LyX-Workshop, Teil 2

Aus LinuxUser 12/2002

LyX-Workshop, Teil 2

Texte mit Format

Dokumentenklassen und eine flexible Konfiguration vereinfachen die Arbeit mit dem LaTeX-Frontend LyX gewaltig. Wir zeigen Kniffe für den richtigen Umgang.

Dokumentenklasse

LyX arbeitet mit den verschiedenen Dokumentenklassen und Umgebungstypen aus LaTeX. Damit lassen sich leicht ansprechende Texte erstellen. Um die Arbeit noch weiter zu vereinfachen, kann die Konfiguration des LaTeX-Frontends individuell angepasst werden.

Eine der grundlegenden Optionen von LyX finden Sie im Menüpunkt Layout/Dokument hinter dem Karteikartenreiter Dokument. Hier legen Sie im Listenfenster Klasse die Art des Textes fest, den Sie schreiben möchten.

Jede Textklasse nutzt andere Absatzformate wie Überschriften oder Zeilenabstände. Nachdem Sie sich entschieden haben, ob Sie einen Brief, einen Artikel oder sogar ein Buch verfassen möchten, stehen Ihnen entsprechende Formatierungen des Dokumentes zur Verfügung. Die neuen Absatztypen Ihres Textes wählen Sie mit dem Pfeil im linken Feld der Werkzeugleiste.

Die Textverarbeitung kennt fünf Basis-Klassen für Standard-Dokumente:

*

article für Artikel

  • book für Bücher
  • letter für Briefe
  • report für Berichte
  • slides für Präsentationsfolien

Zusätzlich unterstützt der Editor das Layout wissenschaftlicher Artikel des Springer-Verlages (article Springer – ejour2) und der American Mathematical Society (article AMS, book AMS) sowie das Format amerikanischer Geschäftsbriefe.

Haben Sie sich für eine Klasse entschieden, fragt die Software ab, ob Sie die Standardwerte der ausgewählten Dokumentenklasse verwenden wollen. Sind Sie mit den Vorgaben nicht einverstanden, bietet Ihnen LyX zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten.

Im Fenster Seitenformat geben Sie das Layout der Kopf- und Fußzeilen an. So legen Sie mit dem Punkt empty fest, dass Sie weder Überschriften noch Seitenzahlen wünschen.

Mit Zeichengröße und Zeichensatz konfigurieren Sie das Aussehen der Standardschrift. Durch die Einstellung default beim Zeichensatz kommt der Standard-LaTeX-Zeichensatz zum Einsatz, bei palatino oder times hingegen eine PostScript-Schrift. Mit Zeichengröße bestimmen Sie das Maß der Standardschrift, an dem sich die Größen der Absatztypen Titel, Überschrift oder Fußnote orientieren.

Der Normalabstand setzt den Abstand der Absätze zueinander fest. Dem entspricht der Zeilenabstand für die Zeilen innerhalb eines Absatzes. Ob Sie die Absätze durch einen Einzug oder Abstand trennen wollen, bestimmen Sie mit der Option Absatztrennung.

Die Option Format passt das Aussehen einer Seite dem einseitigen oder doppelseitigen Druck an. Das Frontend verwendet beispielsweise ein unterschiedliches Erscheinungsbild für gerade und ungerade Seiten. Die Schalter für die verschiedenen Papiergrößen liegen in der Karteikarte Seite. Hier aktivieren Sie das Hoch- oder Querformat Ihres Textes, legen Ränder fest oder definieren das DIN-Format des Dokuments.

Einen Vorteil der WYSIWYM-Textverarbeitung zeigt der Punkt Spalten. Hier geben Sie die Spaltenzahl vor. Selbst wenn Sie Ihren Text im Ausdruck zweispaltig anlegen, behalten Sie beim Editieren den Überblick. Das Eingabefeld verzichtet zugunsten der Übersichtlichkeit auf die Zweispaltigkeit und hilft Ihnen mit einem geschlossenen Textbild.

Umgebungen

LaTeX und HTML sind Beschreibungssprachen für Dokumente. Wie das frühe HTML trägt auch LaTeX die Idee der logischen Gliederung in sich. In beiden Sprachen dienen Überschriften und andere Formate nicht dem Layout, sondern der Strukturierung des Dokumentes. Diese Idee verfolgt LyX konsequent mit den folgenden Abschnittstypen: Part, Chapter, Section, Subsection, Subsubsection, Paragraph, Subparagraph. Je nach Dokumententyp sind einige Typen nicht vorhanden.

Mit dem Menüpunkt Datei/Neu öffnen Sie ein neues Dokument. Schreiben Sie darin die Zeile Abschnitte. Jetzt wählen Sie aus der Liste der Umgebungen den Punkt Title. Der Editor zeichnet die markierte Zeile als Titel aus und setzt sie in ein großes Schriftbild. Mit der Return-Taste gelangen Sie in die nächste Zeile. Hier schreiben Sie Der erste Abschnitt. Auch in dieser Zeile lassen Sie den Cursor stehen, nehmen diesmal jedoch den Typ Section.

Wie Sie sehen, numeriert die Textverarbeitung die Zeile mit einer Eins. Die Zeile darunter nennen Sie Ein Unter-Abschnitt und geben ihr das Format Subsection. Im Gegenzug vergibt der Editor die Numerierung 1.1. Die letzte Zeile, die zum Abschnitt 1 gehört, taufen Sie Ein Unter-Unter-Abschnitt und ordnen ihr den Typ Subsubsection zu.

Der Unter-Unter-Abschnitt bekommt automatisch die Nummer 1.1.1 zugewiesen. Des Weiteren erstellen Sie einen zweiten Abschnitt mit der Zeile Der nächste Abschnitt. Da Sie hier einen Haupt-Abschnitt erzeugen wollen, setzen Sie die Umgebung auf Section. Diese Zeile und alle folgenden Unterabschnitte werden fortlaufend mit einer 2 numeriert. Fahren Sie so fort, bis Ihre Datei den Einträgen in Abbildung 1 entspricht.

Abbildung 1: Die logische Gliederung in Section, Subsection und Subsubsection

Abbildung 1: Die logische Gliederung in Section, Subsection und Subsubsection

Wie so oft beim Schreiben fällt Ihnen ein, dass Sie noch einen Abschnitt einschieben müssen. Der momentan zweite Abschnitt erhielte dann mitsamt seinen Unter-Abschnitten in der Numerierung eine führende Drei, und es wären aufwendige Anpassungen der Überschriften nötig.

Das wäre zumindest so, wenn nicht LyX Ihre Textverarbeitung wäre: Fügen Sie nach der Subsubsection 1.1.1 mit Return die Zeile Der eingeschobene Abschnitt ein. Die Formatierung Section verwandelt den Text in den zweiten Abschnitt und passt die Numerierung der restlichen Sektionen an.

Abbildung 2 zeigt Ihnen das Ergebnis. Besonders bei umfangreichen Dokumenten erleichtert Ihnen das selbständige Verwalten der Textteile die Arbeit erheblich.

Abbildung 2: Abschnitte automatisch neu numeriert

Abbildung 2: Abschnitte automatisch neu numeriert

Inhalt und Anmerkung

Ein umfangreiches Dokument benötigt neben dem logischen Aufbau ein Inhaltsverzeichnis. Selbst hier greift Ihnen der Editor unter die Arme. Plazieren Sie den Cursor in Ihrem Dokument über den ersten Abschnitt. Ein Klick ins Menü Einfügen/Listen & Inhalt/Inhaltsverzeichnis erstellt in der aktuellen Zeile einen Button.

Ein Druck darauf öffnet den Inhalt der Datei, in der Sie navigieren können. Dieser Inhalt entspricht dem Aufbau des Dokumentes in Kapiteln und Abschnitten. Natürlich haben die Leser etwas von diesem Verzeichnis: In der DVI-Vorschau, die Sie über [Strg-d] aufrufen, können Sie das druckreife Inhaltsverzeichnis betrachten.

Auf eine ähnlich komfortable Weise erstellen Sie Randnotizen und Fußnoten. In der Werkzeugleiste finden Sie beide Umgebungstypen als vierten und fünften Button von rechts. Wandern Sie mit dem Cursor bis zu der Textstelle, die mit einer Zahl auf eine Fußnote verweisen soll. Der Fußnoten-Schalter öffnet eine Zeile unter der Cursor-Position ein mit foot markiertes Eingabefeld für Ihren Text. Klicken Sie auf das foot, schließt sich das Feld.

Mit der Numerierung der Anmerkungen brauchen Sie sich nicht zu belasten: Wie schon bei den Abschnitten ist das die Arbeit von KLyX. Randnotizen behandeln Sie ebenso. Das Kürzel margin weist Sie im Text auf diese Art der Anmerkung hin. Im Gegensatz zu den Fußnoten werden Randnotizen jedoch nicht numeriert.

Abbildung 3: Inhaltsverzeichnis, Fußnote und Randnotiz

Abbildung 3: Inhaltsverzeichnis, Fußnote und Randnotiz

Der Link im Text

Nicht nur im Internet gibt es Hyperlinks, die schnelle Verbindung zwischen zwei Stellen im Web. Um mit dem LaTeX-Frontend einen Link zu realisieren, wenden Sie Marken und Querverweise an. Positionieren Sie den Cursor an der Stelle im Dokument, die das Ziel des Links sein soll. Die Option Einfügen/Marke öffnet ein Dialogfenster. Geben Sie einen einprägsamen Namen für Ihre Marke ein und klicken Sie auf OK.

Im Text erscheint ein grauer Button an der Stelle, an der der Cursor war. Wenn Sie auf den Knopf klicken, können Sie den Namen der Zielmarke ändern. Den Querverweis zu diesem Ziel erstellen Sie mit der Option Einfügen/Querverweis. Wählen Sie in dem Fenster, das sich daraufhin öffnet, die Zielmarke aus und klicken auf Okay. Der neue Schalter in Ihrem Dokument trägt die Aufschrift Ref: Name der Zielmarke.

Wann immer Sie ihn mit der Maus drücken, öffnet sich ein Dialogfenster. Ein weiterer Klick auf den Button Gehe zu Referenz befördert Sie im Dokument zur Zielmarke.

Shortcuts

Nicht nur für Benutzer der verschiedenen Vi- und Emacs-Klone gilt: Ohne Tastenkürzel kein schnelles Arbeiten. Vielleicht haben Sie es im Abschnitt Inhalt und Anmerkung bereits bemerkt: Sie müssen sich nicht in der Menüleiste durch die Punkte Anzeigen/DVI klicken, es gibt den Shortcut [Strg-d].

In Tabelle 2 haben wir die grundlegenden Tastenkürzel für Sie zusammen gestellt. Die Tabelle bezieht sich auf die Voreinstellung der Tastenbelegung, die nicht ganz einfach ist. Das Programm nutzt per Default die Dateien im Verzeichnis bind der Hauptkonfiguration des Editors. Den Pfad zu dieser zentralen Konfiguration verrät Ihnen das Menü Hilfe/Version.

Tabelle 2: Shortcuts

Datei öffnen [Strg-o]
Datei speichern [Strg-s]
Datei schließen [Strg-w]
Datei drucken [Strg-p]
Neue Datei [Strg-n]
Text kopieren [Strg-c]
Text einfügen [Strg-v]
Text löschen [Strg-x]
Rückgängig [Strg-z]
Wiederholen [Shift-Strg-z]
Suchen und ersetzen [Strg-f]
DVI-Vorschau [Strg-d]
DVI-Vorschau aktualisieren [Shift-Strg-d]
PostScript-Vorschau [Strg-t]
PostScript-Vorschau aktualisieren [Shift-Strg-t]
Menüleiste [Alt-Buchstabe]
Umgebungstyp [Alt-a-Leerzeichen]
Chapter [Alt-a-1]
Section [Alt-a-2]
Subsection [Alt-a-3]
Subsubsection [Alt-a-4]
LyX-Code [Alt-a-c]
Tiny [Alt-s-t]
Smaller [Alt-s-S]
Small [Alt-s-S]
Normal [Alt-s-n]
Large [Alt-s-l]
Larger [Alt-s-L]
Huge [Alt-s-h]
Huger [Alt-s-H]
Fett [Strg-b]
Kursiv [Strg-e]
Unterstrichen [Strg-u]
Zeilenumbruch ohne Abstand [Strg-Return]
Weiche Trennung [Strg-Bindestrich]
Mathematik-Modus [Strg-m]
LyX beenden [Strg-q]

Die Hauptdatei ist cua.bind. In ihr werden einzelne Kommandos an Tastenkombinationen gebunden. Die Datei cua.bind liest außerdem die Dateien menus.bind und math.bind ein. Nachdem der Editor diese Dateien verarbeitet hat, hält er sich an die Umgebungsvariable $LANG und lädt die entsprechende Internationalisierung nach. In unseren Landen also die Datei de_menus.bind.

Als Emacs-Anwender steht es Ihnen frei, statt cua.bind die Dateien emacs.bind oder xemacs.bind zu verwenden, um in einer halbwegs gewohnten Umgebung zu tippen. Die .bind-Dateien sind in einer leicht verständlichen Syntax aufgebaut:

\bind "M-a t" "layout Title"

\bind koppelt die Tastenkombination [Alt-a-t] an den Befehl layout Title. Mit diesem Kommando verwandelt das Programm die aktuelle Zeile in den Umgebungstyp Title. Das M steht für die Meta-Taste, die Sie auf den meisten Systemen mit [Alt] ansprechen.

In einigen Zeilen taucht ein C auf. Der Buchstabe meint die Taste [Strg] ihres Keyboards. Für eine angepasste .bind-Datei ist in Ihrem Home-Verzeichnis ~/.lyx/bind der richtige Platz.

Preferences

Um LyX zu konfigurieren, müssen Sie die Textverarbeitung nicht verlassen. Oder, um es mit der Datei ~/.lyx/preferences zu sagen: “This file is written by LyX, if you want to make your own modifications you should do them from inside LyX and save.” Und dieses should sollten Sie sich zu Herzen nehmen, wenn Sie Ihre Anpassungen im Überblick behalten wollen.

Ihre eigenen Einstellungen speichert die Software in der Datei ~/.lyx/preferences. Sie überschreibt die Angaben in der Datei ~/.lyx/lyxrc.default. Da Sie dem Editor jedoch keine persönlichen Änderungen mitgeteilt haben, existiert diese Datei noch nicht.

Abbildung 4: Das Menü-Fenster <code srcset=

Bearbeiten/Einstellungen” width=”282″ height=”300″ /> Abbildung 4: Das Menü-Fenster Bearbeiten/Einstellungen

Wir beginnen beim Menüpunkt Bearbeiten/Einstellungen. Vorhin besprachen wir die Möglichkeit, die Shortcuts Emacs-freundlich anzulegen. Um diese Einstellung zu erreichen, öffnen Sie die Karteikarte Benutzerschnittstelle. Im Fenster Bind Datei sehen Sie die Default-Einstellung cua, die Sie löschen und mit emacs überschreiben.

Leider funktionieren die Buttons Übernehmen und Speichern nicht immer in gewohnter Weise. In einigen Fällen müssen Sie den Editor beenden und neu starten, um an die Emacs-Kürzel zu gelangen. Auch als XEmacs-Profi stehen Sie nicht im Regen: Im LyX-Hauptverzeichnis liegt zusätzlich die .bind-Datei xemacs.

Wenn Sie kein Freund von Fenstern und Masken sind, legen wir Ihnen die Option Hilfe/Anpassung nahe. Im dritten Kapitel des Handbuches erfahren Sie alle Details zu den Einträgen in den Konfigurationsdateien.

Eine weitere Zeile, mit der Sie die Preferences ausstatten können, ist eine Angabe zur Skalierbarkeit der Zeichensätze. Wenn die Fonts im Editor flattrig und grob erscheinen, haben Sie wahrscheinlich nicht genug skalierbare Zeichensätze installiert, die LyX verwenden kann. Mit der folgenden Anweisung nimmt der Editor einem passenden Zeichensatz in fester Größe:

\screen_font_scalable false

Im Menü Bearbeiten/Einstellungen steckt für diese Konfiguration die Karteikarte Zeichensätze Bildschirm. Ein Druck auf den Knopf Skalierbare Fonts verwenden schaltet die pixelige Darstellung ab und schreibt die oben genannte Variable in die Preferences.

Mit Sicherheit ist Ihnen schon die Benutzerführung im Einstellungsmenü aufgefallen. Es gibt beinahe kein Feld, das nicht mit einem großzügigen Hilfetext am Fuß des Fensters ausgestattet wäre. Zusammen mit dem Dokument Anpassung knackt diese Hilfe so manch harte Nuss, und Sie können das Program leicht an Ihre Bedürfnisse anpassen.

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