Ein Spielzeug für Entwickler, leichteres Datenbank-Management im Office-Paket, neue Icons und Verheißungsvolles für Linux-PDAs machen den trüben Februar etwas bunter.

Zuwachs bei Qt

Programmierer, die sich bislang darüber geärgert haben, dass ihre mit Qt geschriebenen Applikationen nicht skriptfähig sind, bekommen mit Qt Script for Applications, kurz QSA, in Kürze einen Wunsch erfüllt. Das jüngste Produkt der Firma Trolltech hat derzeit das Beta-Stadium erreicht und soll im zweiten Quartal 2003 sowohl unter einer kommerziellen Lizenz sowie für Linux/Unix auch unter der GPL erscheinen, so dass es freien Software-Projekten als Option zur Verfügung steht.

Neben der QSA-Bibliothek umfasst QSA die JavaScript-ähnliche Skriptsprache Qt Script, die auf der bald erscheinenden vierten Edition von ECMAScript beruht, sowie eine Qt Scripter (Abbildung 1) genannte Entwicklungsumgebung. Letztere lässt sich zum Schreiben und Bearbeiten von Quellcode, zum Erstellen von Bildschirmmasken und zum Interpretieren und Debuggen von Skripten verwenden. QSA läuft auf allen von Qt unterstützten Plattformen, also unter Linux/Unix, MacOS X und Windows.

Besonders erfreulich: Da QSA eng mit Qt verwoben ist, kann eine Qt-Applikation ohne Neukompilierung QSA-fähig gemacht werden. Die jeweils aktuelle Beta-Version laden sich interessierte Entwickler unter ftp://ftp.trolltech.no/qsa/ herunter.

Abbildung 1: Entwickeln mit Qt Scripter

Datenbanken leicht gemacht

Nicht nur Qt darf sich über Zuwachs freuen, auch die KDE-Office-Familie kann mit Kexi ein neues Mitglied begrüßen. Dieses bringt in erster Linie eine eigene SQL-Bibliothek (KexiDB) mit, die KDE-Programmierer nutzen können, um ihre Anwendungen auf Datenbankinhalte zugreifen zu lassen, ohne dass die Anwender die nötigen SQL-Befehle per Hand eingeben müssen. Geplant ist zudem ein Frontend für Datenbank-Managementsysteme wie mySQL, das bislang als einziges unterstützt wird.

Tester sind bereits im jetzigen frühen Beta-Stadium sehr willkommen. Allerdings sollten sie sich schon ein wenig mit Beta-Testing auskennen, da es derzeit weder Binärpakete noch Tarballs des Source-Codes gibt: Der Zugriff auf den Quellcode erfolgt ausschließlich über den CVS-Baum des Projekts. Weitere Informationen zum Download finden Sie unter http://luci.bux.at/projects/kexi/download.html.

Abbildung 2: Kexis Tabellen-Designer

Vorsicht Bildschirmschoner!

Da hat man es sich vor seinem Rechner bequem gemacht, um in Ruhe via TV-Karte ins laufende Programm zu zappen, und kurze Zeit später beendet der voreingestellte Screensaver das Vergnügen. Wer daran denkt, kann diesen natürlich vorher abstellen, aber meist vergisst man es doch … Mit einem kleinen Skript von Hans-Joachim Baader von Pro-Linux (hjb@pro-linux.de) geht das Ganze auch programmgesteuert.

Listing 1

Fernsehen ohne Schoner

#!/bin/sh
dcop kdesktop KScreensaverIface enable false
xawtv # (oder eine andere Applikation Ihrer Wahl)
dcop kdesktop KScreensaverIface enable true
        @KE:

Legen Sie dazu eine Datei mit dem Inhalt aus Listing 1 an, und machen Sie diese mit dem Befehl chmod u+x ausführbar. Nun brauchen Sie nur noch einen Link zu dieser Datei auf den Desktop legen, den Sie bei Bedarf anklicken. Das Skript schaltet dann zuerst den Bildschirmschoner aus, ruft das Fernseh-Programm auf und startet den Bildschirmschoner nach dessen Ende wieder.

Preisgekrönt

Schon wieder können sich die Entwickler von KDevelop eine Auszeichnung an die Brust heften: Im Herz- und Nieren-Test des englischen Magazins Linux Format konnte sich die KDE-Entwicklungsumgebung gleich gegen sechs weitere kommerzielle und Open-Source-Mitbewerber durchsetzen und wurde so zur besten C++-Entwicklungsumgebung für Linux gekrönt. Auf die Plätze verwies die Crew rund um Sandy Meier damit so starke Mitbewerber wie Kylix Open Edition (Delphi), KDE Studio Gold, Anjuta (GNOME) und Code Forge (Motif). Die komplette Kritik finden Sie als PDF-Datei unter http://www.linuxformat.co.uk/archives/LXF35.roundup.pdf.

Neue Oberfläche für PDAs

Was KDE für PCs ist OPIE [1] (http://www.opie.info/) für PDAs auf Linux-Basis. Bereits im März 2003 soll das freie, auf Qt/Embedded basierende Gegenstück zu Trolltechs Qtopia-Benutzeroberfläche in der stabilen Version 1.0 erscheinen, und zwar (zumindest in den Kernapplikationen) deutsch, dänisch, portugiesisch, französisch und chinesisch lokalisiert. Um die Marschrichtung bis zu diesem Meilenstein festzulegen, steckte das neunköpfige Kernentwicklerteam am 15. Dezember im IRC intensiv die Köpfe zusammen.

Die wichtigsten Ergebnisse dieses virtuellen Entwicklertreffens: Ab sofort wird die Versionsnummerierung übersichtlicher. Wie der Linux-Kernel tragen stabile OPIE-Ausgaben eine gerade Zahl nach dem Punkt, die Entwicklerversionen eine ungerade. Als Standard-Dateimanager kommt nun AdvanceFM zum Einsatz. Zur Verbesserung der Kommunikation der Programme untereinander setzen die Entwickler vorerst weiter auf XRef, eine Art HTML für Programme: Wie über Hyperlinks kann eine Anwendung auf die Daten einer anderen zugreifen. Nach dem Motto "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben" einigte sich das Team darauf, diese grundlegenden Datenstrukturen erst für OPIE 1.2 auf eine Datenbank umzustellen.

Mit der für Januar geplanten PDA-Distribution OpenZaurus 3.1 (http://www.openzaurus.org/) haben Nutzer noch die Chance, aktiv beim Endspurt zu OPIE 1.0 mitzumischen.

Abbildung 3: OPIEs neuer Standard-Dateimanager AdvanceFM

SVG-Icons für den Desktop

Icon-Sets für KDE gibt es mittlerweile zu Dutzenden. Doch das neue BlueSphere-Theme ist etwas Besonderes. Denn hier haben Sie es mit waschechten SVG-Icons zu tun. Der große Vorteil: SVG als Vektorgrafik-Format verfügt über deutlich bessere Render-Qualitäten und braucht weniger Speicherplatz im Vergleich zu Bitmap-Grafiken. Doch trotz ihrer kleinen Dateigrößen sehen die SVG-Icons verteufelt gut aus, wie Abbildung 4 beweist. Das jeweils aktuelle Paket mit über 150 Bildchen können Sie von http://sourceforge.net/project/showfiles.php?group_id=66882 herunterladen.

Abbildung 4: Klein, aber oho – die neuen SVG-Icons

Safari mit Konqueror

Safari heißt der neue MacOS-X-Webbrowser, dessen Geheimnis Apples CEO Steve Jobs auf der Macworld Expo vom 6. bis 10. Januar in San Francisco lüftete: Er basiert auf Konquerors KHTML-Render-Engine und seiner JavaScript-Implementation KJS, die die Apple-Entwickler aufgrund der sauberen und schlanken Architektur anderen Open-Source-Lösungen vorzogen. Damit lädt Safari Web-Seiten dreimal so schnell wie der MS Internet Explorer unter MacOS X; JavaScript ist doppelt so rasch.

Alle Änderungen des Apple-Teams flossen inzwischen ans KDE-Projekt zurück; die gesamte Übersicht ist unter http://lists.kde.org/?l=kfm-devel&m=104196912316326 zu finden.

Messe-Fieber im Bild

An die KDE-Messestände auf der CeBIT oder der Systems hat man sich ja mittlerweile gewöhnt. Nun machen aber auch unsere Nachbarn aus den Benelux-Ländern ausstellungstechnisch mobil. Mit Computern, Maskottchen und Flyern bewaffnet ging das niederländische KDE-Team daran, die HCC Dagen (Hobby Computer Club-Tage) vom 22. bis 24. November vergangenen Jahres in Utrecht zu erobern. Mit über 100.000 Besuchern handelt es sich dabei um eine der größten Messen für Computerendanwender in den Benelux-Staaten. Dass ihr Enthusiasmus erfolgreich war, beweist der Foto-Report unter http://www.xs4all.nl/~leintje/kde-nl/hcc2002/images/thumbnails.html.

Glossar

CVS-Baum

Gerade wenn mehrere Entwickler an einem Softwareprojekt arbeiten, ist ein Verfahren nötig, das verhindert, dass jemand Änderungen seiner Mitprogrammierer aus Versehen überschreibt oder die einzige funktionsfähige Version zerstört. Viele Projekte – darunter auch KDE – verwenden daher ein Versionskontrollsystem wie das "Concurrent Versions System" CVS. Aus einem CVS-Dateibaum kann auch ein älterer Entwicklungsstand jederzeit rekonstruiert werden, doch am häufigsten wird er natürlich verwendet, um den aktuellen Programmcode "auszuchecken".

SVG

Bei Bildern im "Scalable Vector Graphics"-Format handelt es sich im Unterschied zu den derzeit vorwiegend verbreiteten GIFs oder JPEGs um Vektorgrafiken. Vektorgrafische Formate beschreiben nicht, welche Farbanteile ein Pixel im Bild hat, sondern stattdessen Objekte. Diese können alle Formen und Farben annehmen und haben im Bild eine festgelegte Position und bestimmte Ausmaße, Farben und andere Eigenschaften. In der Datei stehen nur die Objektbeschreibungen. Die anzuzeigende Grafik wird zur Laufzeit aus diesen Daten erzeugt. Das SVG-Format eignet sich vor allem für Web-Grafiken, da die Beschreibungsdaten für vektorgrafische Objekte in der Regel viel weniger Speicherplatz benötigen als pixelorientierte Bildformate. Gerade für Grafiken, die Symbole enthalten, Logos oder Cliparts stellt SVG eine sinnvolle Alternative zu GIF dar. Die Entwicklung des W3-Konsortiums ist – genauso wie andere dort normierte Sprachen wie HTML, CSS, XML und auch PNG – plattformübergreifend, offen dokumentiert und frei verwendbar.

Infos

[1] Carsten Niehaus: "Zwergen-Desktop", LinuxUser 10/2002, S. 58 ff.

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