Umstieg auf GCC 3.2

Auch bewährte Arbeitspferde müssen manchmal jüngeren weichen: Statt auf die "GNU Compiler Collection" 2.95 setzt die Debian-Entwicklerversion mit dem immerwährenden Codenamen Sid seit neuestem auf Version 3.2 dieser Sammlung freier Compiler für C, C++, Fortran und einige andere Sprachen. Entwickler, Paketverwalter, Tester und Anwender, die sich mit der Entwicklerversion beschäftigen, finden einen Übergangsplan unter http://people.debian.org/~rmurray/c++transition.html, der sich auch mit den Auswirkungen dieser Umstellung beim Übersetzen von C++-Programmen beschäftigt.

Nutzer der stabilen Debian-Version 3.0r1 (Woody) können sich hingegen entspannt zurücklehnen: So lange sie keine Sid-Pakete benutzen, bringt dieser Schritt keine Veränderung für sie mit.

Starten von Platte statt von CD

Wenn bei einer Distribution die Zwischenversionen nur so purzeln, dann bei Klaus Knoppers Ein-CD-Linux Knoppix. Auf das Neujahrsrelease von Version 3.1 folgte zu Redaktionsschluss bereits ein weiteres. Während letzteres in erster Linie Fehler behebt, hieß das Highlight der Neujahrsausgabe knx-hdinstall, Version 0.37.

Dieses Skript von Christian Perle, das sich auf dem System im Verzeichnis /usr/local/bin befindet, bietet die Lösung für alle, die Knoppix nicht einfach auf beliebigen PCs von CD booten, sondern es "richtig" auf Festplatte installieren wollen. Um das nötige Verkleinern ggf. vorhandener Windows-Partitionen muss sich der Anwender vorher mit anderen Tools kümmern, wobei zu beachten ist, dass unter Linux zur Zeit keine Möglichkeit besteht, NTFS-Dateisysteme ohne Datenverlust zu verkleinern. Wer von einem Skript jedoch grundsätzlich erwartet, im Textmodus Fragen gestellt zu bekommen, wird positiv überrascht: Dank dialog [1] beziehungsweise Xdialog bietet es eine (pseudo-)grafische Oberfläche für die Benutzereingaben.

Abbildung 1: knx-hdinstall installiert Knoppix auf Festplatte

knx-hdinstall stößt die Installation des Knoppix-Systems auf einer einzigen Partition an. Pakete lassen sich dabei nicht auswählen, eine Swap-Partition kann hingegen angelegt werden. Zur Partitionierung bzw. Partitionsauswahl kommt das Programm cfdisk zum Einsatz. Die beim Booten von Knoppix erkannte Hardware überträgt das Skript in die Konfiguration des installierten Systems. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die Dateien /etc/modules und /etc/X11/XF86Config-4.

Etwas minimalistisch fällt die Auswahl der beim Booten zu startenden Dienste aus: Aussuchen lassen sich der Mailserver smail, ssh, samba, der Druckdienst cups und kdm für's grafische Login. Der Lohn der Mühe ist ein Debian-System, das gegenüber Woody zum Teil deutlich aktuellere Pakete nutzt.

Vorsichtigere Naturen, die erst genau wissen möchten, was sie bei der Knoppix-Festplatten-Installation erwartet, dürfen sich an Fabian Franz' vergnüglicher Beschreibung unter http://www.pl-berichte.de/berichte/knoppix_hdinstall/knoppix-hdinstall.html ergötzen.

Wer bei den rasch aufeinanderfolgenden Knoppix-Ausgaben auf dem Laufenden bleiben will, wirft öfter mal einen Blick auf die CHANGELOG-Datei unter http://ftp.freenet.de/pub/ftp.uni-kl.de/pub/linux/knoppix/KNOPPIX-CHANGELOG.txt. Hier erwartet nur des Deutschen mächtige Leser seit Anfang des Jahres ein kleiner Kulturschock: Dank der ständig wachsenden Anzahl nicht Deutsch sprechender User und Entwickler wird die Datei nunmehr auf Englisch weitergeführt. Denn seinen Siegeszug durch die Welt hat Knoppix längst begonnen: So gibt es zum Beispiel eine japanische Ausgabe (http://unit.aist.go.jp/it/knoppix/) und eine chinesische aus Taiwan (ftp://cle.linux.org.tw/pub2/KNOPPIX/bv1al/).

Infos

[1] Christian Perle: "Frage und Antwort", LinuxUser 11/2001, S. 78 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2001/11/078-ootb/dialog-4.html

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