Auch wenn das neue Jahr noch so jung ist, blickt schon mancher auf Vorsätze zurück, die diesen Status nie verlassen werden. Ein Grund mehr, neidisch ins Linux-Universum zu schauen, wo – Wunder, oh Wunder! – aus einigen Vorsätzen eben doch Taten werden.

Junges Linux

Von Yoper Limited, einer Betriebssystemschmiede in Neuseeland, stammt eine neue Distribution namens YOS ("Your Operating System") für i686- und höhere x86-CPUs. Wo die Prioritäten der Entwickler liegen, zeigt die Web-Seite http://www.yoper.com/: Zu Redaktionsschluss bildeten ein paar Screenshots die einzige Dokumentation; restliche Links, zum Beispiel Store oder Community glänzten durch Abwesenheit von Informationen. Die Distribution selbst hingegen steht bereits in der Vorversion 3.2.1 RC ("Release Candidate") zum Herunterladen und Testen bereit.

Deren Zusammenstellung darf mit Fug und Recht ungewöhnlich genannt werden: Das Basis-System mit Kernel 2.4.20 funktioniert wie Linux From Scratch; die Paketmanagement-Tools installpkg und removepkg aus der Slackware-Distribution ergänzen es. Neben tgz unterstützt YOS jedoch auch rpm- und deb-Pakete. Aus dem Hause Red Hat kommen die Startup-Skripte, die Hardware-Erkennung Kudzu und die RAID-Tools. Das Booten der CD ermöglichen Cloop und hwsetup aus Knoppix [1]. Den bunten Reigen ergänzen KDE 3.1 RC 5, Mozilla 1.2.1 und OpenOffice.

Wer nicht sofort auf Festplatte installieren will, lädt statt des 595 MB großen ISO-Files ydesktop-i686-3.2.1.iso das (geringfügig kleinere) CD-Image ybootcdrom-i686-3.2.1.iso herunter. Von einer damit bebrannten CD lässt sich YOS als Live-Filesystem betreiben.

Abbildung 1: Das neue Linux-System von Yoper Limited

Live-Erlebnisse fixieren

Knoppix [1] macht aus (fast) jedem PC durch einfaches Umbooten von CD einen vollwertigen Linux-Rechner. Das Problem dabei: Auf der Knoppix-CD kann man während des Arbeitens keine zusätzlichen Daten ablegen. Matthias Schwarze schrieb daher ein Skript, das ein beständiges Home-Verzeichnis auf der Festplatte des Gastrechners, einem Zip-Laufwerk oder einem USB-Thumbdrive anlegt, in dem sich persönliche Einstellungen und Daten speichern lassen. Dieses Ext2-Dateisystem schreibt das Skript in eine Datei, die als Loopdevice beim Systemstart automatisch gemountet wird; eine Extra-Partition auf dem Rechner braucht man daher nicht.

Das Helferlein lässt sich von http://www.centernetworx.de/knx_persistent_home.tar.gz herunter laden; dieses Archiv enthält auch eine readme-Datei mit deutsch- und englischsprachiger Anleitung.

Doch auch die Distribution selbst, zu finden unter http://www.knopper.net/knoppix/, macht Fortschritte. Die kurz vor Redaktionsschluss erschienene Ausgabe V3.1-07-12-2002 basiert auf dem Kernel 2.4.20, unterstützt die Journaling-Dateisysteme XFS und JFS, enthält PCMCIA-Workarounds für Dell-Notebooks und mehr Grafikkartentreiber mit "Direct Rendering Infrastructure"-(DRI-)Unterstützung. Zudem wartet Knoppix nunmehr mit automatischen Desktop-Icons für USB-Storage-Geräte auf.

We will rock you!

Auch die Mannschaft von ROCK Linux (http://www.rocklinux.de/) wartete das neue Jahr erst gar nicht ab, um der geneigten Fangemeinde die neue Entwicklerversion ROCK Linux 1.5.20 ("pre-stable") zu präsentieren. Doch damit nicht genug: Mit dem neuen, hauseigenen Online-Magazin Rolling ROCK Magazine will Projektleiter Clifford Wolf künftig alle paar Monate die neuesten Infos rund um ROCK verbreiten. Die erste Ausgabe wartet unter http://www.rocklinux.org/rolling/2002-01/ auf geneigte Leser.

Anna für Debian

Sicherheitsupdates und Korrekturen ernsthafter Fehler unterscheiden das neue Debian GNU/Linux 3.0r1 von der bisherigen Version 3.0. Anwender, die ihr System regelmäßig über security.debian.org aktualisieren, dürften kaum Pakete nachinstallieren müssen.

Für alle, die Debian bislang aufgrund der vorsintflutlichen Installationsroutine links liegen ließen, erscheint mit ANNA ("ANNA is not nearly APT") ein Licht am Horizont. Das derzeit nur für die i386-Architektur erhältliche Programm befindet sich allerdings noch im Alpha-Stadium. Mutige Tester informieren sich auf http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2002/debian-devel-announce-200212/msg00002.html.

Mehr vorinstallierte Linux-PCs

Der IT-Distributor Ingram Micro (http://www.ingrammicro.de/) und die SuSE Linux AG (http://www.suse.de/) wollen künftig dafür sorgen, dass interessierte Anwender ihre neuen Computer zukünftig mit vorinstalliertem Linux erwerben können.

Dafür liefert die Nürnberger Softwareschmiede SuSE Linux 8.1 Personal [2] als OEM-Version ("Original Equipment Manufacturer") an Ingram Micro. Die drei CDs enthalten unter anderem KDE 3.0.3, OpenOffice, K3B zum Brennen von CDs, GPhoto 2.1 und Gimp. Verzichten müssen die Kunden bei der OEM-Version auf die gedruckte Dokumentation, jedoch bieten zwei SuSE-Handbücher im PDF-Format und die erprobte Hilfedatenbank auch dem Linux-Frischling Informationen zum Betriebssystem.

Abbildung 2: SuSE Linux 8.1 Personal OEM-Version

SuSE Linux 8.1 Professional gibt es jetzt im Bündel mit PartitionMagic 8.0 für 99,90 Euro. Wer schon im Besitz der Distribution ist, kann den Umpartitionierer auch separat zum Preis von 29,90 Euro erwerben. Weitere Infos dazu bietet http://www.suse.de/de/private/products/suse_linux/bundles/.

Infos

[1] Christian Perle: "Instant-Linux", LinuxUser 01/2002, S. 36 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/01/036-knoppix/knoppix-artikel-5.html

[2] Mirko Dölle: "Abgespeckt", LinuxUser 08/2002, S. 24 ff.

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