Aufmacher Artikel

K-splitter

01.12.2002

Gründe für Freude im Advent gibt es aus KDE-Sicht genug: beispielsweise ein völlig neues Bug-System, einen Senkrechtstarter für das OpenOffice-Paket und Neuigkeiten von der PIM-Front.

Wider die Bugs

Nobody is perfect – auch nicht das KDE-Projekt. Immer wieder schleichen sich kleine – oder manchmal auch größere – Fehler ein, die den Computer-Nutzern das Leben schwer machen. Doch klaglos nehmen die KDE-Entwickler diese Bugs nicht hin, sondern arbeiten fleißig daran, sie in der jeweils nächsten Version auszumerzen. Dazu sind sie jedoch auf Ihre Fehlermeldungen angewiesen.

Um Ihnen die Bugreports etwas zu erleichtern, haben die KDEler das System zur Fehlerbenachrichtigung unter http://bugs.kde.org/ auf Bugzilla umgestellt. Im Gegensatz zum Vorgänger basiert Bugzilla auf der Datenbank MySQL, was letztlich auch den Bedienungskomfort gewaltig steigert: So bietet die KDE-Fehlerdatenbank nunmehr erweiterte Suchfunktionen, E-Mail-Benachrichtigung und die Möglichkeit, Kommentare zu bereits gemeldeten Fehlern abzugeben.

Wer in den Genuss der neuen Funktionen kommen möchte, muss sich allerdings vorher einen Account besorgen. Doch keine Bange, selbiger kann beim ersten Bugreport mit Hilfe eines Assistenten bequem eingerichtet werden. Die gleiche Benutzerführung steht Ihnen dann auch bei Ihren Fehlermeldungen zur Verfügung (Abbildung 1). Alle bereits bestehenden Fehlerberichte wurden übrigens dank der Bemühungen von Stephan Kulow in das neue System übernommen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Mit dem neuen Bug-Assistenten geht das Reporting kinderleicht

KDE-Führerschein

Was man schwarz auf weiß hat, kann man getrost nach Hause tragen. Wer diesem Spruch schon immer etwas abgewinnen konnte, darf sich seit kurzem um den Europäischen Computerführerschein (ECDL, "European Computer Driving Licence") bemühen. Dieses Anwender-Zertifikat bescheinigt praktische Fertigkeiten in den gebräuchlichsten Computer-Anwendungen. Es wurde 1997 als einheitlicher und unabhängiger Standard für den Erwerb und den Beleg von Anwender-Grundkenntnissen ins Leben gerufen. Fast zwei Millionen Führerscheine wurden seitdem ausgestellt; sie gelten in 31 europäischen Staaten.

Besonders auf den Punkt der Plattformunabhängigkeit legt der ECDL Wert, und folgerichtig bieten ihn die Macher als Reaktion auf die stetig steigende Beliebtheit des freien Betriebssystems Linux seit August dieses Jahres auch für Linux an. Dabei werden die Prüflinge auf ihr Anwender-Wissen aus den Bereichen SuSE Linux, StarOffice und KDE getestet. Die Vorbereitung erfolgt in autorisierten Schulungszentren, kann aber auch Inhouse oder individuell beim Online-Learning erfolgen. Weitere Informationen finden Sie auf der ECDL-Homepage unter http://www.ecdl-linux.de/.

Abbildung 2

Abbildung 2: Freie Fahrt mit dem neuen Linux-Führerschein

Tux on Ice

Passend zur kalten Jahreszeit kommt eine neue Desktop-Dekoration daher: Das Hintergrundmotiv "Frozen Tux" (Abbildung 3) in Form einer PNG-Datei laden Sie sich von http://www.kde-look.org/content/show.php?content=3529 herunter, platzieren es am besten in Ihrem Wallpaper-Verzeichnis (bei SuSE wäre das beispielsweise /opt/kde3/share/wallpapers) und wählen danach im KDE-Kontrollzentrum den Menüpunkt Erscheinungsbild / Hintergrund an. Hier müssen Sie auf dem Tab Hintergrundbild nur noch den neuen frostigen Hausgast aussuchen und mit einem Klick auf den Button Anwenden bestätigen – fertig ist das eisige Vergnügen.

Abbildung 3

Abbildung 3: Ein frostiger Geselle zu Gast auf dem Desktop

Gut entwickelt

Die Entwicklungsumgebung KDevelop hat sich mittlerweile einen festen Platz im Herzen der Programmierergemeinde erobert. Kein Wunder, denn das Team rund um Sandy Meier, Stefan Heidrich und Ralf Nolden arbeitet unermüdlich daran, das Programm stetig zu verbessern. Folgerichtig gibt es jetzt auch eine erste Alpha-Version der 3.0er Familie mit dem Codenamen Gideon.

Diese stellt eine komplette Reimplementation dar und enthält eine Vielzahl neuer Features inklusive einer neuen Oberfläche. Zu den Verbesserungen gehören die vollständige Modularisierung der Programmteile, die komplett neu entwickelte Unterstützung für automake/Makefile.am, neue Mitglieder im Klub der unterstützten Programmiersprachen (Java, C, PHP, Perl et cetera) und Verbesserungen bei der automatischen Vervollständigung des Quelltextes.

Neugierige Alpha-Tester laden sich den täglichen Snapshot von Gideon unter ftp://129.187.206.68/pub/unix/ide/KDevelop/snapshots/ herunter.

Abbildung 4

Abbildung 4: Codename Gideon

Schnellstart für's Office-Paket

Sie bekennen sich offen dazu, statt KOffice lieber das Konkurrenzprodukt OpenOffice einzusetzen? Warum nicht – ein bisschen Abwechslung auf dem Desktop muss auch einmal sein. Das Beste daran: Ab sofort werden Sie dabei sogar unterstützt. Denn Christian Nitschkowski hat mit dem OpenOffice.org Quickstarter ein kleines Tool entwickelt, dass sich im KDE-Panel einnistet und Ihnen so das schnelle Öffnen der einzelnen OpenOffice-Module ermöglicht (Abbildung 5).

Zu den weiteren Funktionen des praktischen kleinen Helferleins gehört unter anderem eine History-Funktion sowie das "Keep OpenOffice in Memory" ("Behalte OpenOffice im Hauptspeicher"), um den Ladevorgang der Applikationen zu beschleunigen. Die aktuelle Version finden Sie auf der Homepage des Autors unter http://segfaultskde.berlios.de/index.php?content=oooqs.

Abbildung 5

Abbildung 5: Schnellerer Zugriff auf alle Module

Gemeinsam sind wir stark

Die Idee, alle PIM-("Personal Information Management"-)Applikationen in einer gemeinsamen, Outlook-artigen Oberfläche zu versammeln und so ein vollständig integriertes System für das Personal Information Management zu liefern, spukt schon länger in den Köpfen aller PIM-Entwickler herum. Typisch für das KDE-Projekt war der Schritt von der Idee zum Handeln auch hier nicht weit: Die Entwicklung einer solchen Applikation schreitet immer weiter voran.

Zum einen gibt es das von der deutschen Regierung in Auftrag gegebene Projekt Kroupware, über das wir bereits in unserer vorangegangenen Ausgabe 11/2002 berichtet haben, zum anderen liegen auch die übrigen Entwickler nicht auf der faulen Haut. Abbildung 6 zeigt einen von Karl-Heinz Zimmer entwickelten Prototypen von KOrganizer, der in KMail eingebettet ist. Don Sanders Lösung geht sogar noch weiter: Dem Hauptentwickler von KMail ist es gelungen, seinen E-Mail-Client in einen KPart umzuwandeln. Abbildung 7 demonstriert, wie wunderbar sich so die verschiedenen PIM-Komponenten in das Kaplan genannte Gerüst von Matthias Hoelzer-Kluepfel und Daniel Molkentin einbetten lassen.

Abbildung 6

Abbildung 6: Eine starke Kombi – KOrganizer und KMail

Abbildung 7

Abbildung 7: Kaplan – alles unter einem Dach

Glossar

Bugs

Dass Software-Fehler und -Unzulänglichkeiten als Insekten bezeichnet werden, hat historische Gründe. Als 1945 eine Motte für einen Funktionsausfall am Grossrechner Mark II sorgte, beschrieb Grace Hopper deren Entfernung als "Debugging". Seither gilt sie als Erfinderin dieses Terminus.

Tip a friend    Druckansicht beenden Bookmark and Share
Kommentare