Yaze

Haben Sie alle benötigten Dateien vorliegen, stehen Ihnen drei Emulatoren zur Auswahl: cpm [3], yaze 1.10 [4] und yaze-ag 2.0 [5]. Die cpm beiliegende Dokumentation ist dürftig, das Programm selbst enthält noch Fehler und kommt von seinem Funktionsumfang nicht an die Konkurrenz heran. Als Krönung ließ sich cpm auf unserem System gar nicht erst kompilieren. Ebenso erging es uns mit yaze 1.10. Daher empfehlen sich diese beiden Emulatoren hauptsächlich für Anwender mit Programmiererfahrung.

Abbildung 1: Die Einschaltmeldung des CP/M-Emulators yaze-ag
Abbildung 2: Inhalt der CP/M-Diskette im Laufwerk A: unter yaze-ag

yaze-ag ist eine Weiterentwicklung von yaze 1.1. Wie das Akronym (Yet Another Z80 Emulator) andeutet, konzentriert sich der Emulator auf Computer mit Z80-Prozessor. Netterweise bringt er den CP/M-3.1-Klon ZPM3 gleich mit. Öffnen Sie vor dem Start die versteckte Datei .yazerc aus dem yaze-ag-Verzeichnis mit einem Texteditor. Interessant sind die Zeilen vor dem go: die mount-Anweisung legt fest, dass der Buchstabe dem nachstehenden Verzeichnis bzw. Disketten-Image zugeordnet wird.

Dazu ein Beispiel: Um den Inhalt des Unterverzeichnisses daten im Emulator als Laufwerk J: erscheinen zu lassen, fügen Sie vor dem go die Zeile

mount j daten

ein. Wie Sie sehen können, bindet yaze-ag schon standardmäßig einige mitgelieferte Disketten ein. Um ein eigenes CP/M-System zu betreiben, ändern Sie hier die entsprechenden Werte ab. Nach dem Speichern öffnen Sie ein Terminal-Fenster und wechseln mit cd in das Verzeichnis, in dem sich yaze-ag befindet. Durch Eingabe von yaze starten Sie anschließend den Emulator. Beenden lässt sich yaze-ag mit dem eingebauten Systembefehl sys quit. Eine ausführliche, englische Anleitung enthält die Textdatei yaze.doc.

Ein letzter Weg zur Emulation eines CP/M-Systems besteht im Einsatz eines Emulators für Heim-Computer. Um ein derartiges System zu betreiben, benötigen Sie lediglich ein passendes CP/M-System als Disketten-Image. Beim C128-Emulator Vice genügt es dann z. B., das Disketten-Image zu laden und einen Reset auszuführen. Genaue Beschreibungen der Emulatoren finden Sie in den früheren Teilen dieser Emulatorenserie.

Abbildung 3: CP/M 3 auf dem Commodore 128

MS-DOS

Betrachtet man die langjährige Dominanz von CP/M, dann ist es erstaunlich, dass heute Microsoft den Markt beherrscht. Als IBM 1981 den ersten PC baute, fiel die Wahl tatsächlich zunächst auf CP/M 86. Bis heute bleibt allerdings ungeklärt, warum es letztendlich zu keinem Vertragsabschluss zwischen IBM und Digital Research kam. Fest steht nur, dass Microsoft den Zuschlag für ein Betriebssystem erhielt. Dieses entwickelte Microsoft jedoch nicht selbst, sondern kauften der Firma Seattle Computer Products einen CP/M-Klon namens QDOS ab. QDOS wurde noch leicht verändert und unter dem Namen MS-DOS (bzw. PC-DOS) zu einem niedrigen Preis an IBM lizenziert. Im Gegenzug durfte Microsoft auch Lizenzen an andere Hersteller vergeben. Als schließlich die Flut der PC-Nachbauten einsetzte, wurde Microsoft dadurch zum Weltmarktführer. Außer einem MS-DOS-Klon namens DR-DOS konnte Digital Research dem nichts mehr entgegen setzen. Mit dem Erscheinen von Windows 95 brach auch diese Einnahmequelle weg, und der einstige CP/M-Hersteller wurde an Novell verkauft. DR-DOS reichte man kurze Zeit später an Caldera weiter.

Für MS-DOS existiert dank seiner damaligen Marktmacht eine wahre Software-Flut. Noch heute findet man in Spiele- oder Software-Sammlungen MS-DOS-Programme. Per Emulator kann auch diese Software wieder zum Leben erweckt werden. Zur Auswahl stehen hier DOSBox [6] und dosemu [7]. Beide bilden unter Linux einen Computer mit 80x86 Prozessor nach. Hinzu kommt die damals typische Hardware wie z. B. eine SoundBlaster-Karte für die Audiowiedergabe. DOSBox geht noch einen Schritt weiter und emuliert das Betriebssystem selbst, für Dosemu benötigt man hingegen eine MS-DOS-Kopie oder ein Derivat. Sind Sie nicht (mehr) im Besitz von MS- oder DR-DOS, können Sie auf das freie FreeDOS [8] zurückgreifen, das Sie auch auf der Heft-CD finden. (Die Heft-CD bootet sogar in FreeDOS.) Beachten Sie aber, dass FreeDOS noch nicht ganz ausgereift ist. Gleiches gilt übrigens auch für DOSBox: In unseren Tests traten z. B. Probleme mit der Tastatur auf.

Um mit DOSBox ein DOS-Programm zu starten, ziehen Sie es in einem Dateimanager einfach auf das DOSBox-Symbol. Es öffnet sich dann ein Fenster, in dem das Programm ausgeführt wird. Sollte der Mauszeiger gefangen sein, können Sie ihn über [Strg+F10] wieder freigeben. Mit dem Kommando exit beenden Sie den Emulator. Benötigen Sie eine spezielle Konfiguration oder schlägt das obige Verfahren fehl, müssen Sie den Umweg über ein Terminal-Fenster gehen und dabei DOSBox einige Startparameter mit auf den Weg geben. Lesen Sie in einem solchen Fall die beiliegende README-Datei.

Abbildung 4: Der DOS-Emulator DOSBox in Aktion. Hier wurde er ohne Programm gestartet

Konkurrent dosemu blickt auf eine langjährige Entwicklungszeit zurück und ist DOSBox entsprechend überlegen. So bietet dieser Emulator z. B. zusätzlich Netzwerk- und CD-ROM-Unterstützung, und es können sogar frühe Windows-Versionen gestartet werden. Leider macht ein derartiger Funktionsumfang die Konfiguration alles andere als trivial. Eine Beschreibung der Konfigurationsdateien würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Die meisten Distributionen, denen dosemu beiliegt, bieten aber eine gute Basiskonfiguration. Unter SuSE Linux genügt nach der Installation z. B. die Eingabe von dosemu in einem Terminal-Fenster. Erste Anlaufstellen für weitere Informationen finden Sie im Kasten Infos. Haben Sie die Hürde der Installation überstanden, müssen Sie sehr wahrscheinlich noch mit der Konfiguration des DOS-Systems selbst kämpfen: Zwar besitzt MS-DOS nur zwei zentrale Konfigurationsdateien (config.sys und autoexec.bat), jedes Programm verlangt aber eine spezielle Speicher- und Treiberkonfiguration, die herzustellen schon so manche graue Haare verursacht hat.

MS-DOS- und CP/M-Befehle 

DOS- und CP/M-Programme erkennt man an der Endung .exe oder .com. Sie können durch Eingabe ihres Namens ohne Erweiterung gestartet werden. Hier ein kleiner Überblick über weitere Befehle: * dir zeigt das Inhaltsverzeichnis an

  • a: wechselt das aktuelle (Disketten-) Laufwerk. Letztere wurden mit Buchstaben durchnumeriert (beginnend bei A)
  • cd verzeichnis wechselt in das Unterverzeichnis mit dem Namen verzeichnis
  • copy a:text1.txt b:text2.txt kopiert die Datei text1.txt vom aktuellen Verzeichnis auf Laufwerk A: in die Datei text2.txt des aktuellen Verzeichnisses auf Laufwerk B:
  • ren datei1.txt datei2.txt benennt die Datei datei1.txt in datei2.txt um
  • del datei1.txt löscht die Datei datei1.txt

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