init: Die Mutter aller Prozesse

Wenn die Hardware soweit vorbereitet ist, startet der Kernel den eigentlichen Boot-Vorgang aus Benutzersicht. Egal was später umkonfiguriert wird: Das erste Programm, das gestartet wird, heißt immer /sbin/init. Alles, was auf einem Unix-System passiert, geht letztlich auf init zurück; es startet alle weiteren Programme und Skripte.

Leider wird es an dieser Stelle schon wieder kompliziert. Zwar ist klar definiert, dass der erste gestartete Prozess init heißt, aber es ist längst nicht so klar, wie dieses init nun genau arbeitet. Unter Linux gibt es zwei verbreitete Varianten. Die erste heißt simpleinit und arbeitet im Prinzip nur ein einfaches Skript ab. Die zweite nennt sich SysVinit und wird bei den gängigen Distributionen, wie z. B. Red Hat, SuSE oder Mandrake, verwendet.

Der Name SysVinit leitet sich von Unix System V ab – eine ähnliche Funktionsweise von init finden Sie daher auch auf anderen Unix-Distributionen, wie z. B. bei Solaris. Die Konfiguration von SysVinit ist zweigeteilt; die eigentliche Konfigurationsdatei heißt /etc/inittab. Sie enthält eine Tabelle, die bestimmten Ereignissen Programme zuordnet. Wenn ein Ereignis eintritt, wird ein Programm gestartet. Beispiele für solche "Ereignisse" sind "Boot-Vorgang", "Übergang zum vernetzen Arbeiten" oder "Computer soll ausgeschaltet werden". Der zweite Teil der init-Konfiguration besteht in den so genannten init-Skripten, auf die wir gleich noch näher eingehen.

Runlevel

Ein wichtiges Konzept des SysVinit sind die so genannten Runlevel. Ein Runlevel beschreibt einen Betriebszustand eines Unix-Systems. Die üblicherweise definierten Zustände sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

Tabelle 1: Typische Runlevel eines Unix-Systems

Runlevel Zustandsbeschreibung
0 Das System wird gerade angehalten.
1 Das System wird gewartet ("Single User Mode"; Einzelplatzmodus, nur der Administrator kann arbeiten).
2 Das System ist nur eingeschränkt funktionsfähig, z. B. fehlen Netzwerk-Services oder der Grafikmodus.
3 Das System ist voll funktionsfähig.
4 Der Runlevel ist frei für eigene Einstellungen. Meistens wird man bei Änderungswünschen jedoch nicht den Runlevel 4 neu definieren, sondern einen bestehenden Runlevel entsprechend modifizieren.
5 Das System ist voll funktionsfähig. Ob für diesen Zustand Runlevel 3 oder 5 benutzt wird, hängt von Ihrer Distribution ab.
6 Das System wird gerade für einen Reboot vorbereitet.

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