Dr. Linux
Komplizierte Organismen, wie Linux-Systeme es nun einmal sind, haben so ihre ganz eigenen Wehwehchen. Dr. Linux beobachtet die Patienten in den Linux-Newsgruppen, stellt an dieser Stelle Rezepte für aktuelle Probleme aus und alternative Heilmethoden vor.
Kasten 1: Was ist Knoppix?
Wo die einen erst einmal langwierig installieren, ehe sie sich mit einem Linux-Desktop-System vergnügen dürfen, nehmen die anderen eine CD zur Hand, booten den Rechner davon und fangen an zu arbeiten. Die Daten auf dem Gast-PC werden dabei nicht angetastet; das gesamte System läuft im Arbeitsspeicher. Das Ein-CD-Linux, das dies möglich macht, heißt Knoppix und basiert auf der Debian-Distribution.
Eine automatische Hardware-Erkennung sorgt dafür, dass viele Grafik- und Soundkarten, SCSI- und USB-Geräte wie auch sonstige Hardware-Komponenten erkannt und ins Live-System eingebunden werden. Vollkommen auf Open-Source-Software setzend, lässt sich Knoppix als Rettungssystem, mobile Arbeitsstation, Netzwerk-Client oder Plattform für (Multimedia-)Demonstrationen einsetzen. Inzwischen gibt es Knoppix angepasst an verschiedene Sprachen und kann sogar auf Fesplatte installiert werden (siehe auch die "Distri-Bits" auf Seite 20 f. in diesem Heft).
Das CD-Image zum Selbstbrennen besorgen sich Interessierte von der Knoppix-Website [2]. Dort sind auch Bezugsquellen für fertige Knoppix-CDs zu finden. Die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verteilte Knoppix-CD [3] war zu Redaktionsschluss aufgrund der großen Nachfrage nicht mehr lieferbar. (Patricia Jung)
Superuser werden
Das Gute an einem von der Knoppix-CD gebooteten System ist, dass man ungestört herumspielen und Linux lernen kann, ohne dass Daten dran glauben müssen: Einfach neu von CD booten, und alles ist wieder im Lot. Doch bislang scheitern meine Versuche daran, dass ich die virtuellen System- und Konfigurationsdateien nicht ändern kann. Wie komme ich an die nötigen root-Rechte?
Dr. Linux: Anwender, die schon etwas Erfahrung mit der Linux-Kommandozeile haben, brauchen einfach nur auf eine der vier Textkonsolen wechseln, auf denen sie bereits automatisch als root angemeldet sind. Mit der Tastenkombination [Strg-Alt] plus eine der Funktionstasten [F1] bis [F4] schalten Sie von der grafischen Oberfläche darauf um. Zurück zu KDE geht es mit [Alt-F5].
Wer sich lieber direkt auf der grafischen Oberfläche als Systemverwalter betätigt, bekommt im KDE-Menü über die Anwahl des Punktes KNOPPIX / Root-Shell (Abbildung 1) eine Kommandozeile mit root-Rechten.
Eine Alternative bietet der Befehl sudo. Dieses Programm erlaubt es normalen Benutzern, definierte Kommandos als root auszuführen. Die Konfigurationsdatei /etc/sudoers legt fest, welche Befehle das sind und welcher Anwender sie benutzen darf. Die /etc/sudoers von Knoppix erlaubt es dem einzigen unter Knoppix vordefinierten, unprivilegierten User knoppix, jedes Kommando auch mit root-Rechten auszuführen. Hat dieser ein Terminalprogramm geöffnet, kommt er mit dem Befehl sudo zu einer Root-Shell
knoppix@ttyp0[knoppix]$ sudo bash root@ttyp0[knoppix]#
Schon signalisiert das #-Zeichen, dass er jetzt als Superuser arbeitet. Mit exit beendet knoppix die Shell und gibt die Privilegien wieder ab.
Sag mir dein Passwort!
Ich habe eine Knoppix-CD erworben und bin begeistert von meiner ersten Begegnung mit Linux. Aber nachdem ich mich ein wenig durch das KDE-Kontrollzentrum geklickt habe, musste ich feststellen, dass ich für verschiedene Konfigurationsarbeiten das root-Passwort von Knoppix benötige (Abbildung 2). Wo finde ich das?
Dr. Linux: Gar nicht: Wie die Datei README_Security.txt im Verzeichnis KNOPPIX auf der CD verrät, sind alle Passwörter auf einem frisch gebooteten Knoppix-System gesperrt, wodurch ein Einloggen auf dem System nicht möglich ist. Dies verhindert beispielsweise die Anmeldung unerwünschter Gästen bei einer Online-Verbindung. Konsequenterweise startet Knoppix keine System-Dienste automatisch, die einen Zugriff von außen erlauben könnten.
Doch wie administrieren Sie Ihren Rechner denn nun unter KDE? Neu-Linuxer setzen am einfachsten selbst ein root-Passwort in der sogenannten root-Shell. Eine solche Shell führt Ihre Befehle mit Systemadministrator-Rechten aus. Sie finden einen entsprechenden Menüeintrag in der KDE-Menüleiste unter dem Punkt KNOPPIX (Abbildung 1).
Im sich öffnenden Programmfenster geben Sie einfach das Unix-Kommando zum Ändern des Passworts ein, und die Sache läuft. Dieser Befehl heißt passwd:
root@tty0[knoppix]# passwd Enter new UNIX password: neues_root-Passwort Retype new UNIX password: neues_root-Passwort passwd: password updated successfully
Nach Erscheinen der Aufforderung Enter new UNIX password: ("Geben Sie ein neues Unix-Passwort ein:") tippen Sie das gewählte root-Passwort ein. Es wird dabei nicht angezeigt, falls Ihnen jemand über die Schulter schauen sollte. Bestätigen Sie Ihre Eingabe mit [Enter]. Auf die Aufforderung Retype new UNIX password: ("Geben Sie das neue Unix-Passwort erneut ein:") hin wiederholen Sie das Passwort und drücken wieder die [Enter]-Taste. Haben Sie zweimal dasselbe eingetippt, erscheint die Erfolgsmeldung des passwd-Kommandos passwd: password updated successfully ("passwd: Passwort erfolgreich aktualisiert").
Wenn Sie sich vor Aufregung vertippt haben, gibt es stattdessen eine Fehlermeldung:
Sorry, passwords do not match passwd: Authentication information cannot be recovered
("Leider stimmen die Passwörter nicht überein. passwd: Die (gerade eingegebenen) Authentifizierungsinformationen können nicht gerettet werden") In diesem Fall wiederholen Sie den Vorgang einfach.
Ein so gesetztes root-Passwort überlebt bei Knoppix einen erneuten Boot-Vorgang natürlich nicht (und muss in diesem Fall auf dieselbe Art und Weise wieder neu gesetzt werden; vgl. aber auch nächste Frage). Aber in der aktuellen Knoppix-Session können Sie es im KDE-Kontrollzentrum und überall dort, wo es erforderlich ist, zum Einsatz bringen.



