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Runderneuert

SuSE Linux 8.1 Personal Edition im Test

01.12.2002 Die herbstliche Distributionsoffensive eröffnete diesmal SuSE. Auch wenn die Veränderung von 8.0 auf 8.1 klein erscheint, hat sich unter der Haube eine Menge getan.

Der Lieferumfang der SuSE Linux 8.1 Personal Edition scheint auf den ersten Blick geschrumpft zu sein: Es gibt nur noch drei CDs und ein Handbuch statt zwei Handbüchern (SuSE 8.0) oder gar drei (SuSE 7.3). Tatsächlich hat SuSE die Handbücher "Basis" und "Programme" aus der Vorgängerversion zusammen gefasst und erweitert – direkt hinter der gerade einmal drei Seiten umfassenden Schnellinstallation wird sehr ausführlich und dennoch verständlich auf die benutzerdefinierte Installation eingegangen. Damit hat SuSE einen echten Ersatz zum Quick-Install-Manual aus Version 7.3 geschaffen, auch wenn das neue Kapitel nicht ganz so peppig ist. Das gleicht SuSE mit dem Installationsplakat aus, das die Schnellinstallation mit aussagekräftigen Screenshots und ausreichenden Kommentaren übersichtlich beschreibt. Ist die Installation gemeistert, kann man das Plakat an die Wand hängen: Auf der Rückseite hat SuSE einen Kalender für das Jahr 2003 untergebracht.

WLAN und Firewire inklusive

Die grafische Installation mit YaST 2 wurde in zwei Punkten verbessert, die wir noch bei Version 8.0 kritisierten: SuSE erkennt ab Version 8.1 schon während der Installation angeschlossene Firewire-Laufwerke – und lässt sich so fast komplett auf einer Firewire-Festplatte installieren.

Vordergründig gab es nur wenige Änderungen, die wichtigste betrifft den Bereich der Systemkonfiguration am Ende der Installation: Bei den Netzwerkschnittstellen wurde die eingebaute WLAN-PCI-Karte mit Prism2-Chipsatz anstandslos erkannt – allerdings als Ethernet-Karte. Um die Funk-Parameter wie ESSID, NWID und Betriebsmodus eingeben zu können, muss die automatische Konfiguration zunächst wieder entfernt werden. Dann wird sie über Andere (nicht erkannte) in der Liste der verfügbaren Netzwerkgeräte als Wireless Device konfiguriert, das passende Kernel-Modul war in unserem Fall prism2_pci.o (Abbildung 1). Der Haken war jedoch, dass nach Systemstart das Kernel-Modul nicht geladen wurde und damit die zusätzlich eingebaute Netzwerkkarte mit der IP-Konfiguration der WLAN-Karte gestartet wurde.

Abbildung 1

Abbildung 1: YaST 2 erkennt zwar WLAN-Karten, die Funk-Parameter lassen sich dann allerdings nicht festlegen. Daher ist die manuelle Einrichtung zwar prinzipiell besser, das angegebene Kernel-Modul wird aber später nicht geladen, so dass das WLAN letztlich nicht funktioniert

OpenOffice statt StarOffice

Wie schon in vorangegangenen Versionen wird die Personal Edition mit nur drei CDs ausgeliefert, insbesondere die Bereiche Server-Dienste, Netzwerk und sogar Entwicklungspakete wie gtk-devel fehlen – somit lassen sich faktisch keine Gnome-Programme mit der Personal Edition übersetzen, auch wenn Gnome in der Personal Edition enthalten ist. Eine weitere Veränderung betrifft den Office-Bereich: OpenOffice hat StarOffice komplett verdrängt, das Sun-Produkt ist nicht mehr dabei.

Neuer Compiler, neue Probleme

Hinter den Kulissen sind die Änderungen zwischen Version 8.0 und 8.1 gravierender. SuSE verwendet nun KDE 3.0.3, Kernel 2.4.19 und den neuen GCC 3.2. Letzterer dürfte Anwendern viel Kopfzerbrechen bereiten, die gerne selbst Programme übersetzen: Bei manchen Quellen sind Anpassungen nötig, bis sie sich mit GCC 3.2 übersetzen lassen. So konnten wir etwa Xine nicht aus den Original-Quellen übersetzen, der Compiler brach mit einem internen Fehler ab und bat um einen Bug-Report an das GCC-Team.

SuSE hat auch Lilo in Rente geschickt, neuerdings wird standardmäßig Grub verwendet. Für den Anwender heißt dies, dass manuelle Veränderungen der Boot-Konfiguration zukünftig über die Datei /boot/grub/menu.lst statt wiebisher über die /etc/lilo.conf erfolgen müssen. Wer weiterhin das YaST-2-Frontend benutzt, wird keine Veränderung bemerken.

Wundersamer Namenswechsel

Wunderliches ereignet sich auf Rechnern, die zum CD-RW-Brenner noch ein CD- oder DVD-ROM-Laufwerk installiert haben. Der CD-Brenner wurde völlig korrekt mit der IDE-SCSI-Emulation eingerichtet und war über den Gerätenamen /dev/sr0 zu erreichen. Das DVD-Laufwerk jedoch sollte nach wie vor /dev/hdd heißen (sowohl die Mount-Einträge in der /etc/fstab als auch die KDE-Icons wurden auch so eingerichtet), lief aber ebenfalls in der IDE-SCSI-Emulation unter dem Namen /dev/sr1. Damit liefen alle Mount-Versuche und die KDE-Icons ins Leere. Auch die DVD-Wiedergabe war durch die Emulation nicht möglich.

Des Rätsels Lösung ist ein fehlender Boot-Parameter für ROM-Laufwerke. Das Kernel-Modul ide-scsi richtet für alle ATAPI-Laufwerke eine Emulation ein, die noch nicht initialisiert wurden. Da das für ATAPI-ROMs zuständige Modul ide-cd jedoch erst beim ersten Zugriff auf das Laufwerk geladen wird, ist ein DVD-Laufwerk beim Laden des ide-scsi-Moduls nicht initialisiert und wird als SCSI-Laufwerk eingerichtet. Dies lässt sich mit dem Boot-Parameter hdd=ide-cd verhindern. Der Parameter wird entweder über das YaST-2-Modul Konfiguration des Bootloaders in der Sektion System eingestellt (Abbildung 2), oder direkt von Hand in der /boot/grub/menu.list angegeben.

Abbildung 2

Abbildung 2: Ist der Rechner mit DVD-ROM (hdd) und CD-Brenner (hdc) ausgestattet, werden fälschlich beide Laufwerke in der SCSI-Emulation betrieben. Abhilfe bringt der Parameter "hdd=ide-cd", der komfortabel über die Bootloader-Konfiguration im YaST 2 eingebaut werden kann

Bennen automatisiert

Eine pfiffige Lösung hat SuSE bei den CD-Brenner-Icons eingebaut. Liegt eine Daten-CD im Laufwerk, wird sie wie üblich durch Anklicken des goldenen CD-Icons automatisch gemountet und angezeigt. Ist hingegen keine CD oder ein unbeschriebener Rohling im Laufwerk, startet beim Klick auf das Icon automatisch das KDE-3-Brennprogramm K3b.

Beim ersten Start ist das Fenster (wie in Abbildung 3 gezeigt) viel zu klein geraten: Der breite blaue Streifen am unteren Fensterrand ist mitnichten eine Statuszeile, sondern ein normal mittig angeordneter Trenner zwischen dem Dateibrowser oben und dem Projektbereich, der die zu brennenden Daten enthält. Das Fenster muss daher unbedingt nach unten vergrößert werden, sonst sieht man nicht, was man brennt.

Abbildung 3

Abbildung 3: Beim ersten Start ist das Fenster von K3b zu kurz geraten, der Projektbereich mit den zu brennenden Dateien ist verdeckt. So kann der Eindruck entstehen, als würde man die ausgewählten Dateien ins Nirwana schicken. Tatsächlich ist der Balken "Aktuelle Projekte" unten ein mittig angeordneter Trenner

Hwscan abschalten

Die automatische Hardware-Erkennung beim Systemstart, hwscan, funktioniert in den meisten Fällen problemlos. Auf einem Testsystem kam es jedoch vor, dass wir mit dem grafischen X-Konfigurator SaX2 keine brauchbare X-Konfiguration erstellen konnten und daher die /etc/X11/XF86Config von Hand ändern mussten. Bei den folgenden Systemstarts stolperte hwscan regelmäßig über diese geänderte Konfiguration und schlug vor, X erneut einzurichten – das Ergebnis war stets eine unbrauchbare Konfiguration.

Ähnliche Probleme können bei manchen Maus-Modellen auftreten, weshalb es sinnvoll sein kann, hwscan abzuschalten. Dies geht recht einfach über den Runlevel-Editor von YaST 2. In den Runlevel-Eigenschaften wird hwscan lediglich für die Runlevel 2, 3 und 5 deaktiviert. Damit hat der Spuk ein Ende, neue Hardware wie etwa eine neue Grafikkarte wird allerdings zukünftig nicht mehr erkannt. Es kann dann notwendig sein, von Zeit zu Zeit hwscan erneut zu aktivieren.

Fazit

Die SuSE Linux 8.1 Personal Edition hinterlässt einen guten Eindruck. Die Hardware-Erkennung wurde weiter verbessert, der Fehler in der WLAN-Konfiguration ist verzeihlich und könnte von SuSE über das YaST-Online-Update schnell behoben werden. Deutlich problematischer sind die teilweise fehlenden Entwicklungsbibliotheken und der neue, zum Vorgänger leicht inkompatible GCC 3.2. Das Selbst-Kompilieren von Programmen wird damit weiter erschwert. Wer häufig und gern Programme selbst übersetzt, sollte daher besser zur Professional Edition greifen. Die Entscheidung, statt KonCD K3b als Standard-Brennprogramm zu etablieren, ist richtig: Mit KonCD gelang es uns nicht, auch nur eine CD zu brennen, ohne den KDE-Crash-Manager zu Gesicht zu bekommen.

United Linux 1.0 RC

Kurz vor Redaktionsschluss konnten wir noch einen Blick auf den Release Candidate von United Linux 1.0 werfen. Diese für den professionellen Einsatz gedachte Distributionsbasis ist ein Gemeinschaftsprojekt von SuSE, Conectiva, Caldera/SCO und Turbo-Linux; für die Entwicklung ist SuSE allein zuständig.

United Linux 1.0 RC ist eine Distributionsbasis, sie enthält alle notwendigen Pakete für ein atmendes, lebendes Linux-System inklusive Installer und Konfigurationswerkzeugen – Anwendungsprogramme sucht man aber meist vergeblich. Jeder der vier Partner plant, United Linux als Grundstein für die eigene Distribution zu verwenden und dann die gewünschten Zusatzpakete aufzusatteln.

Der erste Test zeigt, dass es sich bei United Linux um ein SuSE Linux 8.1 handelt – oder umgekehrt. Sämtliche Pakete haben dieselbe Versionsnummer, lediglich der Distributionsumfang und die Paketserien im Installationsprogramm unterscheiden sich. Auch wird United Linux 1.0 voraussichtlich verschiedene Zertifikate anderer Hersteller für die geprüfte Kompatibilität erhalten, daran dürften neben Oracle (Datenbanken) auch IBM und Fujitsu-Siemens beteiligt sein.

Noch ist unklar, ob United Linux nur als Basis für die professionellen (Enterprise-) Distributionen verwendet wird, oder nach und nach die Grundlage für alle Distributionen der vier Firmen bildet – sinnvoll wäre es, neben der Vereinheitlichung der vier Distributionen würden sich die Hersteller drei mal Entwicklungs-, Pflege- und Support-Kosten sparen.

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