Zu einer Desktop-Umgebung gehören Icons. KDE und GNOME bringen die Mini-Anwendungsstarter von Haus aus mit, doch auch die Nutzer einfacher Fenster-Manager müssen nicht darauf verzichten.
deskTOPia
Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window-Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.
Wer Linux auf älterer Hardware mit grafischer Oberfläche betreiben will, muss etwas wählerisch sein. Ein ressourcenschonender Window-Manager wie icewm legt den Grundstein für komfortables Arbeiten [1], doch fehlen dem – im Vergleich mit integrierten Desktop-Umgebungen – Desktop-Icons. Diese lassen sich mit einer externen Anwendung nachrüsten, z. B. mit dem Programm coolicon, welches Bestandteil des cooledit-Pakets (http://cooledit.sourceforge.net/) ist.
Installation
Das große Los haben Debian-Benutzer gezogen: Diese Distribution spendiert coolicon ein eigenes Paket. Benutzer anderer Distributionen halten eher nach dem Paket cooledit Ausschau und installieren damit neben coolicon den von Paul Sheer geschriebenen, namensgebenden Editor sowie einen Manpage-Betrachter. Selbstkompilierer werden mit dem Dreisatz configure; make; make install glücklich. Falls Ihnen cooledit zuviel Ballast mitbringt, informiert Tabelle 1 über alternative Anwendungen zur Icon-Darstellung.
Tabelle 1: Alternative Tools zum Nachrüsten von Desktop-Icons
| desklaunch | Icons zum Anwendungsstart, für Puristen | http://www.dreamind.de/oroborus.shtml |
| dfm | Icons und Dateimanager, der “Workplace Shell” (WPS) von OS/2 nachempfunden [2] | http://www.kaisersite.de/dfm/ |
| rox | Dateimanager, der auch Icons verwaltet [3] | http://rox.sourceforge.net/ |
Es wird bunt
coolicon lässt sich ohne vorherige Konfiguration in Betrieb nehmen. Persönliche Einstellungen erfolgen über Menüs und liegen nach dem Abspeichern in der Datei ~/.coolicon. Der Programmautor empfiehlt, coolicon aus ~/.xinitrc oder ~/.xsession heraus zu starten, doch für die ersten Gehversuche reicht folgender Aufruf aus einem X-Terminal-Programm heraus:
coolicon &
Bei manchen Window-Managern hat dies den Nebeneffekt, dass die Icons geöffnete Fenster überlagern. Auch entsprechen die viel zu großen, einfach gezeichneten Icons nicht gerade dem erwarteten Komfort. Folgerichtig finden Sie in der Manpage von coolicon Anlaufstellen, wo Sie gefälligere Minibilder herbekommen. Für den Artikel verwenden wir aus Gründen der Nachvollziehbarkeit die mitgelieferten Bildchen, lediglich mit dem convert-Befehl aus dem ImageMagick-Paket in der Größe angepasst (Abbildung 1):
convert Originalbild -geometry 50x50 kleines_Bild
Die Originalbilder finden Sie bei Debian unter /usr/X11R6/lib/coolicon, wohingegen Selbstkompilierer unter /usr/local/share/coolicon fündig werden. Als Speicherort für die verkleinerten Bilder bietet sich ein Unterordner Ihres Home-Verzeichnisses an. Nun müssen Sie nur noch über das Kontextmenü eines jeden Icons den Menüpunkt Edit Icon… aufrufen und im erscheinenden Dialog-Fenster unter dem Menüpunkt Icon XPM file-name den Speicherort der verkleinerten Bildchen angeben.
Die coolicon-Kommandozentrale verbirgt sich hinter dem Icon manager. Anders als alle anderen Icons reagiert dieses jedoch nicht auf einen Doppelklick, sondern verfügt lediglich über ein Kontextmenü, das Sie mit der rechten Maustaste aufrufen. Beachten Sie, dass Sie die rechte Maustaste auch zur Navigation darin gedrückt halten müssen; durch Loslassen wählen Sie einen Eintrag aus.
Einige Einträge des “Icon manager“-Menüs finden Sie auch bei anderen Icons wieder. So können Sie z. B. über jedes Kontextmenü die Icon-Positionen speichern (Save icons) oder neue Bildchen hinzufügen (New icon…). Vom Schraubenschlüssel abgesehen lässt sich jedes nicht benötigte Icon löschen. Viel praktischer ist es jedoch, Vorhandenes zu nutzen und die Konfiguration anzupassen.
Angepasst
Verwenden Sie etwa statt des voreingestellten rxvt die Anwendung aterm als Terminal-Programm, wählen Sie aus dem Kontextmenü des Rxvt-Icons den Eintrag Edit icon… und ändern zunächst den Titel. Die entscheidende Einstellung erfolgt im rechten unteren Teilfenster Script for double click: des Konfigurationsdialogs: Die erste Zeile legt den ausführenden Kommando-Interpreter fest, in diesem Fall /bin/sh, was auf den meisten Linux-Systemen ein Link auf die bash sein dürfte. In die zweite Zeile tragen Sie nun den aterm-Aufruf mit den gewünschten Optionen ein (Abbildung 2).
Ein Klick auf den grünen Haken bestätigt die Änderung, die sofort wirksam wird. Auch die Funktionalität anderer Icons lässt sich auf diese Weise anpassen. So zeigt Listing 1 ein “Mount CDROM“-Skript für SuSE-Nutzer.
Listing 1
Die Funktionalität des CD-Mount-Icons, angepasst für SuSE
#!/bin/sh
mount /media/cdrom 2> /tmp/$$coolicon
if [ -s /tmp/$$coolicon ] ; then
cat /tmp/$$coolicon | coolmessage "Mount CDROM"
else
cd /media/cdrom
coolbrowse &
fi
Mit diesem führt ein Doppelklick auf das “Mount CDROM“-Icon den Befehl mount /media/cdrom aus, wobei die Fehlerausgabe in einer temporären Datei landet. Danach testet das Skript, ob die Datei mit der Fehlerausgabe größer als null Byte ist. Falls das der Fall ist, also ein Fehler auftrat, zeigt das mit coolicon mitgelieferte Hilfsprogramm coolmessage die Fehlermeldung an. Ansonsten startet der – ebenfalls im Paket enthaltene – Dateibrowser coolbrowse im Mount-Verzeichnis.
Auch die Befehle für Internet-Einwahl (PPP dial-in) und das Trennen der Verbindung (Hang up) passen Sie entsprechend an die lokalen Gegebenheiten an. Tragen Sie für den Doppelklickbefehl einfach das von Ihrer Distribution verwendete Skript für eine Einwahl ins Internet ein, im Fall von Debian z. B.
#!/bin/sh pon meinprovider
Drag&Drop …
Der über das Icon File browser… erreichbare Datei-Browser coolbrowse erlaubt es Ihnen, durch Verzeichnisse zu navigieren. Dateimanager-Fähigkeiten wie das Kopieren oder Löschen von Dateien fehlen ihm jedoch. Unentbehrlich ist er dennoch – für alle, die Drag&Drop vermissen.
coolbrowse startet mit zwei Fenstern: Das linke zeigt die Dateien des aktuellen Ordners, im rechten Fenster wechseln Sie das Verzeichnis. Ein Klick auf eine Datei markiert diese. Ziehen Sie die Maus ein wenig nach unten, ändert sich die Signalfarbe auf hellgelb. Nun können Sie die Datei auf ein Icon schieben und dort fallen lassen, wobei es anfangs einige Versuche braucht, bis man das richtige Handling heraus hat.
…und nichts als Ärger
Was bei dieser Aktion geschieht, legt das linke untere Teilfenster des Konfigurationsmenüs eines Icons fest. Leider lauert hier eine böse Falle: Der Programmautor arbeitet mit Format-Strings, die die coolicon-Manpage erläutert.
Ein Eintrag der Form
#!/bin/shprogramm %p/%f
soll ein Programm starten und ihm als Argument den Pfad (%p) sowie den Dateinamen (%f) der fallengelassenen Datei übergeben. Das jedoch funktionierte im Test auf unterschiedlichen Systemen nicht. Wie Sie trotzdem in den Genuss von Drag&Drop kommen, zeigt folgende Anpassung des “X View“-Icons, wobei nicht xv, sondern display als Bildbetrachter zum Einsatz kommt. Der Eintrag
#!/bin/sh display "`sed s/file:// %A`"
sorgt dafür, dass display den korrekten Dateinamen übergeben bekommt. Bei der Variable %A handelt es sich um einen Verweis auf eine von coolbrowse angelegte temporäre Datei, die den Typ des gezogenen Objekts und den Pfadnamen enthält, z. B. file:/home/andi/pic0001.png. Der nichtinteraktive Zeileneditor sed liest diese Datei ein, löscht file: und gibt den verbliebenen Inhalt aus, also /home/andi/pic0001.png. Damit display diese Ausgabe als Argument übergeben bekommt und nicht den sed-Befehl selbst, muss dieser in “Backticks” stehen. Die umgebenden doppelten Anführungszeichen sorgen dafür, dass das Skript auch mit Dateinamen zurechtkommt, die Leerstellen enthalten. Achten Sie darauf, den Inhalt des Felds A prioritised comma separated list of MIME types : nicht zu löschen, da ein leeres Feld dazu führt, dass das Icon keine Drag&Drop-Aktionen mehr registriert. Nun öffnet sich bei einem Drop-Ereignis das Programm display mit der fallengelassenen Datei – wer mit mehreren auf einmal jonglieren will, muss das Skript modifizieren.
Für Screenshots auf Doppelklick kann import sorgen, das wie display zum ImageMagick-Paket gehört. Der Eintrag
#!/bin/sh import -window root /home/nutzername/screen$(date +%%d-%m-%Y_%H:%M).png
im Feld Script for double click: erstellt in Ihrem Home-Verzeichnis einen Screenshot, dessen Dateiname Datum und aktuelle Uhrzeit enthält. Beim zweiten % vor %d handelt es sich nicht um einen Tippfehler: Es verhindert, dass coolicon%d als Format-String für das aktuelle Verzeichnis missinterpretiert.
Natürlich brauchen Sie nicht für jede erdenkliche Anwendung ein Icon, sondern starten selten benutzte Programme über den Launcher, der Ihnen dafür ein Eingabefenster öffnet. Mit diesem Wissen gerüstet können Sie nun alle weiteren Anpassungen vornehmen und nach Herzenslust experimentieren.
Glossar
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X-Terminal-Programm
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Ein Eingabefenster für Kommandos. Ähnlich, wie Sie im Textmodus auf mehreren Konsolen arbeiten, können Sie unter X mehrere Terminal-Fenster öffnen. Beliebte Vertreter dieser Gattung sind rxvt, xterm und die etwas komfortableren Varianten aterm und eterm.
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Format-Strings
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Einfache Methode der Formatierung, die auch in einigen Programmiersprachen genutzt wird: Einer durch % gekennzeichneten Variable wird ein Wert zugewiesen. Die dem % nachfolgende Format-Spezifikation legt die Art der Variablen fest. So steht %s für einen String (also eine Zeichenkette beliebiger Länge).
Infos
[1] Andrea Müller: “Jungbrunnen aus Eis”, LinuxUser 02/2003, S. 62 f.
[2] Joachim Moskalewski: “Desktop-File-Manager”, LinuxUser 12/2000, S. 68, http://www.linux-user.de/ausgabe/2000/12/068-desktopia/desktopia.html
[3] Joachim Moskalewski: “Risc rocks”, LinuxUser 07/2002, S. 68






