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Kreis, Quadrat und Dreieck: Mandrake-Geometrie

Mandrake Linux 9.0

01.12.2002 Mandrakesoft verfolgt eine interessante Verkaufspolitik: Lange bevor es fertige Boxen im Handel gibt, stehen auf FTP-Servern ISO-Images einer neuen Distribution zum Download bereit. So ist es auch mit der aktuellen Neuerscheinung Mandrake Linux 9.0, deren Download-Version wir getestet haben.

Die drei unterschiedlich ausgestatteten Varianten von Mandrake Linux sind leicht an unterschiedlichen geometrischen Formen auf der Box zu erkennen: So verziert die Basis-Version ein Kreis, während die PowerPack- und ProSuite-Editions ein Quadrat und ein Dreieck zeigen. Welche tiefere mathematische Bedeutung sich hinter dieser Wahl verbirgt, bleibt dem Anwender allerdings verborgen. Folgt man dem üblichen Verständnis, nach dem Kreis ein reguläres Vieleck mit unendlich vielen Kanten ist, müsste die Reihenfolge genau umgekehrt sein.

Als Preise nennt der MandrakeStore 35, 79 und 199 Euro (für Standard, PowerPack und ProSuite Edition). Einen Überblick über den jeweiligen Umfang der Boxen gibt Tabelle 1.

Installation wie gehabt

Bei der Installationsroutine zeigt sich die neue Mandrake-Version im bekannten Stil – wer in den letzten zwei Jahren mit Mandrake gearbeitet hat, kennt sich sofort aus und wird ohne Probleme die nötigen Schritte durchführen. Wichtige Features des Installers sind die Größenänderung von Windows-FAT-Partitionen und die gute Hardware-Erkennung für eine Reihe von Komponenten, darunter SCSI-, Netzwerk-, und Grafikkarten. Beim Netz lässt sich schon während der Installation eine manuelle Konfiguration durchführen oder die Verwendung eines DHCP-Servers einstellen; auch Internet-Zugänge über Modem, ISDN, DSL oder Kabel können schon vor dem ersten Mandrake-Start eingerichtet werden.

Abbildung 1: Windows-FAT-Partitionen können in der Größe verändert werden

Mandrakes Konzept der Paketauswahl ist angenehm: In einer recht detaillierten Vorauswahl können ganze Paketgruppen, etwa Büroarbeitsplatz oder Entwicklungsplattform, selektiert werden. Wer lieber Pakete von Hand auswählt, kann auch das tun; die einzelnen Pakete sind werden dabei in einer Baumansicht angezeigt.

Abbildung 2: Über die schon recht detailreiche Paketgruppenauswahl können Sie sich die An- und Abwahl einzelner Pakete meist sparen

Nach dem ersten Start verwundert die X-Auflösung: Trotz der Vorgabe von 1152x864 Punkten, die dem System auch keine Probleme bereiten sollte, erscheint X in 1024x768 Punkten. Auch ein Versuch, diese Einstellung über das Mandrake-Kontrollzentrum zu ändern, verlief erfolglos. XFree86 benötigt offenbar für die 1152er Auflösung eine Modeline (wie diese in XFree86 3.x generell notwendig war).

Alles in einer Hand: Das Kontrollzentrum

Heute gibt es für alles ein Kontrollzentrum – KDE hat eines (kcontrol), GNOME steht dem nicht nach (gnome-control-center), und auch Mandrake Linux bietet eine eigene Variante namens drakconf. Hier lassen sich zentral die Systemeinstellungen vornehmen: Unter den sieben Punkten

  • Betriebssystem-Start
  • Hardware
  • Einhängpunkte
  • Netzwerk & Internet
  • Sicherheit
  • System
  • Softwareverwaltung finden Sie alle interessan

Abbildung 4: Backup über das Kontrollzentrum. An sich eine schöne Sache, wenn alle benötigten Programme installiert sind

ten Schalter.

In das Kontrollzentrum ist auch eine einfach zu bedienende Backup-Funktion integriert, die wahlweise das gesamte System oder die privaten Home-Verzeichnisse einzelner Anwender auf CD/DVD, Bandlaufwerk, eine andere Platte oder einen Rechner im Netz sichert. Bei Netzwerksicherung kann zwischen FTP, Rsync, SSH und WebDav gewählt werden. Im Test versagte die SSH-Lösung allerdings: Es fehlte die Datei /usr/lib/ssh/ssh-askpass. Nach manuellem Nachinstallieren das Pakets openssh-askpass von der zweiten CD (nicht auf der Heft-CD enthalten!) funktionierte die Sicherung dann. Hier gibt es wohl ein Problem mit den Dependencies. Beim Backup merkt man auch, dass einige Punkte des Kontrollzentrums nicht ins Deutsche übersetzt wurden.

Abbildung 4: Backup über das Kontrollzentrum. An sich eine schöne Sache, wenn alle benötigten Programme installiert sind

Auch der Internet-Zugang wird über das Kontrollzentrum eingerichtet. Für ISDN- und Modem-Benutzer gibt es hier eine umfassende Provider-Datenbank, die auch lokale Anbieter (wie beispielsweise städtische Hochschulen) nennt. Das Verwalten mehrerer Verbindungen (Netzwerk, DSL, ISDN, mehrere Provider) ist nicht ganz unproblematisch: Wer intuitiv auf Assistent klickt und dann in einem Rutsch Netzwerk, ISDN und DSL einrichten will, muss sich am Ende für eine der Verbindungen erscheinen; die übrigen Daten werden verworfen. Der richtige Weg führt über das vorherige Anlegen mehrerer Profile – für jedes Profil kann dann separat der Assistent gestartet werden, und später können Sie über das Kontrollzentrum zwischen den Profilen wählen.

Abbildung 5: Mehrere Internet-Zugänge können eingerichtet werden; Einrichtung und Auswahl sind aber nicht gerade intuitiv

Abbildung 6: Als Gimmick kann im Kontrollzentrum auch eine eingebettete Shell aufgerufen werden

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


Infos zur Publikation

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LinuxUser 06/2012

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