Jungbrunnen aus Eis

deskTOPia: icewm

01.02.2003
Anleitungen, wie Sie einen Rechner älterer Bauart sinnvoll im Netzwerk nutzen, gibt es im Überfluss. Auch einer Verwendung als grafischer Desktop-Rechner steht nichts im Weg – beispielsweise mit dem Window Manager icewm.

deskTOPia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Ältere Hardware hat fast jeder daheim, und in den meisten Fällen dürfte diese als Router dienen. Ein Einsatz als Desktop-Rechner scheint kaum realisierbar, stellen doch moderne Desktop-Umgebungen wie KDE hohe Anforderungen an Grafik, Arbeitsspeicher und Festplattenplatz. Doch wer vor alternativen Lösungen und ein wenig Planung nicht zurückschreckt, kann auch auf älteren PCs grafisch arbeiten.

Tabelle 1: Alternative Window Manager und Taskbars

Fenstermanager
blackbox klein und schnell mit gefälliger Optik http://sourceforge.net/projects/blackboxwm
fluxbox auf blackbox-Code basierend mit einigen Verbesserungen http://fluxbox.sourceforge.net/
aewm kleiner Window Manager in schlichter Optik http://www.red-bean.com/~decklin/aewm
pwm ressourcensparend, mit interessantem Fensterkonzept [4] http://modeemi.cs.tut.fi/~tuomov/pwm
larswm minimalistisch, für Tastaturliebhaber http://www-personal.umich.edu/~larsb/larswm
Panel
fbpanel Panel mit Uhr und Anwendungsstartern http://fbpanel.sourceforge.net/
hpanel einfaches Panel mit Desktop Switcher http://www.phrat.de/hpanel-0.2.tar.gz
fspanel winziges (noch nicht mal 10 kB großes) Panel mit Switcher http://www.chatjunkies.org/fspanel/

Mehr RAM!

Einige Mindestanforderungen sollten Sie dennoch an Ihre Hardware stellen: Falls Sie den Arbeitsspeicher aufrüsten können, tun Sie es. Wirklichen Spaß mit dem X-Window-System haben Sie erst ab ca. 32 MB RAM. Bei weniger Arbeitsspeicher häufen sich die Zugriffe auf die Swap-Partition, was das System (insbesondere bei langsamen Festplatten) lähmt.

Außerdem sollten Sie XFree in der Version 3.3.6 nutzen, selbst wenn XFree 4.x Ihre Grafikkarte unterstützt. Die neueren X-Server brauchen wesentlich mehr Speicher als die alte Version. Nicht zuletzt zahlt es sich aus, Ihre Anwendungen auf ein GUI-Toolkit zu beschränken. Hier bieten sich GTK oder Tk dank einer großen Auswahl darauf beruhender Software an.

Die Qual der Wahl

Außer dem X-Server benötigen Sie in jedem Fall einen schlanken Window Manager. Empfehlenswert ist icewm [1], da er wichtige Eigenschaften einer Desktop-Umgebung wie eine Taskbar mit Uhr und Startmenü schon mitbringt. Tabelle 1 zeigt andere, ebenfalls geeignete Window Manager auf. Da diese oft keine Task-Leiste dabei haben, enthält sie auch dafür Vorschläge.

Fast alle großen Distributionen liefern icewm mit, so dass die Installation nicht schwerfällt. Wahrscheinlich finden Sie auf Ihren CDs sogar ein Paket namens icewm-lite oder icewm-light, das einen mit minimalen Optionen kompilierten icewm enthält. Je nach Distribution kann diesem schon mal die Task-Leiste fehlen oder gar die Möglichkeit, auf die Konfiguration Einfluss zu nehmen.

Je nach Rechnerausstattung entscheiden Sie sich für die eher komfortable oder die sparsame Ausführung, oder Sie kompilieren einen auf Ihre Bedürfnisse optimierten icewm selbst, wobei Ihnen der Aufruf von ./configure --help im Quellcode-Verzeichnis die möglichen Optionen verrät. So führt der configure-Parameter --enable-lite zur mageren Version des Programms. Wählen Sie die Verwendung der imlib-Bibliothek ab, verschlankt sich das Programm ebenfalls, jedoch schränkt dies die Möglichkeiten des Window Managers ein, Grafiken zu Verschönerungszwecken einzusetzen.

Um icewm zu starten, tragen Sie eine Zeile der Form

exec /usr/X11R6/bin/icewm

in Ihre ~/.xinitrc oder ~/.xsession ein (je nachdem, ob Sie sich auf der Konsole oder grafisch einloggen). Dies funktioniert distributionsunabhängig; gegebenenfalls legen Sie ein Backup der bisherigen Datei an und ersetzen sie durch den Einzeiler. Bei distributionseigenen Paketen sollte Ihnen Ihr Distributor diesen Arbeitsschritt ersparen und icewm automatisch beim Start des X-Window-Systems aufrufen.

Bereits nach dem ersten Start präsentiert sich ein aufgeräumter Desktop (Abbildung 1), dessen Bedienung sich fast von selbst erschließt.

Abbildung 1: Default-Konfiguration von icewm unter Debian

Hinter dem linken Knopf in der Taskbar verbirgt sich das Startmenü, welches Ihr Distributor bereits gut bestückt haben sollte. Dort starten Sie Programme, verändern die optische Erscheinung des Window Managers, loggen sich aus oder wechseln vom aktuellen Desktop auf einen der anderen (in der Voreinstellung) drei.

Letzteres geht noch einfacher per Mausklick auf eine der mit 1 bis 4 beschrifteten Taskbar-Schaltflächen. Die Aufgabenleiste gewährt zudem Zugriff auf die Fensterliste; ein Klick auf das Monitor-Icon öffnet schnell ein X-Terminal.

Im rechten Bereich versorgt die icewm-Task-Leiste Sie mit der Uhrzeit, dem Füllstand Ihrer Mailbox und der CPU-Last in Diagrammform. Praktischerweise lassen sich diese Anzeigen im Informationsbereich so konfigurieren, dass ein Klick darauf eine passende Anwendung aufruft. So startet bei Debian der Systemmonitor top, wenn man auf die CPU-Last-Anzeige klickt. Der mittlere, ungenutzte Bereich der Taskleiste wartet nur darauf, Schaltflächen für die von Ihnen gestarteten Anwendungen aufzunehmen.

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