Bringen Sie Struktur in Ihre LaTeX-Dokumente – in dieser Folge zeigen wir, wie Sie Texte in Abschnitte und Kapitel einteilen, Inhaltsverzeichnisse erstellen, mit verschiedenen Listenformaten und Tabellen arbeiten und Querverweise und Fußnoten setzen.
Ein LaTeX-Dokument lässt sich mit Hilfe einfacher Befehle in Abschnitte und Kapitel unterteilen. Dazu definieren Sie Überschriften verschiedener Ebenen, welche im Dokument automatisch durchnumeriert und durch ein verändertes Schriftbild dargestellt werden. Für die verschiedenen Dokumentklassen von LaTeX (article, book, report, [1]) stehen die folgenden Einteilungen zur Verfügung:
*
\section{...}
\subsection{...}\subsubsection{...}\paragraph{...}
In den geschweiften Klammern steht jeweils der Text der Überschrift. Beachten Sie, dass die entsprechenden Kommandos in der richtigen Reihenfolge stehen sollten: Die erste \section ist das Kapitel mit der Nummer 1, die folgenden \subsections werden mit 1.1, 1.2 usw. durchgezählt, und die folgenden \subsections heißen entsprechend 1.1.1, 1.1.2 usw. (siehe Abbildung 1). Weiterhin steht die Ebene \paragraph zur Verfügung, welche Worte am Satzanfang hervorhebt. Die beiden Dokumentklassen book und report besitzen darüberhinaus noch eine zusätzliche Unterteilung in \chapter.
Aufgrund dieser Einteilungen erstellt LaTeX auf Wunsch ein Inhaltsverzeichnis. Der Befehl dazu heißt \tableofcontents und steht innerhalb des Dokumentes an der Stelle, wo das Verzeichnis erscheinen soll (siehe Abbildung 2). Das deutsche Wort “Inhaltsverzeichnis” erscheint übrigens nur dann, wenn Sie im Dokument das Paket german oder ngerman verwenden.
Gelistet
LaTeX kennt eine Reihe verschiedener Listenformen, z. B. numerierte und unnumerierte. Letztere, auch Spiegelstrichlisten genannt, stehen innerhalb der itemize-Umgebung, d. h. zunächst folgt ein einleitender Befehl \begin{itemize}, dann die einzelnen Punkte, die durch die Anweisung \item eingeleitet werden, und das Ende der Umgebung wird entsprechend durch \end{itemize} gekennzeichnet.
Diese Listen lassen sich schachteln; innerhalb einer itemize-Umgebung dürfen bis zu vier weitere dieser Ebenen stehen. Die geschachtelten Ebenen werden durch unterschiedliche Aufzählungszeichen und Texteinrückung kenntlich gemacht. Eine Einrückung im Quellcode empfiehlt sich darüberhinaus, damit man nicht den Überblick verliert (siehe Abbildung 3).
Numerierte Listen stehen in einer enumerate-Umgebung; ihre Markierung erfolgt in einer fortlaufenden Bezifferung, startend mit der Zahl 1. Auch hier ist eine Schachtelung in vier Ebenen erlaubt:
\begin{enumerate}
\item Punkt 1
\item Punkt 2
\begin{enumerate}
\item Punkt 2.1
…
\end{enumerate}
\end{enumerate}
Bei der enumerate-Umgebung hat die erste Ebene die Ziffer 1, die zweite wird mit Kleinbuchstaben versehen, die dritte Stufe hat kleine römische Ziffern und die vierte Schachtelung Großbuchstaben. Sollen die Symbole der jeweiligen Stufen verändert werden, können Sie dieses für das gesamte Dokument oder lokal für einen Auflistungspunkt festlegen. Um nur einen einzelnen \item-Befehl anders aussehen zu lassen, setzen Sie das neue Zeichen einfach in eckige Klammern dahinter, z. B. \item[+]. Für das gesamte Dokument wird das Layout im Vorspann der .tex-Datei verändert. Dazu definieren Sie das entsprechende Kommando mit dem Befehl \renewcommand neu:
\renewcommand{\labelitemi}{+}
\renewcommand{\labelenumi}{+}
Die verschiedenen Stufen für die itemize-Umgebung heißen \labelitemi, \labelitemii, \labelitemiii und \labelitemiv. In der enumerate-Umgebung werden die Befehle mit \labelenumi, \labelenumii, \labelenumiii und \labelenumiv bezeichnet.
Die description-Umgebung umschließt sogenannte Definitionslisten. Diese sind beispielsweise für Glossare gedacht. Die Einträge bestehen aus einem Ausdruck, der definiert werden soll, und der dazugehörenden Erklärung:
\begin{description}
\item[LinuxUser] Das Magazin für die Praxis
\item[Linux-Magazin] Die Zeitschrift für Linux-Professionals
\end{description}
Alle vorgestellten Listenformen lassen sich auch untereinander schachteln und vermischen; achten Sie aber darauf, dass jede Umgebung einen öffnenden und einen schließenden Befehl hat (siehe Abbildung 4).
Tabulatoren und Tabellen
LaTeX ignoriert Leerzeichen und Tabulatoren im Quelltext beim latex-Aufruf. Um einen Tabulatorstop zu setzen, bedarf es also wieder gesonderter LaTeX-Befehle. In der sogenannten tabbing-Umgebung können Sie:
- mit
\=eine Tabulatorstelle setzen - mit
\>eine Tabulatorstelle ansteuern
Einzelne Zeilen werden durch \\ voneinander getrennt:
\begin{tabbing}
Hier ist \=ein Tab und \= hier noch einer\\
\end{tabbing}
In der nun folgenden Zeile kann nun mit der Zeichenkombination \> an die jeweiligen Stellen gesprungen werden (siehe Abbildung 5).
Das Beispiel macht deutlich: Um Dinge in tabellarischer Form darzustellen, ist tabbing eher unpraktisch. Daher kommt LaTeX mit einer weiteren Umgebung für Tabellen, der tabular-Umgebung. Das Format ist:
\begin{tabular}[position]{spaltenform}
…
\end{tabular}
Als Parameter für die Position darf entweder ein [t] (Ausrichtung der obersten Tabellenzeile auf die laufende Umgebung) oder ein [b] (Ausrichtung der untersten Tabellenzeile auf die laufende Umgebung) gesetzt werden. Wird diese Angabe weggelassen, wird die vertikale Tabellenmitte ausgerichtet. Als zweite Option sollten Sie Informationen über Anzahl und Ausrichtung der Spalten festlegen; der Parameter {spaltenform} darf folgende Definitionen enthalten:
*
l – linksbündig ausgerichtete Spalte
r– rechtsbündig ausgerichtete Spaltec– zentrierte Spalte|– senkrechter Strich als Trenner in Tabellenhöhe
Gleichzeitig wird die Anzahl der Spalten in diesen eckigen Klammern festgelegt. Sollen also drei Tabellenspalten mit linksbündig ausgerichtetem Text und einfachen Trennstrichen gesetzt werden, heißt die Definition:
\begin{tabular}[t][{|l|l|l|}
…
Innerhalb einer Tabelle sind die folgenden Angaben erlaubt:
*
& – trennt die Tabellenspalten voneinander
\\– markiert ein Zeilenende\hline– eine waagerechte Linie in Tabellenbreite
Die Spaltenbreite richtet sich nach dem breitesten Spalteninhalt; fortgeschrittene LaTeX-Anwender können dieses und viele andere Formatvorgaben natürlich durch weitere Parameter individuell festlegen. Als letztes Feature in Zusammenhang mit Tabellen sei noch das Erstellen mehrspaltiger Überschriften erwähnt. Mit dem Befehl \multicolumn{spaltenanzahl}{ausrichtung}{text} definieren Sie die Ausrichtung und den Text und über wieviele Spalten sich die Überschrift erstrecken soll Mit wenigen einfachen Angaben lassen sich so übersichtliche Tabellen erstellen (siehe Abbildung 6).
Kreuz und quer
In LaTeX-Dokumenten dürfen an beliebiger Stelle Querverweise auf andere Stellen gesetzt werden. So können Sie sich einfach auf weitere Kapitel oder Seitenzahlen im Text beziehen. Solche Querverweise bestehen aus zwei Teilen – einer Markierung und einer Referenz. Erstere setzen Sie mit dem Kommando \label{name}. Um auf eine solche Markierung Bezug zu nehmen, stehen zwei Befehle zur Verfügung:
*
\ref{name} – Kapitelnummer wird verwendet
\pageref{name}– Seitenzahl wird verwendet
Die Namen für die Markierungen müssen eindeutig sein; Groß- und Kleinschreibung werden vom Programm unterschieden:
…
\section{Kreuz und quer}
In LaTeX-Dokumenten dürfen an beliebiger Stelle Querverweise auf andere
Stellen gesetzt werden. So können Sie sich einfach auf andere Kapitel
…
Schauen Sie dazu auch unter Abschnitt \ref{beispiel} nach; dieser
befindet sich auf S. \pageref{beispiel}.
\subsection{Wie man einen Label setzt\label{beispiel}}
…
Die Informationen über diese Querverweise liegen in der Datei mit der Endung .aux. Diese wird nach dem ersten latex-Durchlauf angelegt bzw. immer wieder aktualisiert. Damit Markierung und Referenzen korrekt gesetzt werden können, braucht LaTeX einen zweiten Durchlauf, der diese Angaben auswertet. Dieses verrät Ihnen aber auch der Output des ersten latex-Aufrufs:
huhn@asteroid:~$ latex test.tex … LaTeX Warning: Reference `beispiel' on page 1 undefined on input line 22. … LaTeX Warning: Label(s) may have changed. Rerun to get cross-references right.
Nach dem zweiten Durchlauf erscheinen die entsprechenden Querverweise korrekt (siehe Abbildung 7).
Ebenso komfortabel und einfach ist das Setzen von Fußnoten in LaTeX-Dokumenten. Mit einem einzigen Kommando \footnote{Fußnotentext} werden diese definiert und erscheinen in der Dokumentklasse article automatisch am Seitenende in einer kleineren Schrift und fortlaufend numeriert. Die erste Zeile der einzelnen Fußnoten ist etwas eingerückt; die jeweils erste Fußnote wird vom Seitentext durch eine kleine horizontale Linie abgehoben. Wird statt article als Stil book oder report verwendet, erfolgt die Numerierung innerhalb von Kapiteln, und am Anfang eines neuen \chapter wird wieder ab “1” gezählt. Im Fußnotentext selbst dürfen Sie Veränderungen am Schriftlayout [2] vornehmen oder sogar mathematische Formeln verwenden (siehe Abbildung 8).
Infos
[1] Heike Jurzik: “Gutenberg am Rechner – LaTeX-Workshop, Teil 1”, LinuxUser 09/2002, S. 43, http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/09/043-latex/
[2] Heike Jurzik: “LaTeX im Umbruch – LaTeX-Workshop, Teil 2”, LinuxUser 11/2002, S. 46.
[3] Helmut Kopka: “LaTeX I. Einführung.”, Pearson Studium, Addison-Wesley, 2002.










