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Pinguin im Netz

Linux im LAN

Web und Mail

Bei einem Wechsel von einem LAN ins andere ändern sich möglicherweise ein paar Dinge, die für die Anwendersoftware relevant sind. Das ist selten ein Problem, doch sollten wir zumindest zwei Punkte kurz ansprechen: Web-Proxies und E-Mail.

Proxies speichern eine Kopie übertragener Web-Seiten. Wenn ein anderer Computer die gleiche Seite anfordert, wird sie nicht aus dem Internet geholt, sondern vom lokalen Zwischenspeicher gelesen. Das spart Zeit und Geld. Mit der Verbreitung dynamischer WWW-Seiten kommen Proxies zusehends aus der Mode. Wenn Sie einen Proxy verwenden, müssen Sie die entsprechende Konfiguration vermutlich aktualisieren, sobald Sie Ihren Internet-Zugang wechseln.

Beim Versand von E-Mail ist die direkte Zustellung an den Mail-Server des Empfängers heutzutage eher die Ausnahme. Aus Sicherheitsgründen verbieten viele professionelle Mail-Anbieter diese Variante sogar völlig. Das bedeutet, dass sowohl Ihr Mail-Programm (z. B. kmail oder Mozilla) als auch Ihr lokaler Mail-Server (z. B. sendmail, qmail oder postfix) einen Mittelsmann benötigen, der E-Mail-Aufträge annimmt und weiterleitet. Dieser Mittelsmann funktioniert praktisch wie ein Briefkasten: Ihr Computer wirft ausgehende E-Mails dort ein. Später kommt jemand vorbei und kümmert sich um die Zustellung oder Weiterleitung an den Empfänger. Diesen Mittelsmann oder Briefkasten nennt man Smarthost.

Wer die Aufgabe des Smarthosts übernimmt, hängt von Ihrer persönlichen Situation und Ihren Vorlieben ab. Prinzipiell kann sowohl Ihr E-Mail-Provider als auch Ihr Internet-Provider Smarthost spielen. Ich persönlich ziehe ersteres vor. Wenn Sie Mail jedoch über Ihren Internet-Provider ausliefern, ist der Wechsel von einem Netzwerk zu einem anderen und damit von einem Provider zu einem anderen auch mit einem Wechsel des Smarthosts verbunden. Aktualisieren Sie daher ggf. die Mail-Konfiguration!

Ausblick

Diese knappe Rundreise führte an den wichtigsten Schrauben vorbei, an denen Sie bei der Umkonfiguration eines Computers von (k)einem Netzwerk zu einem anderen drehen müssen. Für einen tiefergreifenden Einstieg empfehle ich die Manpages vor allem zu den Befehlen ifconfig und route. Diese beiden grundlegenden Tools stellen ganz essenzielle Funktionalitäten rund um Netzwerke bereit. Auf Einzelplatzsystemen ist Herumspielen erlaubt! Ein Reboot bringt fast alle Probleme wieder ins Lot. Und wenn Sie gerade experimentieren, sollten Sie einen Ausflug in die verborgenen Tiefen von /proc/net und /proc/sys/net nicht versäumen.

Wer mehr Wert auf Funktionalität und Magie legt, dem sei DHCP wärmstens ans Herz gelegt. Fast alle Schwierigkeiten und Herausforderungen aus diesem Artikel lassen sich mit der vollautomatischen Netzwerkkonfiguration umgehen. Das funktioniert nicht immer, aber doch erstaunlich gut. Nützlich ist das Wissen um diese Vorgänge auf jeden Fall …

Glossar

LAN

Der Begriff "Local Area Network" bezeichnet ein Netzwerk aus unmittelbar benachbarten Computern, die meist über einfache Kabel (aber zum Beispiel auch drahtlos über WaveLAN [2]) miteinander verbunden sind. Wichtigster Unterschied zu anderen Netzen ist wohl, dass hierbei noch keine bezahlte Fernleitung, z. B. über Modem, ISDN oder DSL, im Spiel ist. Das Gegenteil von LAN wird als WAN oder "Wide Area Network" bezeichnet.

PCMCIA

Die "Personal Computer Memory Card International Association" hat unter anderem den nach ihr benannten PC-Card-Standard herausgegeben. Dieser ermöglicht einheitliche Hardware-Erweiterungen für Laptops und ähnliche Geräte. Im Informatik-Jargon nennt man PC-Cards meistens PCMCIA-Karten: Damit ist sofort klar, wovon man redet, während "PC-Card" alles mögliche heißen könnte. CardBus ist ein neuerer Nachfolger des PCMCIA-Standards, der für schnelle Datenübertragungen gedacht ist.

USB

Der "Universal Serial Bus" ist eine bequeme Variante, externe Hardware an einen Computer anzuschließen. Selbst primitive USB-Geräte wie eine Maus oder eine Tastatur benötigen viel eingebaute Intelligenz. Dafür lassen sie sich meist vollautomatisch konfigurieren. Der USB-Standard schreibt sogar vor, dass für die Treiberinstallation keine Benutzerinteraktion erfolgen darf! Das funktioniert unter Linux nicht immer, aber anderswo auch nicht …

Infos

[1] Miriam Busch: "Eine IP-Adresse, bitte!", LinuxUser 03/2002, S. 32 ff.

[2] Titelthema LinuxUser 10/2002, S. 23 ff.

[3] Frederik Bijlsma: "Wer kennt die Namen?", LinuxUser 05/2002, S. 78 f.

Der Autor

Marc André Selig arbeitet je zur Hälfte in einem Krankenhaus und an einer Universität. Konsequenterweise hält er die Fehlersuche in Computernetzwerken halb für psychotisches Erleben und halb für eine Denksportaufgabe.

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LinuxUser 06/2012

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