…um welchen Preis?

So erfreulich diese Vereinfachungen für Neueinsteiger sind, darf man nicht übersehen, dass dadurch auch ein großer Teil an Flexibilität und Konfigurierbarkeit von GNOME verloren geht – etwas, das gerade langjährige Benutzer geschätzt haben. Ein Paradebeispiel für diesen Umstand ist der von GNOME inzwischen als Standard verwendete Fenster-Manager metacity. Sofern man mit einer Auflösung von 800x600 Punkten arbeitet, gibt es immer einige Anwendungen, deren Fenster höher als der Bildschirm sind. Mit metacity ist es in diesem Fall nicht einmal möglich, das Fenster nach oben über den Bildschirmrand hinaus zu schieben, damit man die Statusleiste sehen kann. Ebenfalls gibt es keinerlei Möglichkeit einzustellen, dass das Panel von Fenstern überlagert werden darf; der Benutzer hat nur die Wahl zwischen einem automatisch ausgeblendeten Panel und einem Panel, das stets im Vordergrund ist.

Leider gibt es zur Zeit keinen anderen Fenster-Manager der ähnlich gut in GNOME integriert ist wie Metacity.

Auf Besserung in diesen Punkten zu hoffen, bedeutet verschwendete Zeit, da es sich nach Ansicht der Entwickler nicht um fehlende Features, sondern um eine bewusste Design-Entscheidung handelt. Frei übersetzt handelt es sich bei GNOME "um eines der wenigen Open-Source-Projekte, welche sich für Benutzerfreundlichkeit einsetzen und ein konsistente Benutzerschnittstelle über die von Geeks bevorzugte Überkonfigurierbarkeit stellen." [1] Die zur Verwirklichung dieser Aussage maßgeblichen Human Interface Guidlines sind unter [2] nachzulesen, so dass sich jeder selbst ein Bild über Sinn oder Unsinn machen kann.

Qual der Wahl

Die Frage, welcher Desktop nun der Bessere ist, kann in pauschaler Form nicht beantwortet werden – zu verschieden sind die individuellen Vorstellungen von Komfort und Benutzerfreundlichkeit. In hohem Maße konfigurierbar erlaubt es KDE, sich eine haargenau auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmte Arbeitsumgebung zu schaffen, während GNOME dank der sparsamer dosierten Optionen einen leichteren Einstieg ermöglicht. Die Argumente der GNOME-Entwickler, dass es sich bei vielen möglichen Konfigurationsoptionen oft um überflüssige Spielereien handelt, die nur wenige Benutzer brauchen, dafür aber die Mehrzahl der Anwender verwirren, ist nicht ganz von der Hand zu weisen, selbst wenn die radikale Umsetzung dieses Konzepts keine besonders glückliche Lösung darstellt.

Genau wie die Wahl des bevorzugten Desktops Geschmackssache ist, kann auch die Frage, ob sich ein Update lohnt, nur von Ihnen selbst beantwortet werden. Für ein Update sprechen die vielen beseitigten Fehler in beiden Projekten, und da inzwischen Pakete für die meisten Distributionen zur Verfügung stehen, sollte das Update relativ problemlos ablaufen. Noch schwankende Anwender finden unter [3, 4] weitere Entscheidungshilfen.

Glossar

GUI-Toolkit

Programmbibliothek, die Funktionen zur Programmierung der Elemente einer grafischen Oberfläche bereitstellt, z. B. für die Gestaltung von Dialogen und Menüs.

Login-Manager

Diese auch unter dem Namen "Display Manager" bekannten Programme offerieren dem Benutzer eine grafische Anmeldemaske. Neben der Anmeldung bieten Login Manager oft auch noch weitere Funktionen wie z. B. die Möglichkeit, den Rechner neu zu starten oder herunterzufahren.

strace

Stellt man einem Programmaufruf den Befehl strace voran, protokolliert dieser alle Systemaufrufe und Signale auf die Standardausgabe. Man kann so u. a. die Lese- und Schreibzugriffe eines Programms nachvollziehen.

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