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GNOME und KDE: Anwendungen

01.04.2003 Neben der reinen Desktop-Funktionalität liefern GNOME und KDE auch viele Anwendungen mit. Was sich bei den neuen Versionen der Desktop-Umgebungen an der Anwendungsfront getan hat, beleuchtet dieser Artikel.

Der wirkliche Vorteil einer Desktop-Umgebung gegenüber einem einfachen Window Manager liegt darin, dass sie dem Benutzer zusätzlich ein gut geschnürtes Bündel Anwendungen zur Verfügung stellt. Diese sind optimal in die restliche Desktop-Umgebung integriert, was nicht nur den Vorteil eines einheitlichen Look & Feel, sondern darüber hinaus noch die Möglichkeit des problemlosen Datenaustauschs zwischen den Applikationen bietet.

Eine genauere Betrachtung aller Anwendungen könnte ein ganzes Buch füllen, so dass hier ein Blick auf die Neuerungen im Vordergrund stehen soll. Dass GNOME dabei weniger Platz als KDE gewidmet wird, bedeutet keine Bevorzugung von KDE: Zu dem GNOME-Kernpaket gehören weniger Applikationen als zu KDE, und die Neuerungen bei diesen sind weniger umfangreich.

Über Software-Mangel müssen GNOME-Anwender allerdings nicht klagen – die unterschiedlichsten Programme stehen unter [1] für GNOME zur Verfügung. Die beste Integration in die Desktop-Umgebung bieten dabei jene Anwendungen, welche schon auf gtk2 portiert wurden. Da die meisten Distributionen eine Parallelinstallation der alten und der neuen gtk-Version anbieten, lassen sich auch Anwendungen nutzen, bei denen diese Umstellung noch bevorsteht.

Mandrake und SuSE bieten übrigens beide Gtk-Versionen zur Installation an. Bei Debian ist das ebenfalls möglich, und inzwischen gibt es von Jamie Strandboge auch einen GNOME-2.2-Backport für Debian Woody (http://mirrors.evilgeniuses.org.uk/debian/backports/woody gnome2.2/). Zusätzlich braucht man für Woody noch xft2 und fontconfig, wozu man einfach das Verzeichnis von Eduard Bloch in die sources.list einfügt (http://people.debian.org/~blade/woody/i386), damit die Pakete bei einem apt-get update && apt-get upgrade zur Verfügung stehen.

Klein aber oho

Statt wahllos neue Applikationen in GNOME zu integrieren, stehen bei GNOME 2.2 Verbesserungen im Vordergrund, die allen Anwendungen zugute kommen. So ist GNOME nun dank der neuen gtk-Version Unicode-fähig, und konsequenterweise ist UTF-8 auch die als Default eingestellte Zeichensatzkodierung.

Benutzer, die öfters russische, fernöstliche und deutschsprachige Dokumente im Wechsel lesen, werden diese Änderung besonders begrüßen. Ästheten, die oft Grund zur Klage über die schlechte Schriftdarstellung unter Linux hatten, freuen sich über die Umstellung auf fontconfig/xft2, welche – sofern die Umgebungsvariable GDK_USE_XFT auf 1 gesetzt ist – eine durchgehend gut lesbare Schriftdarstellung zur Folge hat. (Für die Screenshots zum Artikel Datei-Manager de Luxe ab Seite 29 war diese Variable auf 0 gesetzt, damit Sie einen Vergleich haben.)

Die Änderungen bei den einzelnen Anwendungen stellen in den meisten Fällen Detailverbesserungen dar. So ist es dem GNOME-Editor gedit nun möglich, auf die Liste der letzten geöffneten Dokumente zuzugreifen, und auch das neue Plugin zur Prüfung der Rechtschreibung weiß zu gefallen. Das neue Ausgabefenster ist praktisch, wenn man die Ausgabe eines Shell-Befehls, wofür gedit ebenfalls ein Plugin bietet, per Copy & Paste in seinen Text übernehmen möchte. Multimediale Anwender freuen sich über den Fullscreen-Support des Bildbetrachters eog und das neue Kontrollzentrum-Modul, mit dem die Multimedia-Tasten moderner Tastaturen mit sinnvollen Aktionen belegt werden können.

Auch auf alte Bekannte wie die GNOME-Spiele, Werkzeuge und die allseits beliebten Panel Applets muss man nicht verzichten. Eine besondere Erwähnung verdient schließlich noch das Packprogramm file-roller, das neben einer vorbildlichen Integration in die Desktop-Umgebung Unterstützung für eine große Zahl an Archivformaten bietet, u. a. tar, bzip2, gzip, rar und zip, um nur einige zu nennen. Aus dem Vorschaufenster heraus öffnen Sie Dateien des Archivs zur Ansicht und entscheiden sich dann, ob Sie einzelne Dateien oder das gesamte Archiv entpacken wollen. Dank der gut verständlichen Oberfläche (Abbildung 1) wird so der Umgang mit Archiven zum Kinderspiel.

Abbildung 1

Abbildung 1: Ansicht eines Archivs mit Fileroller

Familienzuwachs

Rührig, wie die KDE-Entwickler sind, stoßen bei KDE 3.1 einige neue Programme zu den Paketen der KDE-Kerndistribution hinzu. Mancher Anwender wird hier auf alte Bekannte treffen, welche jedoch früher separat und nicht als Bestandteil von KDE erhältlich waren. Gleich ein eigenes Paket wurde der Web-Seiten-Entwicklungsumgebung Quanta Plus zugestanden (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Dokument-, Struktur- und Syntaxprüfungsfenster von Quanta

Ob man mit Hilfe einer Vorlage eine private Homepage gestaltet oder größere Projekte mit PHP und Java Script verwaltet: Bei keiner Aufgabe lässt quanta den Benutzer allein. Ist die Entwicklungsarbeit getan, erledigt quanta auch den Upload der Seiten. Bei Gemeinschaftsprojekten punktet quanta sogar mit CVS-Support, sofern das CVS-Frontend cervisia installiert ist.

Dank einer ausgezeichneten, bislang allerdings nur englischsprachigen Online-Hilfe finden Anwender trotz der Funktionsvielfalt einen schnellen Zugang zu quanta.

Ebenso umfangreich, allerdings weniger gut dokumentiert, präsentiert sich KPovModeler[2], ein Neuzugang im kdegraphics-Paket. Die fehlende Dokumentation ist auch die größte Schwäche des ansonsten einen sehr guten Eindruck machenden Programms. Wer über keinerlei Erfahrung mit Raytracing-Frontends verfügt, wird es so sehr schwer haben, ansprechende Ergebnisse zu erzielen. Immerhin werden einige Beispiele mitgeliefert: Sie finden sich unter $KDEROOT/share/apps/kpovmodeler/examples (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: KPovModeler mit geöffneter Beispieldatei und Render-Fenster

Die eigenen Raytracing-Werke führt man dem staunenden Publikum mit dem Bildbetrachter KView vor, der extra für solche Zwecke ein neues Slideshow-Plugin mitbringt.

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