Exotische Postler
E-Mail-Programme jenseits des Mainstreams
TkRat
Der Dritte im Bunde der Skriptsprachen-MUAs heißt TkRat [10] und ist in Tcl/Tk geschrieben. Dass er zu den ausgereifteren Programmen zählt, lässt sich bereits daran ablesen, dass er beim ersten Start die Möglichkeit bietet, die Sprache für die Oberfläche und die Programmhilfe einzustellen. Auch Deutsch ist eine Option (Abbildung 9).
Das Anlegen eines Accounts gestaltet sich hingegen etwas kompliziert: Sie wählen zunächst Administration / Einstellungen aus dem Menü und markieren in der Baumansicht des Konfigurationsdialogs den Eintrag Rollen / Standard / Versenden. Als Versandart geben Sie SMTP ein oder externes Programm, falls Sie Ihre Mail über einen lokalen Mailserver versenden. Das Feld SMTP-Server nimmt die Adresse des SMTP-Servers auf.
Im gleichen Dialog wählen Sie jetzt Optionen / Erweitert in der Baumansicht und geben den POP3- oder IMAP-Server ein. Das Feld Entfernter Benutzer nimmt den dortigen Benutzernamen auf, Entfernter Server den Namen des Servers.
Den Ordner zur Aufnahme der Mails richten Sie über Administration / Ordner anlegen/bearbeiten... ein und wählen Erstellen / Neuer Ordner aus dem Menü (Abbildung 10). Im Feld Name legen Sie einen aussagekräftigen Namen für den Ordner fest. Die Angaben zu Host und Benutzer füllt TkRat mit den Daten aus dem Optionen-Dialog für Sie aus.
Bevor sich das Programm dazu bequemte, Mails vom Server zu holen, benötigte es im Test allerdings einen Neustart. Zum Lesen von Mails bietet das Ordner-Menü die möglichen Folder an. Auf deren Auswahl hin stellt TkRat eine Verbindung zum Server her und holt die neue Post ab.
Leider bringt die durchgängig deutsche Online-Hilfe kein Licht in diese etwas umständliche und unübersichtliche Konfiguration. Ist die einmal vollbracht, überzeugt das Programm durch seine Stabilität. Das Adressbuch verdient wieder einmal nur bedingt seine Bezeichnung, da es zu jedem Namen nur einen Alias zur schnellen Auswahl und die E-Mail-Adresse aufnimmt. Dafür importiert TkRat Alias-Listen aus elm und pine.
XFMail
Vor ein paar Jahren noch ein Stern am Linux-Himmel grafischer Mailclients, wirkt die ist mit der Bibliothek XForms [11] geschriebene Oberfläche von XFMail [12] heute etwas altbacken (Abbildung 11). Standardmäßig zeigt sich das Programm in einer Zwei-Fenster-Ansicht: links die Mail-Ordner, rechts die Liste mit den Nachrichten. Ein Doppelklick öffnet ein neues Fenster zum Lesen und Bearbeiten der markierten Nachricht. Dieses Verhalten lässt sich abstellen, dann arbeitet das Programm mit einem Vorschaufenster wie andere Mail-Programme auch. XFMail unterstützt POP3 und IMAP, sendet Nachrichten an Newsserver, kann aber keine News lesen.
Bei der Einrichtung eines E-Mail-Accounts greift der Anwenderin ein Assistent unter die Arme. Doch bereits hier zeigt sich, dass Durchschaubarkeit nicht die Stärke des Programms ist: Die Vielzahl der Konfigurationsmöglichkeiten dürfte so manche verwirren (Abbildung 12). Auch die Menüstruktur lässt sich nur schwer durchschauen, dafür bekommt die Nutzerin wiederum umfangreiche Konfigurationsoptionen geboten. Die knappe, aber immerhin vollständige Online-Hilfe in englischer Sprache wirkt da bestenfalls lindernd.
Mailboxen legt XFMail im Verzeichnis ~/Mail an; findet es dort bereits Dateien vor, weist es auf diesen Misstand hin und benennt die vorhandenen Files um.



