Schwebende Elemente

LyX-Workshop, Teil 3

01.03.2003
In diesem Teil unseres LyX-Workshops arbeiten wir mit mathematischen Symbolen und binden Tabellen und Grafiken ein. Anschließend zeigen wir, wie eine Textklasse aufgebaut wird.

Logische Konstrukte, Formeln und griechische Buchstaben schreiben Sie mit LyX im Mathematik-Modus. Wenn Sie bereits mit LaTeX mathematische Ausdrücke erstellt haben, dann werden Sie um die Schwierigkeit des Layouts wissen. Die Perfektion des Dokumentes erkauft sich der LaTeX-Nutzer durch ein mühsames Programmieren der Formeln. Jedes mathematische Element des Makropakets muss der Anwender in der DVI-Vorschau überprüfen und eventuell im Quelltext korrigieren.

Formeln

In diese Lücke stößt das WYSIWYM-Konzept des Frontends LyX. Seine Facetten reichen von der Eingabe eines LaTeX-Befehls über Shortcuts bis zum reinen Klicken auf ein Symbol. Egal, für welche Methode Sie sich entscheiden, die Darstellung der Textverarbeitung bleibt immer so nahe wie möglich am Druckergebnis.

Um in den Mathematik-Modus zu wechseln, drücken Sie den Button mit dem a+b:c-Bruch in der Werkzeugleiste. Auf der Tastatur entspricht dieser Schalter der Tastenkombination [Strg-m]. Um sich mit dem Schreiben in dieser Textmaske vertraut zu machen, schauen wir uns das erste Beispiel an. Zunächst folgen wir dabei der klickbaren Variante.

Über den Button mit dem Bruch-Symbol schalten Sie den Mathematik-Editor ein. In Ihrem Dokument erscheint daraufhin ein blaues Kästchen in einem roten Rahmen. Das blaue Feld ist der Fokus, in den der Cursor Ihre Eingabe schreibt. Der rote Rand hingegen zeigt an, dass Sie in diesem Bereich im Mathematik-Modus arbeiten.

Wählen Sie in der Menüleiste die Option Einfügen/Mathe/Mathematische Symbole. In Abbildung 1 sehen Sie das Dialogfenster, das durch die ausgeführte Option erscheint. In der oberen Knopfleiste des Fensters drücken Sie den zweiten Schalter von links, der einen Bruch symbolisiert. Im roten Bereich Ihres Textes entsteht ein leerer Bruch.

Um den oberen blauen Platzhalter mit Inhalt zu füllen, schieben Sie den Cursor mit der entsprechenden Pfeiltaste in das Feld hoch. Schreiben Sie als Zähler eine 3 in das Kästchen über dem Bruchstrich. Bewegen Sie mit der Abwärts-Pfeiltaste den Cursor in Fokus unterhalb des Bruchstrichs. Als Nenner bietet sich die 4 an.

Abbildung 1: Eine kleine Formel

Nachdem Sie Ihr erstes Element geschrieben haben, verlassen Sie mit der Leertaste den Bereich. Sie können auch mit der Escape-Taste [Esc] den Mathematik-Modus abschalten. Alles, was Sie nun schreiben, wird als gewöhnlicher Text formatiert. Wenn Sie den Cursor erneut zum Bruch bewegen, öffnet sich wieder der rote Rahmen, und Sie könnten weitere mathematische Zeichen hinzufügen.

Als LaTeX-Profi dürfen Sie Ihre Formel sogar als Code direkt in den Editor tippen. Die Tastenkombination [Strg-m] öffnet den Mathematik-Modus. In das Eingabefeld schreiben Sie \frac und drücken dann die Leertaste. Das Kommando \frac definiert in der Welt von LaTeX einen Bruch, den LyX ohne Umstände anzeigt. Füllen Sie das blaue Quadrat mit Hilfe der Pfeiltasten aus und beenden Sie den Modus mit der Leertaste.

Wenn Sie sich für die Kommandos der Symbole interessieren, finden Sie eine Liste der Zeichen mit dem Befehl locate symbols.dvi. Diese Datei betrachten Sie im DVI-Viewer Ihrer Wahl:

kdvi symbols.dvi

oder

xdvi symbols.dvi

Noch schneller als mit LaTeX-Befehlen arbeiten Sie mit den Shortcuts. Die Tastenkombination [Strg-m] haben Sie ja bereits kennen gelernt. Zur Erinnerung: Alle Kürzel dieses Modus stehen global in der Datei math.bind, die Sie im Unterverzeichnis bind des LyX-Installationsverzeichnis (z. B. /usr/share/lyx/bind/) finden.

Wo sich der Systemordner befinden, verrät Ihnen die Option Hilfe/Über LyX. Doch zurück zu unserem Bruch. Mit der Abkürzung [Alt-m f] zaubern Sie dieses Element hervor und bearbeiten es wie gehabt. Um Ihnen den Einstieg in die Materie zu erleichtern, haben wir in Tabelle 1 einige Shortcuts zusammengestellt.

Tabelle 1: Shortcuts

[Alt-m g] [Buchstabe] Griechische Buchstaben
[Alt-m s] Wurzel
[Alt-m f] Bruch
[Alt-m 8] Unendlich
\Befehl[Leertaste] LaTeX-Code
_ Tiefstellen
^ Hochstellen
[Alt-m _] Unterstrich
[Alt-m b] Überstrich
[Leertaste] Element beenden
[Alt-m] [Klammerzeichen] Angepasstes Klammerpaar
[Strg-m] Mathe-Modus starten
[Esc] Mathe-Modus beenden

Zwei weitere wichtige Funktionen sind Sinus und Cosinus. Im Mathematik-Editor nimmt die Textverarbeitung jeden Buchstaben als Variable und setzt ihn kursiv. Dieses Verhalten führt bei Funktionsnamen zu einer falschen Darstellung, wenn Sie einfach sin für Sinus schreiben. Wählen Sie stattdessen in der Dialogliste der Mathe-Symbole den Punkt sin oder geben Sie den LaTeX-Befehl \sin ein. Die Unterschiede des Layouts sehen Sie in Abbildung 2.

Abbildung 2: Ein Sinus – einmal falsch und einmal richtig eingefügt

Bei umfangreichen Dokumenten bietet sich ein Absetzen oder Nummerieren der Formeln an. Die Option Einfügen/Mathe/Abgesetzte Formel zentriert eine markierte Berechnung als eigenen Abschnitt. Einen weiteren Schritt zur Übersichtlichkeit erreichen Sie mit dem Menüpunkt Einfügen/Marke.

Mit ihm fügen Sie in das Fenster des Editors nach der Formel eine Marke ein. Sie werden nach einem Namen gefragt, den Sie frei wählen dürfen. In der normalen Ansicht erscheint dann rechts von der Formel der Name der Marke in Klammern.

Jede abgesetzte und gekennzeichnete Formel bekommt in der Seitenvorschau eine durchgehende Nummer zugewiesen. Im Editor selbst sehen Sie allerdings nur die Marke.

Obwohl sich das Programm automatisch um den richtigen Anstand zwischen Zeichen und Zeilen kümmert, können Sie ihm bei Bedarf auf die Sprünge helfen. Wie Sie sicher schon bemerkt haben, hat das Leerzeichen innerhalb einer Formel einen anderen Sinn, als Elemente zu trennen. Um den Abstand zwischen den Elementen zu richten, greifen Sie auf das feste Leerzeichen zurück.

Es zeigt ihnen im Eingabefeld ein kleines rotes "U" zwischen den Zeichen. Mit dem Shortcut [Strg-Leerzeichen] fügen Sie es in Ihren Text ein. Die Feineinstellung übernimmt das Fenster der Option Einfügen/Mathe/Mathematische Symbole. Im Mathe-Fenster sehen Sie einen Knopf, der mit einem kleinen roten Symbol, das einem "U" ähnelt, beschriftet ist. Hier legen Sie genauere Abstände zwischen den Zeichen fest.

Grafiken einbinden

Neben Formeln sind Abbildungen das häufigste Element in einem überschaubaren Dokument. LyX beherrscht das Einbinden von Grafikdateien. Allerdings ist die WYSIWYM-Darstellung nicht so ausgereift wie in den anderen Einsatzgebieten des Editors: Die Abbildung wird zwar im Editor angezeigt, die Größe des Bildes erkennen Sie jedoch erst in der DVI-Vorschau. Dieses kleine Manko wird bei der LyX-Version 1.2.0 mit erweiterten Grafikfunktionen mehr als wett gemacht. Während das Programm früher nur mit Postscript-Grafiken zurechtkam, arbeitet es jetzt zum Beispiel ebenfalls mit Gif- oder Jpeg-Dateien.

Die einfachste Methode, eine Grafik in das Dokument einzubinden, ist die Verwendung des Menüpunktes Einfügen/Abbildung. Darüber öffnet sich eine Eingabemaske mit verschiedenen Karteikartenreitern.

Schauen wir uns die wichtigsten Einstellungen dieses Fensters einmal an: Unter dem Reiter Datei finden Sie ein gleichnamiges Feld mit dem Knopf Durchsuchen. Hier geben Sie den Namen der gewünschten Datei ein oder durchsuchen den Verzeichnisbaum nach ihr. Der Button Drehen rotiert das Bild um eine wählbare Achse.

In der Karteikarte LyX Ansicht konfigurieren Sie die Anzeige und Größe der Abbildung in der WYSIWYM-Darstellung. Mit dem Reiter der Aufschrift LaTeX Größe skalieren Sie die Grafik an sich. Sie können zwischen einer prozentualen Abbildungsgröße und frei definierbaren Werten entscheiden.

Die Bounding Box schneidet ein geladenes Postscript-Format zurecht, und unter Extras geben Sie der Datei zusätzliche LaTeX-Befehle mit auf den Weg.

Nachdem Sie auf diese Weise eine Abbildung eingebunden haben, können Sie sie im Menü Layout/Absatzformat wie einen Textabsatz anpassen. Freilich bringt diese simple Art der Grafikeinbindung einige Nachteile mit sich: So ist es etwa unmöglich, eine Abbildung mit einer Begleitzeile zu versehen.

Ein weiteres Ärgernis ist der Seitenumbruch. Da eine Grafik nicht auf zwei Seiten verteilt werden kann, bleiben weiße Stellen im Dokument, wo der Platz für das Bild nicht reicht. Das LaTeX-Frontend lässt hier ein Hintertürchen offen: Das Gleichgewicht des Layouts hält die Float-Umgebung in der Schwebe.

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