzers. Ist man beispielsweise als Benutzer tux eingeloggt, so wird ~ von der Shell normalerweise zu /home/tux expandiert.

XFCE

Eine schlanke Desktop-Alternative zu KDE und GNOME, die ursprünglich an das kommerzielle CDE (“Common Desktop Environment”) angelehnt war.

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