System im Griff

KUser, KSysV, KDiskFree und KwikDisk

01.12.2002
Werden Sie administrativ: Mit einer Handvoll KDE-System-Tools haben Sie die Benutzer-Verwaltung, die Runlevels und den Plattenplatz fest in der Hand.

Korner

In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Wer sich schon ein wenig länger mit Linux beschäftigt, weiß, dass es sich dabei um ein echtes Multi-User-System handelt. Doch die Vorteile, die Sie dadurch haben, ziehen einige administrative Arbeiten nach sich, die Sie – sollten Sie bis dato nur Windows benutzt haben – so nicht kennen. Kein Grund zur Panik, denn mit KUser gibt es ein grafisches Tool, das Ihnen diese ein wenig erleichtert. Wie alle im Folgenden vorgestellten Programme gehört es zum kdeadmin-Paket, so dass es Ihre Distribution an Board haben dürfte.

Da die Nutzer-Verwaltung eine Aufgabe des Systemadministrators ist, fragt Sie das Hilfsprogramm kdesu erst einmal nach dem root-Passwort, nachdem Sie KUser als unprivilegierter User über den Befehl kdesu kuser oder aus dem Startmenü (bei SuSE zum Beispiel System / Konfiguration / KUser) gestartet haben. Anschließend zeigt Ihnen KUser zwei Listen: Die erste enthält die aktuell eingetragenen Benutzer Ihres Systems (Abbildung 1 links), die zweite alle angelegten Gruppen.

Mittels der Buttons in der Toolbar oder über die Punkte der Menüleiste lassen sich User und Gruppen hinzufügen, löschen oder bearbeiten, so dass Sie sich elegant um Konsolenbefehle wie useradd et cetera drücken können. Und da Probieren auch im administrativen Bereich immer über Studieren geht, legen wir einfach einen neuen User mit Namen Beelzebub an. Klicken Sie dazu in der Menüleiste auf den Eintrag Benutzer / Hinzufügen oder das Add-Icon, und tragen Sie im nun erscheinenden Dialogfenster den Benutzernamen Beelzebub ein. Ein Klick auf OK bestätigt Ihre Absicht. Im darauf folgenden Fenster machen Sie nun genaue Angaben zur Person (Abbildung 1 rechts): Welche Shell soll der Nutzer nach der Anmeldung zur Verfügung gestellt bekommen? Wie heißt er richtig? Soll er ein eigenes Home-Verzeichnis erhalten oder lieber doch nicht?

Abbildung 1: Zugangsdaten für Beelzebub

Des Weiteren lässt sich mit Hilfe des Tabs Passwortverwaltung – Überraschung, Überraschung – das Passwort für Beelzebub per Mausklick verwalten. Hier legen Sie bei Bedarf außerdem fest, wann Beelzebubs Zugang ungültig wird, oder wann es Zeit für ein neues Passwort ist.

Mit Hilfe des Registers Gruppen bestimmen Sie, in welche Gruppen Beelzebub aufgenommen wird (Abbildung 2). In der Regel sind Benutzer jeweils nur in einer Unix-Gruppe Mitglied, aber manchmal möchte man mehrere User mit bestimmten Rechten ausstatten und fasst sie daher in weiteren, entsprechend berechtigten Gruppen zusammen.

KUser präsentiert Ihnen im Tab Gruppen ein Menü aller verfügbaren Gruppen. Möchten Sie Beelzebub den sozialen Kontakt zu einer davon ermöglichen, suchen Sie sich die passende raus und versehen diese dann mit einem Häkchen. KUser fügt Beelzebub dann sofort hinzu. Entfernen Sie den Haken, fliegt er ebenso rasch wieder raus.

Abbildung 2: Cliquenwirtschaft

Boot-Skripte unter Kontrolle

Genau wie KUser ist das Programm KSysV für den System-Administrator gedacht. Das ist auch gut so, denn KSysV übernimmt für Sie die Verwaltung der symbolischen Links aus den Verzeichnissen /etc/rc.d/rc0.d bis rc6.d ins Skript-Verzeichnis /etc/rc.d/init.d, die u. a. festlegen, welche Dienste beim Booten starten. (Ältere Distributionen verwenden u. U. abweichende Pfade.)

Dennoch können Sie das Programm über das K-Menü (System / Konfiguration / SysV-Init-Editor bei SuSE) oder den Befehl ksysv & in einer Terminalemulation auch als Normal-User aufrufen – zum Anschauen der Boot-Konfiguration. Weisen Sie sich dazu noch mit dem root-Passwort aus (auf der Kommandozeile erzwingen Sie die entsprechende Abfrage durch den Befehl kdesu ksysv), dürfen Sie festlegen, welche Dienste beim Hochfahren Ihres Rechners abhängig vom jeweiligen Runlevel gestartet werden.

Wenn Sie ein mit root-Rechten gestartetes KSysV auf Englisch begrüßt, liegt das daran, dass root seine Länder- und Spracheinstellungen noch nicht an deutsche Verhältnisse angepasst hat. Doch das lässt sich in einem mit dem Befehl kdesu kcontrol aus einem Terminal heraus gestarteten Kontrollzentrum auch vom Desktop eines unprivilegierten Users aus ändern.

Sollten sich die Start-Skripte auf Ihrem System an einem anderem Platz befinden, passen Sie den Pfad dorthin unter dem Menüpunkt Einstellungen / SysV-Init-Editor einrichten / Pfade an. Bei neueren KDE-3-Versionen übernimmt das sogar ein kleiner Assistent, der sich beim ersten Programmstart meldet.

Im Programmfenster (Abbildung 3) zeigt KSysV links außen alle Dienste an, zu denen es im init.d-Verzeichnis Start-Skripte gibt. Daneben finden Sie für jedes Runlevel aufgeführt, welche Dienste darin hochgefahren werden.

Abbildung 3: Alle Level auf einen Blick

Möchten Sie einen davon in einem der Runlevel nicht mehr initialisieren (beispielsweise, weil Sie keine Verwendung für einen HTTP-Server haben), so reicht es, den passenden Eintrag aus der jeweiligen Spalte auf die Mülltonne links unter den Verfügbaren Systemdiensten zu ziehen. Ein linker Mausklick auf einen der Dienste erlaubt einen Blick auf einige, oft sehr dürre Zusatzinformationen (Abbildung 3, kleines Fenster). Wollen Sie einem Runlevel einen neuen Dienst spendieren, holen Sie den entsprechenden Eintrag mit der Maus aus der Spalte der verfügbaren Systemdienste und verfrachten ihn in die Start-Spalte des jeweiligen Runlevels. Den passenden symbolischen Link im Dateisystem erzeugt KSysV für Sie.

Dennoch sollte man wissen, was man hier tut, da falsche Einstellungen dazu führen können, dass Ihr Linux-System nicht mehr bootet. Aus diesem Grunde werden Ihre Änderungen erst gespeichert, wenn Sie Datei / Konfiguration sichern anwählen.

Platz da!

Festplattenplatz, so groß der Datenträger auch sein mag, ist endlich. Daher ist gut beraten, wer sich mit KDiskFree (Abbildung 4) ab und an einen Überblick über die noch vorhandenen Ressourcen verschafft. Zum Starten des Plattenwächters hangeln Sie sich im K-Menü bis zum Eintrag System / Dateisystem / KDiskFree durch oder geben ein schlichtes kdf & in einer Terminalemulation Ihrer Wahl ein. Alternativ übernimmt das KDE-Kontrollzentrum den Aufruf für Sie und präsentiert das Ergebnis in der Sektion Information unter Blockorientierte Geräte.

Abbildung 4: Reicht der Platz?

KDiskFree kommt übrigens in Begleitung: Halten Sie im K-Menü unter System / Dateisystem einfach nach KwikDisk Ausschau. Dieses Schwester-Tool hat den Vorteil, dass es auf Kommando in der Kontrollleiste andockt und bei einem Klick auf das Klötzchen-Icon im Panel sofort alle gemounteten Platten, Laufwerke sowie deren freien Platz anzeigt. Keine Ausreden mehr, Sie hätten nichts vom Platzmangel gewusst (Abbildung 5).

Abbildung 5: KwikDisk für den Schnellüberblick

Aber auch KDiskFree hat seine Stärken. Denn außer über Plattengröße, freien Plattenplatz und Auslastung informiert es ganz selbstverständlich über das Dateisystem (neudeutsch: "File-System") sowie die Mountpoints Ihrer Festplatten und Geräte. Weil wir gerade von Mountpoints sprechen: KDiskFree lässt Sie Ihre Datenträger per Mausklick mounten und unmounten – ganz ähnlich den CD-ROM- und Floppy-Icons auf Ihrem KDE-Desktop.

Glossar

Runlevel

Betriebszustände eines Linux-Systems. Die Runlevel 2 bis 5 dürfen Sie individuell für verschiedene Aufgaben konfigurieren, beispielsweise eines, in dem alle benötigten Server-Dienste vom HTTP-Server bis zu Samba beim Booten automatisch gestartet werden. Ein anderes Runlevel könnten Sie als Workstation-Modus definieren, in dem der grafische Login-Manager xdm bzw. sein KDE-Pedant kdm hochfährt. In welches Runlevel der Rechner standardmäßig bootet, legt die Datei /etc/inittab fest.

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