Regelmäßige LinuxUser-Leser kennen das hier vorgestellte Software-Gespann vermutlich schon, aber seit unseren letzten Artikeln zum Thema dvd::rip und transcode hat sich bei beiden Programmpaketen so viel getan, dass deren genauere Betrachtung beim DVD-Schwerpunkt nicht fehlen darf. Die wichtigsten Neuigkeiten sind (S)VCD-Generierung, OGG-Dateiformat, mehrsprachige Videos, Untertitel, dynamische Audio-Filter und vieles mehr…
Dieser Artikel beschreibt, was Sie bei der Installation der beteiligten Programme beachten sollten, und führt in die wichtigsten neuen Features ein. Die Lektüre unseres ersten Artikels zum Thema [1] ist zu empfehlen, weswegen Sie ihn auch auf der Heft-CD finden [2].
Seit unserer April-Ausgabe 2002 haben sowohl transcode[4] als auch dvd::rip [5] einige Versionssprünge hinter sich gebracht: dvd::rip liegt mittlerweile in Version 0.48.2 vor; bei transcode ist 0.6.2 die derzeit stabile Ausgabe.
transcode-Installation
Der Artikel [1] beschreibt recht ausführlich, wie man transcode übersetzt und installiert. Das ist mittlerweile aber eigentlich nicht mehr notwendig, da es für fast jede Linux-Distribution aktuelle Installationspakete gibt. Da transcode eine nicht unerhebliche Zahl von Abhängigkeiten mit sich bringt, empfiehlt es sich – wo möglich – auf diese Pakete zurückzugreifen. Tabelle 1 listet die Download-Adressen für die verschiedenen Linux-Distributionen auf. dvd::rip unterstützt transcode 0.6.0 bis 0.6.2; um alle Features nutzen zu können, wird mindestens der Einsatz von transcode 0.6.2.20021114 empfohlen.
Tabelle 1: Installationspakete für <I>transcode<I> und dvd::rip
| Debian | http://marillat.free.fr/ |
| SuSE | http://www6.informatik.uni-erlangen.de/~rainer/rpms/ |
| Mandrake | http://plf.zarb.org/ |
| RedHat | http://freshrpms.net/ |
| RedHat (nur 8.0) | http://messlab.sourceforge.net/ (Dieses Repository enthält immer die aktuellen Snapshots, auch von Beta- und Vorabversionen.) |
Wer transcode doch lieber selbst übersetzen möchte, sollte beachten, dass nicht alle transcode-Module für das Kopieren von DVDs notwendig sind: Folgende Module können ohne weiteres weg gelassen werden: ImageMagick, avifile, libjpeg, libxml2, libfame, v4l, liblzo, MPlayer/libpostproc und quicktime. Das erleichtert die Installation doch erheblich, da die zu den oben genannten Modulen gehörenden Bibliotheken nicht vorhanden sein müssen. Wer OGG/Vorbis-Dateien erzeugen möchte, braucht Version 1.0.0 der Ogg-Bibliotheken, die aber bei jeder aktuellen Linux-Distribution mitgeliefert werden.
dvd::rip-Installation
Da dvd::rip als Perl-Modul daherkommt, ist die Installation per Source-Download recht einfach:
perl Makefile.PL; make test; make install
Lediglich das Perl-Gtk-Modul wird vorausgesetzt, es ist im Lieferumfang aktueller Linux-Distributionen enthalten. Allerdings benötigen aktuelle dvd::rip-Versionen über transcode hinaus noch einige weitere Programmpakete, wenn alle Features genutzt werden sollen.
Tabelle 2 listet alle Zusatzpakete auf, die für den vollen Funktionsumfang von dvd::rip installiert sein müssen.
Tabelle 2: Optionale Zusatzpakete für dvd::rip
Die ogmtools ermöglichen die Generierung von OGG-Video-Dateien mit Vorbis Audio. subtitleripper wird für die Generierung von Untertiteln benötigt und wird bei transcode mitgeliefert (im contrib/ Ordner). Hier muss es aber mindestens die Version von transcode 0.6.2.20021017 sein, ältere subtitleripper Versionen werden nicht unterstützt. Das rar Archivprogramm wird benutzt, um gepackte vobsub Untertitel zu generieren. mkisofs, cdrecord, vcdimager und cdrdao sollten bei jeder aktuellen Linux Distribution dabei sein und werden auch nur benötigt, wenn Sie das dvd::rip CD-Brenn-Modul verwenden möchten. Die beiden in der Tabelle aufgeführten Perl Module werden nur gebraucht, wenn Sie den Cluster Modus [3] verwenden möchten.
Diese Liste der zusätzlich von dvd::rip genutzten Programme lässt schon einige der neuen Features erahnen, die wir nun genauer unter die Lupe nehmen.
Erst rippen oder “on the fly” transkodieren
Die erste Neuerung zeigt sich bereits beim Anlegen eines neues dvd::rip-Projektes: Auf der Storage-Seite kann man nun nicht nur den Projektnamen und die Datenverzeichnisse angeben, sondern muss sich auch auf den Ripping-Modus festlegen. Wenn genügend Plattenplatz zur Verfügung steht, sollte die Standardeinstellung Rip data from DVD to harddisk before encoding beibehalten werden: In diesem Fall werden die VOB-Dateien zunächst auf die Festplatte kopiert.
Falls Plattenplatz knapp ist, kann auch Encode DVD on the fly gewählt werden. Die DVD wird vorher also nicht auf die Festplatte kopiert, sondern das Transcoding erfolgt direkt von der DVD. Im Ergebnis landet nur das umgerechnete und dadurch ja deutlich kleinere Video auf der Festplatte.
In diesem Modus stehen aber aufgrund interner Restriktionen einige Features nicht zur Verfügung, z. B. Cluster-Modus, AC3-Audio-Kodierung und Untertiteleinblendung. Andere Funktionen sind wesentlich langsamer, z. B. das Einlesen von Vorschaubildern oder das Transcoding eines Teilbereichs.
Als dritte Möglichkeit kann ein existierendes DVD-Image auf der Festplatte genutzt werden, das mit dem Programm vobcopy oder anderen Kopierprogrammen erzeugt wurde. Dieser Modus unterliegt denselben Einschränkungen wie das direkte DVD-Transcoding.
Titelauswahl
dvd::rip orientiert sich immer an einem DVD-Titel. Deshalb müssen auf der Seite Rip Title nach dem Einlesen des Inhaltsverzeichnisses zunächst ein Titel und (wenn gewünscht) bestimmte Kapitel ausgewählt werden. Im Rip-Modus müssen die Daten nun noch per Klick auf RIP selected title(s)/chapter(s) auf die Festplatte befördert werden. Eine Mehrfachauswahl verschiedener Titel ist möglich, um gleich eine ganze Reihe von Titeln ohne Unterbrechung zu kopieren.

Abbildung 1: Der “Preferences”-Dialog ist nun übersichtlicher. Hier sieht man die Video-Player, die für verschiedene Aufgaben konfiguriert werden können
Die Preview-Funktion zum Überprüfen der vorgenommenen Einstellungen ist nicht mehr auf den Video-Player xine angewiesen, sondern unterstützt nun auch mplayer. Es können außerdem beliebige andere Player-Programme konfiguriert werden. Hierzu gibt es im Preferences-Dialog im Bereich Player commands entsprechende Eingabefelder (siehe Abbildung 1). Über Platzhalter werden die notwendigen Parameter eingebunden (siehe Tabelle 3). Wiederholungen von Bereichen (z. B. zur Angabe mehrerer Dateinamen, DVD-Titel o. ä.) werden mit spitzen Klammern gekennzeichnet. Die existierenden Vorlagen geben einen guten Überblick darüber, wie das Prinzip funktioniert.
Tabelle 3: Platzhalter für die Videoplayer Konfiguration
| Platzhalter | Bedeutung | Wertebereich |
|---|---|---|
| %t | DVD Titel | 1..n |
| %a | Audio Kanal | 0..n-1 |
| %c | Kapitel | 1..n |
| %m | Viewing Angle | 1..n |
| %f | Dateiname | alphanumerisch |
Größenkorrektur
Der Artikel in [1] beschreibt ausführlich die Möglichkeiten, die dvd::rip und transcode bieten, um das Bildformat nach den eigenen Wünschen zu verändern. Die neuen Autoadjust Presets vereinfachen diesen Vorgang noch einmal. Sie ermitteln schwarze Balken selbständig und entfernen sie. Eine anamorphe Verzerrung (16:9-Modus auf Widescreen-DVDs) wird ebenfalls automatisch erkannt und aufgelöst. Weiterhin berücksichtigen die Presets ungültige Parameterbereiche, die zu Bildfehlern führen können. So muss z. B. bei allen aktuellen Videocodecs die endgültige Bildhöhe/-breite durch 16 teilbar sein.
Die Autoadjust Presets gibt es in insgesamt sechs Varianten: kleine, mittlere und große Bildgröße – und diese jeweils mit und ohne Fast resizing. Letzteres ist ein spezieller transcode-Algorithmus zum schnellen Skalieren des Bildes, der allerdings auch eine (unseres Erachtens kaum wahrnehmbare) Qualitätsverschlechterung bedeutet, dafür aber signifikant schneller als das High quality Resizing ist. Die Voreinstellung ist mittlere Bildgröße (etwa 640×352 Pixel bei einem 16:9-Film) mit Fast Resizing. Damit erreichen Sie DVD-Qualität, wenn Sie einen etwa 1:45 langen Film mit DivX auf zwei CDs packen.

Abbildung 2: Auf der Seite “Clip & Zoom” muss man immer seltener selbst Hand anlegen. Die “Autoadjust”-Presets erledigen alles automatisch. Die VCD- und SVCD-Presets sind statisch, da diese Videoformate strenge Anforderungen an die Bildgröße stellen
(S)VCD – Hardware-Player-kompatibel
Aktuelle dvd::rip-Versionen erzeugen nicht nur DivX-kodierte AVI-Filme, sondern z. B. auch (S)VCD-kompatible MPEG1-Dateien. Obwohl die Bildqualität schlechter als bei DivX (bzw. MPEG4) ist, haben diese einen klaren Vorteil: Auf CD gebrannt können sie von den meisten Hardware-DVD-Playern abgespielt werden, was bei DivX-Filmen noch nicht der Fall ist.
Es gibt hier etwas vereinfacht dargestellt zwei Normen: VCD und SVCD. Beide basieren auf MPEG1, wobei VCD allerdings nur feste Bitraten verwenden kann und damit eine schlechtere Qualität als das dynamische SVCD-Format bietet.
Die (S)VCD-Formate müssen sich an strenge Restriktionen bei den Bildgrößen halten. dvd::rip bietet hier (jeweils für PAL und NTSC) vorgefertigte Presets, die diese Normen erfüllen.
Der Zoom-Calculator
Für alle, die es ganz genau wissen wollen, gibt es noch den Zoom-Calculator, der sich auf Knopfdruck im eigenen Fenster öffnet (siehe Abbildung 3). Damit können Sie alle Parameter zur automatischen Bildskalierung / Beschneidung im Detail einstellen. dvd::rip berechnet anhand dieser Parameter alle Bildformate, die einen tolerierbaren Fehler beim Seitenverhältnis haben, und weist den Fehler auch als Prozentwert aus. Diese Fehler können bei Verwendung von Fast Resizing entstehen, weil dabei die Größen auf 8, 16 bzw. 32 Pixel ausgerichtet sein müssen, was nicht immer eine exakte Skalierung zulässt.

Abbildung 3: Mit dem Zoom-Calculator kann man alle Faktoren für eine optimale Skalierung des Bildes per Hand einstellen. Ausgewiesen werden die Abweichungen vom korrekten Seitenverhältnis und der BPP (Bits Per Pixel) Wert, der eine Aussage über die Kompressionsqualität liefert
Das Zoom-Calculator-Fenster gibt auch für jede berechnete Bildgröße einen BPP-Wert aus, d. h. die aktuellen Bits pro Pixel. Dieser Wert stellt die eingestellte Video-Bitrate ins Verhältnis zur Anzahl der zu komprimierenden Pixel. Je höher der Wert, desto mehr Bandbreite steht für die Darstellung eines Pixels zur Verfügung, bedeutet also bessere Qualität. Die Zahl ist demnach umso größer, je kleiner das Bild ist. Ein kleines Bild bedeutet aber auch schlechtere Qualität, weil Schärfe verloren geht. Das Ziel ist also, einen guten Mittelwert zu finden. BPP-Werte um 0,5 bei Auflösungen um die 640×360 Pixel bedeuten (auf einem Fernseher ausgegeben) in etwa DVD-Qualität.
Untertitel
dvd::rip bietet umfassende Unterstützung für Untertitel. Diese können auf zwei verschiedene Arten realisiert werden: Untertitel können direkt in das Bild eingerechnet oder in eine separate vobsub-Datei geschrieben werden. Diese vobsub-Dateien kann unter Linux derzeit nur mplayer abspielen, sie bieten aber den Vorteil, dass man sie wie bei der DVD optional verwenden kann, während ein ins Bild eingerechneter Untertitel natürlich immer sichtbar ist. Weiterhin können so auch mehrere Untertitel realisiert werden, zwischen denen man später wählen kann. Die Qualität von vobsub-Untertiteln steht auch dem Original in nichts nach.
Sie benötigen mindestens transcode 0.6.2.20021010, um das Untertitelmodul von dvd::rip nutzen zu können, ansonsten bleibt die Subtitles-Seite ausgegraut. Die Seite unterteilt sich in vier Bereiche:
- Auswahl des zu bearbeitenden Untertitels,
- Vorschaubilder einlesen,
- Einstellungen zum Rendern eines Untertitels in das Video
- und Einstellungen für die vobsub-Generierung (siehe Abb. 4).
Die zur Verfügung stehenden Untertitel werden in einer Auswahlliste mit Nummer und Sprachkennzeichen angezeigt. Wenn Sie den gewünschten Untertitel ausgewählt haben, stellen Sie die Anzahl der Vorschaubilder ein und klicken auf den Grab-Button. Sie können auch den Zeitpunkt im Film einstellen, von dem an die Vorschaubilder geholt werden sollen. Die gelesenen Bilder werden zusammen mit dem Zeitpunkt der Anzeige im Film ausgeben, so dass Sie schnell einen Überblick gewinnen, ob Sie den richtigen Untertitel “erwischt” haben. Zu unterscheiden sind hier Untertitel, die nur fremdsprachige Dialoge (z. B. in Deutsch) einblenden, solche, die alle Dialoge übersetzen, sowie Untertitel für Hörgeschädigte, die neben den Dialogen auch Geräusche und ähnliches “anzeigen”.
Untertitel rendern
Wenn Sie Untertitel in den Film eingerechnet haben möchten, klicken Sie auf Activate this subtitle for rendering. Eine Reihe von Einstellmöglichkeiten werden nun aktiv: Vertical Offset gibt in Pixel eine vertikale Verschiebung relativ zur unteren Kante des Bildes vor. Mit Time shift kann bei Synchronisationsproblemen nachgeholfen werden. Antialiasing zeichnet die Untertitel weich, was in der Regel hübscher aussieht, bei kleinen Texten aber auch unleserlich sein kann.
Die beiden Schaltflächen Suggest values for letterbox und Suggest values for full size movie machen sinnvolle Einstellungen/Ergänzungen für Vertical offset und den Beschnitt des Bildes, den Sie vorher auf der Seite Clip & Zoom eingestellt haben. Bei der Letterbox-Einstellung bleiben die schwarzen Ränder eines Widescreen-Films erhalten, damit darauf die Untertitel eingeblendet werden können. Bei Full size werden die Untertitel auf den eigentlichen Film gesetzt.
Manchmal sind die Untertitel aufgrund ungünstig gewählter Farben unleserlich. Dann können Sie nachhelfen, indem Sie Enable color manipulation aktivieren. Nun können zwei Grauwerte (im Bereich 0-255) vorgegeben und zwei Farbindex-Positionen (von 0-3) zugeordnet werden. Hier heißt es Ausprobieren, bis es gut aussieht.

Abbildung 4: dvd::rip bietet mittlerweile umfassende Unterstützung für Untertitel. Diese können sowohl direkt in den Film hineingerechnet als auch in Form einer zusätzlichen vobsub-Datei exportiert werden
Um diese Tests überhaupt zu ermöglichen, gibt es die Funktion, einen kurzen Testfilm mit allen Einstellungen zu generieren. Geben Sie die Anzahl der einzubindenden Subtitel (und damit indirekt die Länge des zu erstellenden Films) vor. Die als Vorschaubilder angezeigten Untertitel werden so in dem Testfilm berücksichtigt. Nach Klick auf Transcode und View wird Ihr eingestellter Player gestartet, und Sie können das Ergebnis begutachten.
Untertitel als vobsub-Datei
Wenn Sie die Untertitel in eine vobsub-Datei schreiben möchten, aktivieren Sie einfach die Checkbox Create later, und nach dem Transcoding werden gleich die passenden vobsub-Dateien erzeugt. Dabei wird eine Aufteilung auf mehrere CDs berücksichtigt. Sie können auf diese Art auch mehrere Untertitel für eine spätere vobsub-Generierung auswählen.
Wenn Sie den Film auf eine CD packen möchten, können Sie hier auch gleich auf Create now klicken – es entsteht eine nicht weiter aufteilbare vobsub-Datei, die Sie sich direkt mit View vobsub ansehen können.
Falls Sie übrigens das Programm rar (in der Version 2.71; 3.x-Versionen funktionieren nicht) installiert haben, benutzt dvd::rip dieses, um die generierte vobsub-Datei (zusammen mit den dazugehörigen ifo– und idx-Dateien) in ein rar-Archiv zu packen. Aktuelle mplayer-Versionen können eine derartige rar-Datei direkt abspielen.
Container
dvd::rip und transcode unterstützen mittlerweile mehrere Ausgabeformate bzw. Video-Container: AVI, OGG und MPEG. Diese Container-Formate legen fest, wie die Video- und Audio-Datenströme in einer einzigen Datei zusammengefasst werden, so dass beide später synchron abgespielt werden können.
Der AVI-Container funktioniert mit allen Video Codecs außer MPEG, welcher dem gleichnamigen Container vorbehalten ist. Bezüglich des Audioformats sind Sie derzeit auf MP3 und AC3 festgelegt, Vorbis geht nicht. AC3-Ton wird 1:1 von der DVD in die AVI-Datei übernommen, d. h., hier gibt es keinerlei Qualitätsverluste, und Mehrkanal-Surround-Ton bleibt auch voll erhalten.
Was AVI kann, kann OGG nicht und umgekehrt. Wenn Sie beim Audio-Codec Vorbis den Vorzug geben wollen, sind Sie auf das OGG-Format festgelegt. Für dieses fehlt unter Linux noch die MP3/AC3-Unterstützung. Bezüglich Video gibt es keinen Unterschied zum-AVI Format: Alle Codecs außer MPEG werden unterstützt.
Für die Generierung VCD- bzw. SVCD-konformer Filme wird der MPEG-Container verwendet (bzw. ein MPEG Program Stream erzeugt). Dieser nimmt MPEG1-Video und MP2-Audio auf, andere Formate werden nicht unterstützt. Bei VCD sind die Bitraten festgelegt, bei SVCD können sowohl Video- als auch Audio-Bitrate gewählt werden.
Mehrere Audiospuren
Bei der Wahl der Audiospur sind Sie nicht mehr auf eine einzige festgelegt: Sie können jede auf der DVD vorhandene Spur auswählen und einer Zielspur in der AVI- bzw. OGG-Datei zuordnen. (Mit (S)VCD geht dies leider nicht.) Dazu wählen Sie auf der Transcode-Seite den entsprechenden DVD audio track und stellen im Popup Target track die gewünschte Zielspur ein. Wenn Sie hier Skip / Deactivate wählen, wird die ausgewählte DVD-Audiospur nicht berücksichtigt.
Bei der Audio-Bearbeitung hat transcode auch nachgelegt: So gibt es neben der statischen Anhebung der Lautstärke mittlerweile einige Filter, die eine dynamische Regulierung der Lautstärke vornehmen, womit Flüster-Rips definitiv der Vergangenheit angehören.
Video-Bitraten-Berechnung
Die Bitraten-Berechnung ist etwas flexibler geworden. Sie können die gewünschte Dateigröße nicht mehr nur als Vielfaches von CD-Größen vorgeben, sondern alle Werte auch per Hand ändern. Aus der gegebenen Dateigröße ergibt sich letztlich die Video-Bitrate, wobei der für die Audiospuren benötigte Platz berücksichtigt wird.
Aktuelle Xvid-Versionen haben übrigens große Fortschritte beim “Treffen” der eingestellten Größe gemacht: Starke Abweichungen sind hier eher selten.
Video Codecs
Überhaupt hat sich bei den Video-Codecs im letzten halben Jahr viel getan. DivX liegt mittlerweile in der Version 5 vor (unter Linux leider nur in der abgespeckten Personal-Fassung), Xvid wird trotz Streitigkeiten mit Sigma Designs wegen Verletzung der GPL glücklicherweise und mit großem Erfolg weiter entwickelt, und mit ffmpeg4 steht eine weitere Open-Source-Implementierung von MPEG4 bereit. Aktuelle transcode-Versionen unterstützen all diese und darüber hinaus auch alle Windows Codecs, die über die avifile-Bibliothek angebunden werden können. Auf letztere muss man allerdings bei der Vielfalt der nativen Linux Codecs eigentlich gar nicht mehr zurückgreifen (siehe Tabelle 4).
Tabelle 4: Die wichtigsten Video Codecs
| Codec | Beschreibung |
|---|---|
| Xvid | http://www.xvid.org/: Dieser hervorragende Open Source MPEG4 Video Codec wird bei transcode in Form zweier Module unterstützt: xvid und xvidcvs. xvid bezieht sich auf die letzte stabile Version und xvidcvs auf den jeweils aktuellen CVS-Snapshot. |
| ffmpeg | http://ffmpeg.sourceforge.net/: Auch dieser MPEG4 Codec ist Open Source und wird über das transcode-Modul ffmpeg4 angesprochen. Eine aktuelle transcode-Version (>= 0.6.2-20021114) ist zu empfehlen, da ältere Versionen hier noch Fehler haben. |
| DivX4/5 | http://www.divx.com: Als MPEG4 Codec lange Zeit unter Linux die einzige Alternative, obwohl er kein Open Source ist. DivX5 hat einen interessanten Bug im Zusammenhang mit VFAT-Dateisystemen. Mit diesem Kommando muss man die Bibliotheksdatei bearbeiten, damit man DivX5 auch auf dem Windows-Dateisystem einsetzen kann: perl -pi -e 's|c:\\trace_b.txt|/dev/null\0\0\0\0\0|' /usr/lib/libdivxencore.so |
| SVCD/VCD | http://mjpeg.sourceforge.net/: Auch wenn es in dvd::rip “SVCD” bzw. “VCD” genannt wird, steckt dahinter das transcode-Modul für die mjpegtools. Damit werden MPEG1-Filme erstellt, die via vcdimager/cdrdao auf CD gebrannt über einen Hardware-DVD-Player abspielbar sind. |
CDs brennen
In den meisten Fällen sollen die erzeugten Video-Dateien ja immer noch auf CDR landen, deshalb wurde dvd::rip um ein Modul zum CD-Brennen erweitert. Damit kann und will dvd::rip keinesfalls den etablierten und sehr guten Linux-Brennprogrammen Konkurrenz machen. Letztere sind aber auf mehr ausgelegt, als exakt eine Datei auf CD zu brennen. Es ist somit eher umständlich, nach der Arbeit mit dvd::rip ein Brennprogramm zu starten, die Datei auszuwählen, ein Label anzugeben, die CD zu brennen und diesen Vorgang auch noch mehrfach zu wiederholen, falls es sich um einen Multi-CD-Rip handelt.
Deshalb hat das Brennmodul von dvd::rip im Wesentlichen eine Zwei-Klick-Bedienung, sobald in den Preferences die Pfade zu den benötigten Programmen (siehe Tabelle 2) einmal richtig eingestellt sind.

Abbildung 5: Ein minimales CD-Brenn-Modul ist gleich mit an Bord. Warum umständlich ein externes Programm starten, wenn meistens eh genau eine Datei auf der CD landen soll?
Zunächst wählen Sie den gewünschten CD-Typ (ISO-9660, SVCD, VCD), wobei dvd::rip dies in Abhängigkeit vom eingestellten Video Codec auch schon automatisch vorgewählt hat. In der Dateiliste darunter werden die Video-Dateien gelistet, die zum Brennen ausgewählt werden können. Die Felder Label, Abstract und Number werden vom Dateinamen abgeleitet, können aber auch per Hand geändert werden. Nun müssen Sie nur noch die Brenngeschwindigkeit einstellen und auf Burn selected file(s) klicken.
Wenn Sie eine (S)VCD erstellen möchten, müssen Sie vorher noch den Umweg über eine Image-Erstellung mittels Create CD image gehen. Die generierte Image-Datei erscheint als Eintrag in der Dateiliste und wird dort ausgewählt, um im nächsten Schritt per Burn selected file(s) auf CD gebrannt zu werden.
Bei der ersten Verwendung des Brennmoduls sollten Sie den Test mode aktivieren um zu prüfen, ob alle in den Preferences gemachten Einstellungen auch funktionieren.
Ausblick
Es gibt immer noch einige Features, die auf ihren Einzug in dvd::rip warten: Die To-Do-Liste zeigt dies deutlich. Auch transcode und alle anderen beteiligten Programmpakete entwickeln sich stetig weiter.
Kommentar: Kopierschutz und EU-Recht
Bleibt nur zu hoffen, dass die Autoren von DVD-Kopierprogrammen durch die neue von der EU vorgeschriebene Gesetzeslage nicht unnötig kriminalisiert werden. Natürlich gibt es etliche und auch zurecht als illegal eingestufte Einsatzmöglichkeiten von DVD-Kopierprogrammen, aber auch ebenso viele nach geltendem Recht und dem gesunden Menschenverstand nach legale Anwendungsgebiete.
Der Gesetzgeber sollte eigentlich aus der Vergangenheit gelernt haben, dass ein Verbot der Programme die illegale Verbreitung von Raubkopien in der Praxis nicht eindämmen wird, sondern stattdessen nur die legalen Anwender kriminalisiert. (Jörn Reder)
Infos
[1] DVDs gequetscht und gebrannt, LinuxUser Ausgabe 04/2002, Seite 52
[2] Online Ausgabe des Artikels: http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/04/052-dvdrip/dvdrip.html; auch auf der Heft-CD unter [cdrom]/LinuxUser/dvdrip/dvdrip-Artikel/dvdrip.html
[3] Mit vereinten Kräften, LinuxUser Ausgabe 05/02, Seite 47
[4] http://www.theorie.physik.uni-goettingen.de/~ostreich/transcode/: transcode, das Schweizer Taschenmesser zur Videobearbeitung unter Linux
[5] http://www.exit1.org/dvdrip/: dvd::rip, die passende transcode-Oberfläche zum Kopieren von DVDs




