DVDs kaufen aber nicht ansehen

01.01.2003

Liebe Leserinnen und Leser,

DVDs sind im zu Ende gehenden Jahr sehr populär geworden. Dank einer Schwemme von DVD-Playern unter 100 Euro und ausreichender Menge an Video-DVDs im Markt verbreitet sich die einst teure Technologie rasant. Zwar sind DVDs noch immer (und grundlos) deutlich teurer als die in der Herstellung teureren Videocassetten, entschädigen aber den höheren Preis meist durch Zusatz-Features vom Making-Of über mehrsprachige Tonspuren zu interaktiven Elementen, die teils mit dem normalen DVD-Player, teils nur mit einem Computer mit DVD-ROM-Laufwerk zugänglich sind.

Moderne Komplettsysteme bringen das DVD-Laufwerk gleich mit, so dass auch der Cineast ohne DVD-Player mit Fernsehanschluss seine Filme zumindest am PC in hoher Qualität ansehen kann. Die mit durchschnittlich 30 Euro teuer erkaufte DVD darf also – nachdem das DVD-Konsortium Software-Player im Computer anfangs gänzlich ablehnte – seine rechtmäßig erworbene DVD gnädigerweise unter Windows mit einem der DVD-Player-Programme (z. B. WinDVD) abspielen.

Unter Linux sieht es anders aus. Zwar hat der WinDVD-Hersteller schon vor Jahren eine Linux-Version ("LinDVD") fertig gestellt, aber auf eine Markteinführung verzichtet: Es gibt keinen käuflich erwerbbaren DVD-Player für Linux, der den Segen des DVD-Konsortiums hat.

Ist ja kein Problem: Mit Xine und Mplayer stehen auch unter Linux zwei Programme bereit, die Video-DVDs in der gleichen Qualität abspielen können, wie Sie das von Windows kennen. Kleiner Haken: Diese Programme verwenden die DeCSS-Bibliothek, die den komplexen Abspiel-Schutz aushebelt, welcher umständlich (und technisch unzulänglich) entwickelt wurde, um eben genau das zu verhindern: Das Abspielen von DVDs mit nicht lizenzierter Software. CSS steht für Content Scramble System und basiert auf verschlüsselten Videodaten (auf den DVDs) und Hardware-Schlüsseln (im DVD-Laufwerk).

In den USA verstößt die Verwendung der DeCSS-Bibliothek – ja, sogar die Berichterstattung über die Verwendung – gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA, http://www.loc.gov/copyright/legislation/dmca.pdf). Auch in den Ländern der Europäischen Union werden demnächst auf Basis einer EU-Richtlinie entsprechende Gesetze eingeführt, womit DeCSS vermutlich auch hierzulande gesetzwidrig wird.

Erste Verlage stellen sich schon auf die drohende Rechtsänderung ein und legen Bücher rund ums DVD-Spielen und -Kopieren nicht neu auf.

  • Pressefreiheit? Ach was; die Schutzrechte der Filmindustrie sind wichtiger.
  • Das Recht, eine gekaufte DVD auch abzuspielen? Aber ja – mit einem DVD-Player, für den die Wiedergabe genehmigt wurde.
  • DVDs unter Linux schauen? Vielleicht bald illegal.
  • Die DVD-Sammlung? Hat für Sammler ohne (Hardware-) DVD-Player bald ähnlichen praktischen Nutzen wie eine Briefmarkensammlung – sie ist im Regal hübsch anzuschauen. Noch ist es nicht so weit. Das geltende (deutsche) Recht erlaubt die Verwendung eines Linux-DVD-Players; sogar eine Kopie für den Privatgebrauch geht in Ordnung. In unserem Schwerpunktthema geht es darum unter anderem um DVD-Player (Xine, Mplayer) und DVD-Konvertierungsprogramme (transcode, dvd::rip). Außerdem beschäftigen wir uns mit dem DVD-Brennen. Neben einem Test verschiedener DVD- (und CD-) Brenner erklären wir das Brennen von Daten-DVDs (z. B. als Backup-Alternative zu einem Streamer) und Video-DVDs (etwa mit Ihren Urlaubs-Videos).

Laut http://privatkopie.net findet die Sitzung des Rechtsausschusses des Bundestages zum Urheberrechtsgesetz (Entwurf: http://www.bmj.bund.de/images/11476.pdf), in der über die Umsetzung der EU-Richtlinie gesprochen wird, Mitte Dezember statt. Der derzeitige Gesetzesvorschlag ist problematisch (siehe Abbildung). Wir wünschen den Abgeordneten Mut zur Entscheidung für das Richtige.

Hans-Georg Eßer Chefredakteur

Abbildung 1: § 95a - Schutz technischer Maßnahmen, Absatz 1

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