Distri-Bits

Überflügelt

Vom Distributionenveteran Slackware (http://www.slackware.com/) gibt's außer ein paar Updates (z. B. auf KDE 3.x) für Version 8.1 schon länger nichts Neues mehr zu berichten. Umso fleißiger waren die Entwickler von VectorLinux ([1], http://www.vectorlinux.com/), einem schlanken und leichter zu installierenden Slackware-Abkömmling. Als wichtigste Änderungen der neu erschienenen Version 3.2 schlagen das Kernel-Upgrade auf Linux 2.4.20, erweiterte USB-Unterstützung mit Hotplugging, XFree 4.2.1, Glibc 2.2.5 und die neuesten KDE- und GNOME-Pakete zu Buche. Die Software-Verwaltung erleichtert nunmehr ein grafisches Paketverwaltungsprogramm namens vecpkg.

Zum Download stehen entweder ein 230 MB großes ISO-Image oder einzelne Dateien von einer Gesamtgröße von etwa 135 MByte zur Verfügung; hier muss die Anwenderin allerdings auf KDE und GNOME verzichten. Für ältere Systeme gibt es XFree 3.3.6, das mit weniger Systemressourcen auskommt als das aktuelle XFree 4.2. Die Softwareausstattung verdient ein "gut": So stehen als Windowmanager XFCE und IceWM bereit, als Browser wird Opera installiert, die Verarbeitung von Texten übernimmt Abiword, als E-Mail-Programm ist Sylpheed mit an Bord.

Abbildung 1

Abbildung 1: VectorLinux Desktop

Doch auf den Lorbeeren ruhen sich die Entwickler nicht aus: Bereits ein paar Tage später stand die neue Beta-Version der SOHO Desktop Version 3.2 ebenfalls zum Download bereit. Die Hardware-Erkennung läuft hier automatisiert ab, und CUPS kommt als Drucksystem zum Einsatz. In der Endversion wird es auch möglich sein, die Nvidia-Treiber für X auf einfache Weise zu nutzen.

Nächste Klasse

Auch kmLinux (http://www.lernnetz-sh.de/kmLinux/), eine Distribution, die speziell für die Erfordernisse von Schulen konzipiert wurde, wagte im Februar den Versionssprung von 3.0 [2] auf 3.1. Sie zeichnet sich durch einfache Konfiguration und Installation aus; auf der Festplatte richtet das Installationsprogramm lediglich zwei Partitionen ein und kopiert die System-Daten dann ohne Nachfrage dorthin. Bestehende Windows-Partitionen bleiben auf Wunsch erhalten. Die neue Version basiert weiterhin auf SuSE 8.0 und benötigt zur Installation etwa 2,2 GByte Plattenplatz.

Als Desktop kommt KDE 3.1 zum Einsatz, der nach dem Booten automatisch startet. Die Software umfasst Programme für die Fächer Mathematik, Informatik, Physik und Chemie. Mit OpenOffice ist das wichtigste freie Office-Paket ebenfalls dabei.

Mandrake macht weiter

Ungeachtet der schwierigen wirtschaftlichen Lage veröffentlichte MandrakeSoft den ersten Release Candidate von Mandrake 9.1. Als wichtigste Änderungen gegenüber Version 9.0 dürfen die verbesserte Unterstützung für ACPI auf Laptops, Apache 2 und XFree 4.3 gelten. Die Installations- und Systemwartungsprogramme wurden auf GTK 2 portiert. Die Konfiguration von Netzwerken vereinfacht das Programm zeroconf, das Installationsprogramm verändert auf Wunsch Partitionen im NTFS-Format.

Unterdessen diskutieren die Mitglieder der Mandrake-Mailinglisten, ob die Distribution nach einem möglichen Konkurs des Herstellers als OpenSource-Projekt weitergeführt werden soll.

Sicher ist sicher

Red Hat und Oracle lassen ihre Software von der US-Regierung für den Einsatz in Regierungsbehörden zertifizieren. Die Common Criteria Certification bietet einen Nachweis über die Sicherheit eines Produkts und dafür, dass der Hersteller in der Lage ist, bei Problemen schnell zu helfen. Falls Red Hat die Zertifizierung erhält, gilt diese aufgrund eines Abkommens auch in anderen Ländern, darunter in Deutschland.

Mittlerweile steht die zweite Beta-Version von Red Hat 8.1 unter ftp://ftp.redhat.com/pub/redhat/linux/beta/phoebe/en/iso/i386/ zum Download bereit: Auf sechs ISO-Images erhält die interessierte Benutzerin das System und die Quellen aller Anwendungen. Zu den Highlights zählen die Unterstützung von Bluetooth, XFree 4.3 Beta, GNOME 2.2 und KDE 3.1. Red Hat verwendet in Zukunft fontconfig als Font-Subsystem für X.

Konsortiumspower für Linux auf dem Desktop

Die Zeit ist reif für Linux auf dem Desktop – nur muss dafür noch einiges getan werden. Öffentlichkeitsarbeit ist das eine, Qualitätssicherung das andere, und am Ende steht ein Forum, das die Mitglieder der Linux-Community mit Hersteller-neutralen Messe- und Konferenzveranstaltern zusammenbringt. Dies zumindest sind die Ziele, die dem – noch zu gründenden – Desktop Linux Consortium" (DLC, http://www.desktoplinuxconsortium.org/) von seinem Gründungskomitee bereits gegeben wurden.

Zu letzterem schlossen sich 19 Firmen und Organisationen zusammen, die sich in weiten Teilen bereits zuvor für Linux auf dem Desktop stark gemacht haben, darunter die Distributoren ArkLinux, Debian, Lycoris, Mandrakesoft, SuSE und Xandros. Ebenfalls dabei sind das KDE-Projekt, das Linux Professional Institute (LPI), theKompany, OpenOffice.org, DesktopLinux.com, Codeweaver und Ximian. Unterstützung aus der Community kommt auch von Linus Torvalds und Bruce Perens, der interimsweise als Executive Director fungiert.

Erstaunlicherweise fehlt der Name einer Firma, die Linux auf dem Desktop gern einmal für sich pachtet: Lindows.com. Deren CEO Michael Robertson löste einen Skandal aus, als seine Firma eigenmächtig die Agenda des Desktop Linux Summit vom 20./21. Februar in San Diego änderte und Robertson als Keynote-Sprecher anstelle des geplanten Bruce Perens einsetzte. Diese Vereinnahmung der zwar von Lindows.com initiierten, ursprünglich jedoch Hersteller-neutral geplanten Veranstaltung bewog Co-Veranstalter DesktopLinux.com, seine Unterstützung des Summits zurückzuziehen.

Roter Teppich für SuSE-Kunden

Firmenkunden, die SuSE Linux oder SuSE Linux Enterprise Server einsetzen, bekommen demnächst mit dem Paket "SuSE Linux Enterprise Deployment and Administration Option die Möglichkeit, Ximians Software-Management-System für Arbeitsgruppen, Red Carpet Enterprise an die Distribution angepasst und mit YaST integriert direkt beim Nürnberger Distributor zu erstehen. Abgesehen vom simplen Reseller-Job haben Ximian und SuSE weitere Pläne für ihre Partnerschaft: So will SuSE Ximians Groupware-Client Evolution samt dem Ximian Connector mit der für Sommer geplanten neuen Version des SuSE Linux Openexchange Server ausliefern.

Spiel's noch mal, Sam!

Sie möchten eine DVD oder eine Video-CD auf einem Rechner ansehen, der nicht das "richtige" Betriebssystem hat? Hier hilft MoviX (http://movix.sourceforge.net/), eine kleine Distribution, die nur dazu da ist, Filme oder Tondateien abzuspielen. Als Player verwendet sie das Programm MPlayer (http://www.mplayerhq.hu/).

Es existieren drei MoviX-Versionen: EMoviX wird zusammen mit den Video- oder Audiodateien auf eine CD gebrannt; MoviX kommt alleine auf den Silberling. MoviX 2 schließlich funktioniert wie MoviX und bringt das X-Window-System mit. Nach dem Start nistet sich die Distribution in einer RAM-Disk ein, die Anwenderin entfernt die CD und legt an ihrer Stelle die DVD oder CD mit dem Film ein. So lässt sich ein festplattenloser älterer Computer mit einem DVD-Laufwerk in einen DVD-Spieler verwandeln.

Am weitesten fortgeschritten ist eMoviX, das bereits die Versionsnummer 0.8.4 trägt, MoviX 2 hingegen hinkt weit hinterher und ist noch nicht richtig benutzbar. Ein Perl-Skript stellt das ISO-Image für eine CD zusammen, das die Anwenderin nur noch auf einen Rohling brennt. Zum Starten von MoviX legt sie die CD ins CD-Laufwerk und bootet den Rechner davon. Anschließend begrüßt ein Textmenü die potentielle Filmzuschauerin. Filme, die mit eMoviX auf die CD gebrannt werden, starten automatisch, Audio-Dateien müssen Sie von Hand auswählen. MoviX unterstützt Abspiellisten; so lassen sich Titel in einer bestimmten Reihenfolge ansehen.

Infos

[1] Frank Wieduwilt: "Kraftvolle Minis", LinuxUser 08/2002, S. 37 f.

[2] Marianne Wachholz: "Distri-Bits", LinuxUser 12/2002, S. 18

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