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Ein Kessel Buntes

GNOME und KDE: Anwendungen

Remote Desktop

Neuzugänge im Netzwerk-Bereich sind krdc und krfb, die beiden Seiten der neuen Desktop-Freigabe unter KDE. Damit können Sie einem anderen Nutzer im lokalen Netz oder im Internet einen Blick auf Ihren Desktop gewähren, beispielsweise um ihm einen komplizierten Arbeitsablauf leicht nachvollziehbar vorzuführen. Sind Sie derjenige, der etwas demonstriert haben möchte, können Sie dem mit Ihnen verbundenen Benutzer auch die Kontrolle über Maus und Tastatur zugestehen.

Die Freigabe Ihres Desktops erfolgt mit dem Programm krfb, und der erste Arbeitsschritt besteht im Erstellen einer Einladung, die Sie entweder per Mail verschicken oder telefonisch übermitteln. Um die notwendigen Angaben zu machen, müssen Sie kein Netzwerk-Profi sein: Das Wissen um die IP-Adresse des Gast-Computers reicht aus. Die Einladung wird daraufhin entweder per Mail verschickt, oder Sie müssen sich das von krfb ausgegebene Passwort aufschreiben und es dem Eingeladenen auf andere Weise mitteilen. Aus Sicherheitsgründen verfällt die Einladung nach einer Stunde, so dass Sie bei zu langer Wartezeit neu einladen müssen. Der Benutzer auf der Gegenseite startet nun das Client-Programm krdc, und nach Eingabe der IP-Adresse Ihres Rechners in der Form

192.168.0.1:0

(wobei :0 den freigegebenen Bildschirm bezeichnet) und Angabe der Verbindungsgeschwindigkeit erfolgt auf Ihrer Seite eine Nachfrage, ob Sie die Verbindung annehmen wollen. Sie brauchen also keine Angst zu haben, dass hier etwas ohne Ihr Wissen oder Ihre Zustimmung geschieht. Nach der anschließenden Passworteingabe Ihres Besuchers bietet sich diesem ein Bild wie in Abbildung 5.

Abbildung 5: Zu Gast auf einem entfernten KDE-Desktop

Bei der geringen Farbtiefe der Abbildung handelt es sich nicht um Grafikfehler, sondern KDE wählt eine 256-Farben-Darstellung, um auch bei langsamer Verbindungsgeschwindigkeit einen annehmbaren Bildaufbau zu erlauben. Wirklich empfehlenswert ist diese Funktion zur Fernwartung allerdings nur, wenn wenigstens DSL-Geschwindigkeit zur Verfügung steht, ansonsten ist man mit althergebrachten Lösungen wie SSH besser bedient.

Anstelle des dabei üblichen Kommandozeilen-Dateiaustauschs via scp kann man auch den neu in KDE implementierten fish://-KIO-Slave nutzen, mit dem man unter KDE entfernte Rechner via ssh oder scp erreichen kann.

Was sich auf den ersten Blick kompliziert anhört, gestaltet sich in der Praxis sehr einfach: Gibt man in der Adresszeile von konqueror etwas wie

fish://joey@192.168.0.1

ein, fragt konqueror nach dem Passwort des Nutzers joey auf dem entfernten Rechner. Nach korrekter Eingabe findet man sich in joeys Home-Verzeichnis wieder und kann Dateien hin und her kopieren (Abbildung 6).

Abbildung 6: SSH und SCP über den neuen fish://-KIO Slave

Was noch?

Bei all diesen Neuzugängen reicht einfach der Platz nicht aus, um alle Verbesserungen der schon lange zu KDE gehörenden Anwendungen aufzuzählen. Es wurden nicht nur verschiedene Fehler ausgemerzt und die Stabilität verbessert, sondern das ein oder andere Programm wurde auch um neue Optionen bereichert. Wer es also ganz genau wissen will, sollte einen Blick in das ausführliche KDE 3.1 Changelog [4] werfen.

Glossar

UTF-8

Will man in Dokumenten Sonderzeichen wie z. B. deutsche Umlaute darstellen, reicht 7-Bit-ASCII nicht aus, und man muss eine Zeichensatzkodierung wählen, die deutsche Umlaute enthält, etwa ISO-8859-1. Für kyrillische Sprachen ist wiederum eine andere Kodierung nötig. Die Unicode-Kodierung UTF-8 räumt mit diesem Chaos auf, da sie nahezu alle auf der Welt verwendeten Alphabete umfasst.

CVS

Abkürzung für Concurrent Versions System, mit dem es möglich ist, Projekte in verschiedenen Entwicklungsstadien zu verwalten. Durch die Versionsverwaltung kann man jederzeit einen früheren Stand des Projekts wiederherstellen, so dass CVS hauptsächlich für Software-Projekte genutzt wird.

KIO-Slave

Ein- und Ausgabemodul der KIO-Bibliothek. Jeder dieser KIO-Slaves ist für ein Protokoll verantwortlich, wobei es sich nicht zwingend um ein Netzwerkprotokoll handeln muss. Alle KDE-Programme haben Zugriff auf diese Module, so dass sich die Entwickler von Anwendungsprogrammen nicht mit den Details der verschiedenen Protokolle beschäftigen müssen, sondern einfach dem entsprechenden KIO-Slave die Arbeit überlassen.

Infos

[1] http://www.gnome.org/softwaremap/list

[2] Frank Wieduwilt "Gut gerendert", LinuxUser 09/2002, S.24 ff

[3] Andrea Müller und Patricia Jung "Einfach nur ein Mail-Programm", LinuxUser 03/2003, S. 24 ff

[4] http://www.kde.org/announcements/changelogs/changelog3_0_5to3_1.html

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LinuxUser 06/2012

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