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LindowsOS 3.0

01.02.2003
Vor etwa einem Jahr trat die Firma Lindows an, ein Linux zu entwickeln, das in der Lage ist, Windows-Programme zu installieren und auszuführen. Mittlerweile wird Version 3.0 von LindowsOS ausgeliefert. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen um zu prüfen, was von den Versprechen eingehalten wurde.

Als Zielgruppe für Lindows peilt der Hersteller [1] Computer-Neulinge und Umsteiger von Windows an, die sich nicht lange mit der Konfiguration und Pflege ihres Systems herumschlagen möchten. Wir testeten die LindowsOS Membership Edition, die als Download $ 119 (US) und als CD-Version $ 129 kostet. Unsere Testumgebung war ein Rechner mit einem AMD-Duron/750 MHz und 256 MB RAM. Weiterhin waren eine Elsa-Erazor-Grafikkarte, ein ATAPI-Zip Laufwerk, ein CD-Brenner und eine Fritz-ISDN-Karte vorhanden.

Installation

Die Installation gestaltete sich einfach. Nach dem Einlegen der Installations-CD und anschließendem Neustart des Rechners startete nach Erkennung der Hardware ein grafisches Installationsprogramm. Zunächst galt es, ein "End User License Agreement" zu bestätigen; dann folgte die Frage nach der Installationsmethode. Es stehen zwei Varianten zur Auswahl: In der Standardvariante partitioniert und formatiert das Installationsprogramm die Festplatte komplett neu und richtet das System ein. Unter Advanced Install gibt es die Möglichkeit, selbständig eine Partition für das neue LindowsOS auszuwählen. Weitere Auswahlmöglichkeiten gibt es auch im Advanced-Install-Modus nicht; so bleibt das Tastatur-Layout amerikanisch, und auch die Konfiguration von X erfolgt ohne Eingriffmöglichkeiten seitens des Anwenders.

Im nächsten Schritt verlangte das Einrichtungsprogramm einen Namen für den Computer und ein Passwort. Aus dem Hilfstext wird nicht klar, dass es sich hierbei um das Systemverwalter-Passwort handelt. Das Installationsprogramm überlässt es dabei dem Anwender, ob er überhaupt ein Passwort vergeben möchte; das System lässt sich auch mit nicht gesetztem root-Passwort einrichten und betreiben.

Nach einer Sicherheitsabfrage begann das Installationsprogramm mit der Einrichtung des Systems. Auf dem Testrechner war die Installation nach etwa zehn Minuten beendet. Der Neustart des Rechners war problemlos: Ohne Fehlermeldung erschien ein Text-Login. Das Starten des X-Servers mittels startx schlug allerdings fehl, weil ein zum Ansteuern des auf der Grafikkarte verwendeten NVIDIA-Chipsatzes notwendiges Kernel-Modul nicht initialisiert werden konnte. Auch der Versuch, die Grafikkarte mit Hilfe des xf86config-Skriptes einzurichten, scheiterte, so dass eine andere Grafikkarte aus Altbeständen zum Einsatz kam.

Der Einfachheit halber wiederholten wir die komplette Installation, und nun klappte alles: Nach dem Neustart begrüßte uns ein grafisches Login; nach Eingabe des Passwortes erschien ein leicht modifizierter KDE-Desktop (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Lindows-Desktop

Als erstes gilt es, die Zeitzone auszuwählen und gegebenenfalls einen neuen Benutzer anzulegen – dazu kann einfach der automatisch erscheinende Dialog First Time Setup benutzt werden. Neue Benutzer gehören bei Lindows standardmäßig zur Gruppe root, sind also mit allen Rechten ausgestattet. Aus Sicherheitsgründen ist es jedoch besser, einen "normalen", unpriviligierten Benutzer anzulegen und unter dessen Kennung zu arbeiten – die meisten anderen Distributionen machen dies schon während der Installation. Anschließend stellt man am besten eine angenehmere Bildwiederholfrequenz ein, da X mit einer Frequenz von nur 60 Hz vorkonfiguriert war.

In der Systemsteuerung von KDE lässt sich die deutsche Tastaturbelegung auswählen; die Menü- und Hilfstexte sind aber weiterhin nur in englischer Sprache vorhanden.

Programme, wo seid ihr?

Ein kurzer Blick ins Programm-Menü zeigt, dass wirklich nur eine sehr magere Grundausstattung an Software installiert ist. Im Wesentlichen handelt es sich um Netscape 7 und einige Programme zum Abspielen von CDs und MP3-Dateien; Office- und Grafikprogramme fehlen.

Lindows benutzt zum Nachinstallieren von Software ein System, das Click-N-Run Warehouse genannt wird. In diesem "Warenlager" befindet sich eine große Auswahl an Programmen, die über eine Internet-Verbindung einzuspielen ist. Zur Systempflege und Programmeinrichtung verwendet Lindows ein Tool, das bei Installationen Paketabhängigkeiten erkennt und auflöst (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Programme installieren

Etwas störend ist, dass die Installation von Programmen immer nur bei bestehender Internet-Verbindung möglich ist. Auch die auf der Zusatz-CD der Membership Edition vorhandenen Programme lassen sich nur einspielen, wenn der Rechner online ist.

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