Ein Saurier frisst alles

Debian-Pakete für den Zaurus-PDA von Sharp

01.01.2003
Was tun, wenn die Lieblingsanwendung nicht als vorgefertigtes Paket für den Sharp Zaurus zur Verfügung steht? Dann machen Sie sich die Arbeit des Debian-Projekts zu Nutze!

Mit Linux als Betriebssystem bietet der Zaurus-PDA maximale Flexibilität – fast so, als wäre ein Linux-PC auf handliche Größe geschrumpft. Viele Programme hat die Zaurus-Fangemeinde bereits portiert [1,2], doch wenn man tatsächlich anfängt, den PDA als mobilen Linux-Rechner zu betrachten, fehlen immer mal wieder Tools, an die man sich auf dem Desktop gewöhnt hat, zum Beispiel ein benutzbarer Editor wie nano [3].

ARM dran (bzw. drin)

Wer jetzt denkt: "Ist doch auch Linux, da müsste ich die Programme einfach draufkopieren können", übersieht einen Punkt: Leider enthält der Zaurus einen anderen Prozessor als ein normaler PC. Der hier eingesetzte StrongARM verwendet eine ganz andere Maschinensprache als die bekannten Intel-kompatiblen x86er. Trotzdem ist es im Prinzip ein Leichtes, Linux-Programme auf StrongARM zu portieren: Man benötigt lediglich einen anderen Compiler, der eben StrongARM-Assembler anstatt Intel-Assembler produziert.

Im Detail stellt es sich allerdings als nicht-trivial heraus, auf einer Prozessorarchitektur (z. B. x86er) Maschinencode für eine andere (z. B. StrongARM) zu erzeugen [4]. Zum Beispiel müssen alle nötigen Bibliotheken (mindestens die Standard-C-Bibliothek libc) ebenfalls für die Zielarchitektur kompiliert vorliegen und gefunden werden. Man bezeichnet solch einen Vorgang als "Cross-Kompilieren" und überlässt ihn lieber erfahrenen Entwicklern. Einfacher wäre es, den Code direkt auf dem Zaurus zu kompilieren [5], doch sind dafür sowohl Haupt- als auch Festspeicher sehr knapp bemessen.

Debian eilt zur Hilfe

Diese Probleme lassen sich elegant umgehen, indem man vorkompilierte ARM-Programme verwendet. Glücklicherweise stellt das Debian-Projekt seine Distribution vollständig für die etwas exotischen ARM-Prozessoren zur Verfügung. Damit befindet sich fast jedes Linux-Programm (nun ja, jedenfalls über 10000 Stück …) bereits in Zaurus-geeigneter, vorkompilierter Form frei zugänglich im Internet.

Der PDA benutzt jedoch sein eigenes Paketformat, so dass sich die Debian-ARM-Pakete nicht direkt einspielen lassen. Zwar haben die Zaurus-Entwickler ein Progrämmchen namens dpkg-deb auf dem Zaurus installiert, das ein Debian-ARM-Paket direkt entpacken kann. Dabei gibt es jedoch öfters Komplikationen, denn das Betriebssystem des Zaurus ist eben nicht Debian: dpkg-deb packt alle Dateien an die im Paket festgelegten und für Debian gedachten Pfade, die mit den für den Zaurus optimalen nicht übereinstimmen müssen. Außerdem wurde keines dieser Pakete für Maschinchen mit sehr begrenztem Festspeicherplatz gebaut; sie belegen daher meist unnötig viel Speicher. Zudem müssen Sie sich selbst darum kümmern, dass alle Abhängigkeiten von anderen Programmen und Bibliotheken erfüllt sind.

Letzten Endes fährt besser, wer das Debian-Paket auf einem Desktop-PC entpackt und nur die benötigten Dateien auf den Zaurus bringt. Da Sie wissen, welche Dateien Sie wohin installieren, können Sie sie bei Bedarf leichter wieder entfernen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 02/2016: Alt-PCs flott machen

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Der Tipp der Woche

Schon gewußt?

14.11.2015

Auch unter Ubuntu 15.10 kann man wieder mit dem Startmedienersteller (alias Startup Disk Creator) ein Live-System auf einem USB-Stick einrichten. ...

Fehler des Startmedienerstellers von Ubuntu 15.10 umgehen

Aktuelle Fragen

Tails Update
Val Lerie, 11.01.2016 10:51, 0 Antworten
Hallo zusammen, updaten > update Speichern unter > Persistent nicht möglich, mit der Meldung;...
Recoll
Jürgen Heck, 20.12.2015 18:13, 4 Antworten
Wie kann man mit Recoll nach bestimmten Zeichen/Satzzeichen bzw. Zeichenkombinationen suchen, z....
Wings Platinum 4 auf Linux?
Bodo Steguweit, 18.12.2015 11:37, 4 Antworten
Hallo in die Runde ich nutze für meine Diashows Wings Platinum 4 als Diareferent. Arbeite jetzt...
Bandbreite regulieren
Georg Armani, 25.11.2015 16:50, 1 Antworten
Hallo, ich bin ein Neuling in Sachen Linux und hoffe auf Hilfe. Ich habe zwei Windows Rechner...
Windows 10 verhindert LINUX
Hans Wendel, 17.11.2015 17:47, 8 Antworten
Hallo alle, mit einem W10-Laptop (vorher war Win7) wollte ich LINUX ausprobieren. Alles, was ni...