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Mail und mehr

Integrierte Mail-Programme: Evolution, Mahogany und Mozilla

01.03.2003 Ebenso, wie sich die Briefpost heutzutage im Lebensmittelgeschäft abwickeln lässt, finden sich auch unter Linux einige E-Mail-Programme, die mehr beherrschen als die pure Mail-Verwaltung. Wir stellten die wichtigsten dieser kommunikativen Alleskönner auf den Prüfstand.

Ob man private oder geschäftliche Kontakte pflegen, Termine vereinbaren, sich über das Tagesgeschehen informieren oder chatten und surfen will – das Internet erfüllt all diese Wünsche und noch viele mehr. Der Stolperstein dabei: Traditionell muss man sich dafür in unzählige Programme mit unterschiedlicher Bedienung einarbeiten, zwischen denen mit ein wenig Pech noch nicht einmal der Datenaustausch funktioniert. Abhilfe versprechen integrierte Mail-Programme, die dem Benutzer eine Art Alles-inklusive-Lösung versprechen. Ob deren Vielseitigkeit dazu führt, dass die Programme von allem etwas, aber nichts richtig können oder ob sie den klassischen MUA-Spezialisten (vgl. S. 24 ff.) Konkurrenz machen, beleuchtet dieser Artikel.

Evolution

Außer der Mail-Funktionalität bietet evolution [1] einen Kontaktmanager, Kalender und Aufgabenplaner und präsentiert sich so als komplette Groupware. Das Programm unterstützt das Planen von Besprechungen und erlaubt es, Informationen über freie Termine direkt aus dem Kalender-Modul heraus an Mitarbeiter zu verschicken. Dem evolution nutzenden Empfänger bietet sich dann die Möglichkeit, einen Termin direkt aus dem Mail-Fenster heraus zuzusagen oder abzulehnen. Die Software erledigt daraufhin alles Notwendige; sie versendet eine Antwort und trägt den Termin gegebenenfalls in den Kalender ein.

Ihre Optik lehnt sich an Microsoft Outlook an, was man schon beim ersten Start an der linksbündig ausgerichteten Shortcut-Leiste sieht. Besonders gut gelungen ist die frei konfigurierbare Überblicksansicht, in der man die Zahl ungelesener Mails und alle anstehenden Termine des Tages im Blick hat. Zudem lassen sich die aktuelle Wetterlage und Meldungen diverser Newsticker integrieren. Berührungsängste mit der Konkurrenz kennt evolution dabei nicht: In diesem GTK-Programm sind die neuesten Nachrichten von dot.kde.org nur wenige Mausklicks entfernt.

Als Postverwalter erfüllt evolution so ziemlich alle Wünsche, z. B. die Einrichtung mehrerer Mail-Konten und eine gut integrierte GnuPG-Unterstützung ([2], Abbildung 1).

Abbildung 1: GnuPG-Schlüsselüberprüfung unter Evolution

Obwohl evolution in der Lage ist, HTML-Mails zu versenden und in diese auch hübsche grafische Smileys einfügen kann, haben die Entwickler nicht vergessen, dass HTML-Mails nicht bei jedem gern gesehen sind. Besteht eine solche Abneigung bei einem Korrespondenzpartner, vermerken Sie diese im Adressbuch, woraufhin das Programm Sie in Zukunft warnt, wenn Sie versuchen, HTML an diesen Kontakt zu schicken. Die Entwickler selbst haben offensichtlich keine Abneigung gegen HTML in Mails, denn bei Mails mit der Inhaltsauszeichnung multipart/alternative, die ihren Inhalt in verschieden formatierten Varianten enthält, unterschlägt evolution die reine Text-Version komplett und zeigt nur "buntere" Formatvarianten wie HTML. Dass der Benutzer nicht entscheiden kann, welches Format er bevorzugt, ist schlimm genug – dass nicht einmal ein Anhangsymbol auf den weiteren Inhalt aufmerksam macht, grenzt hingegen an Entmündigung der Anwender (Abbildung 2).

Abbildung 2: Evolution unterschlägt den text/plain-Teil

Ansonsten greift evolution oft auf clevere Weise auf Attachments zu: Erhaltene vCards lassen sich z. B. mit dem Adressbuch-Minicard-Viewer inline betrachten. In dieser Ansicht kann der User die Informationen per Mausklick ins Adressbuch übernehmen. Für Formate, die nicht inline dargestellt werden können, besteht die Option, sie in externen Anwendungen zu öffnen.

Mit dem Konzept der virtuellen Ordner haben Nutzer die Möglichkeit, Mails nach Filterkriterien sortiert zusammenzufassen. Auch eine gespeicherte Suche kann in solch einem Ordner abgelegt werden. Ohne große Kopieraktionen bündelt man so thematisch zusammengehörende Nachrichten an einem Platz. Auch die recht gelungene (wenn auch nicht ganz vollständige) deutsche Lokalisierung spricht für evolution.

Mozilla Mail&News

Wer sich partout nicht mit der Philosophie eines separaten, eventuell um Planungsmöglichkeiten erweiterten Mail-Programms anfreunden kann, kommt an mozilla nicht vorbei. Diese Internet-Komplett-Suite kümmert sich nicht nur um die Postverwaltung, sondern besteht aus Web-Browser, Mail- und News-Client, IRC-Programm und HTML-Editor. Ausreichend konfigurierbar, dabei jedoch nicht überladen, fällt die Einarbeitung auch Internet-Novizen leicht.

Bei der Einrichtung des ersten Kontos hilft ein Assistent, der schnell für eine funktionierende Grundkonfiguration sorgt. Geht es an die Feinabstimmung, fallen dem Anwender schnell einige Merkwürdigkeiten auf. So ordnet man einem Account einen zuvor definierten SMTP-Server unlogischerweise nicht unter den Server-Einstellungen, sondern auf der Haupt-Registerkarte des Accounts unter dem Punkt Erweitert (Abbildung 3) zu.

Abbildung 3: SMTP-Server-Einstellung unter Mozilla

Die weiteren Konfigurationsoptionen verteilen sich auf sechs Registerkarten. Darin legt man z. B. in übersichtlicher Form fest, ab welcher Größe Mail-Anhänge nicht herunter geladen werden sollen oder wie mozilla auf die Aufforderung, eine Empfangsbestätigung zu senden, reagiert. Für globale Einstellungen sind der Menüpunkt Bearbeiten / Einstellungen / Mail & Newsgroups und dessen Untermenüs die richtige Anlaufstelle.

Die eigentliche Postverwaltung erweist sich als angenehm. Weder IMAP noch POP bereiten Mozilla Probleme, konfigurierbare Filter sorgen für Ordnung, und die grafische Umsetzung von ASCII-Smileys ist eine nette Zugabe (Abbildung 4).

Abbildung 4: Mozilla zeigt, was der Empfänger meint

Auch große Mail-Ordner bringen mozilla nicht ins Schleudern, können aber zu Schrecksekunden beim Anwender führen, wenn sie auf einmal leer erscheinen. In diesen Fällen ist die zum Ordner gehörende mst-Datei, die mozilla-interne Verwaltungsinformationen enthält, kaputt. Löscht man diese Datei, liest mozilla die E-Mails neu ein, so dass sie wieder sichtbar werden. Zuvor getroffene Einstellungen für den Ordner, wie z. B. das Aktivieren der Thread-Ansicht, gehen dabei allerdings verloren.

Für ein Mitglied eines Browser-Pakets wäre es ein Armutszeugnis, könnte es nicht mit HTML umgehen. Positiv dabei: In der Default-Einstellung führt der Mail- und News-Client kein JavaScript aus, und auch das Nachladen von Grafiken aus dem Internet kann man ihm verbieten. Die Entscheidung, Mails per Default im HTML-Format zu versenden, ist leider weniger glücklich. Zwar verschickt Mozilla trotzdem text/plain, wenn man keine der HTML-Formatierungsoptionen wie Fettdruck oder Farben auswählt, gerade Mail-Anfänger können aber nicht wissen, dass die hübsche bunte Schrift dazu führt, dass ihre Mails auf Empfängerseite vielleicht direkt in den Papierkorb wandern. Ebenso wie evolution hält mozilla nichts davon, den Anwender davon in Kenntnis zu setzen, dass multipart/alternative-Mails außer einem HTML- auch noch einen Textteil haben. Wer sich daran nicht stört und gerne alle Internet-Anwendungen unter einem Dach vereint hat, findet in mozilla ein leistungsfähiges, aber trotzdem einsteigerfreundliches Mail-Programm.

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LinuxUser 06/2012

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