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Distri-Bits

01.12.2002

Zum Jahresende, da alle großen Distributionen mit ihren neuen Sternen am Linux-Himmel funkeln und die Nächte lang und länger werden, hat der eine oder andere genug Zeit, auch auf die kleineren Lichter zu achten.

Linux macht Schule

Wenn sich eine Distribution wie kmLinux (http://www.lernnetz-sh.de/kmLinux/) speziell an Lehrer und Schüler wendet, ist es Ehrensache, pünktlich zum Schulanfang die neue Ausgabe 3.0 freizugeben. Sie basiert auf SuSE-Linux 8.0 und enthält für den Schuleinsatz interessante Anwendungen wie die Geometrieprogramme Geonext und Zirkel und Lineal, den Simulator LightSpeed, das Periodensystem-Programm gperiodic oder diverse Astronomie-Programme vorinstalliert.

Das km im Namen steht dabei nicht etwa für eine Maßeinheit, sondern für Klaus-Dieter Möller vom Landesbildungsserver Schleswig-Holstein, der das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Verein Freie Software und Bildung e.V. auf die Beine stellt. Auf dessen Homepage http://fsub.schule.de/linux/suselinux.htm gibt es übrigens SuSE Linux 8.0 (solange der Vorrat reicht) für nicht-kommerzielle, allgemeinbildende und berufsbildende Schulen sowie Fortbildungsinstitutionen unter bestimmten Bedingungen gratis.

In der Vorkonfiguration bietet kmLinux ein Arbeitsplatz-Komplettsystem. Die Distribution ist nicht als Server-System angelegt; soll sie als solches genutzt werden, müssen verschiedene Netzwerkdienste nachkonfiguriert werden. Der Installer legt auf der Festplatte automatisch zwei Partitionen an, wobei ein vorhandenes Windows-System bei Bedarf Platz abgeben kann. Auf 386er-, 486er- und reinen SCSI-Systemen läuft kmLinux 3.0 nicht.

Die kmLinux-Homepage liefert ausführliche Dokumentation. Unter http://www.lernnetz-sh.de/kmLinux/bezug.html steht das 685 MB große ISO zum Download bereit; eine CD für 3,50 Euro plus 2,50 Euro Versand kann bei http://www.iso4linux.de/ bestellt werden.

Nicht mehr ganz "from scratch"

Wer damit liebäugelt, ein Linux-System von Null an aufzusetzen, sich aber noch nicht an Linux From Scratch (http://www.linuxfromscratch.org/, LFS) getraut hat, kann mit LRs-GNU/Linux (http://www.lrs-linux.org/index.de.htm) etwas mogeln. Die jetzt in Version 0.3.0 erschienene Distribution basiert auf LFS 4.0 und setzt Kernel 2.14.19 ein; die Installation gestaltet sich jedoch großteils automatisch. Dabei kompiliert sich das System sozusagen selbst aus dem Quellcode. Mit der sogenannten Hacker-Konsole lässt sich zuvor einstellen, auf welchen Prozessor-Typ optimiert werden soll.

Der Paketmanager LRs-IDUM kommt bereits bei der Installation zur Softwareauswahl zum Einsatz, hilft später beim Einspielen und Löschen von Paketen und kann Tarballs erstellen. An Paketen mit dabei sind unter anderem XFree 4.2.1, WindowMaker 0.80.1 und KDE 3.0.3. Vorbildliche Dokumentation und eine Installationsanleitung bietet die LRs-Web-Seite. Im Download-Bereich finden sich nicht nur die 377 MB großen ISO-Images, hier liegen auch die Tools zum Erstellen von Boot-Disketten bereit.

Die Distribution als Server

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Logo des "Easy Internet Server" eisfair

Bereits in Heft 03/2002 [1] klang es an: Seit immer mehr User den "On(e) Disk Router" fli4l (http://www.fli4l.de/) als Inter- oder Intranet-Server missbrauchen, war es an der Zeit, eine einfach zu installierende und über kompakte ASCII-Dateien zu konfigurierende Distribution für genau diesen Zweck zusammenzustellen. Das Ergebnis mit dem Namen eisfair (http://www.eisfair.org/german/eisfair.htm) liegt nunmehr in Version 1.0.1 vor. Ähnlich wie fli4l stellt es die Applikationen und Dienste in den Vordergrund, nicht das Betriebssystem selbst. Beide Projekte haben nur geringe Anforderungen an die Hardware, so dass auch ältere Rechner zum Einsatz kommen können.

Im Distributionsarchiv eisfair-1.0.1.tar.gz, erhältlich unter http://www.eisfair.org/german/download.htm, befindet sich eine deutschsprachige Installationsbeschreibung namens readme.txt, die nicht nur wegen des Satzes: "ACHTUNG: eisfair benutzt die komplette Festplatte, Datenverluste sind daher beabsichtigt!" lesenswert ist. Sie erklärt auch, wie die Boot-Disketten unter Windows erstellt werden können.

Nach dem Booten des darauf befindlichen Systems werden die gewünschten Server-Dienste über das Internet oder von einem lokalen Fileserver eingespielt. Die Installation von CD-ROM ist geplant, und auch eine grafische Benutzeroberfläche befindet sich in Entwicklung.

Infos

[1] Frank Meyer: "Routing für alle", LinuxUser 03/2002, S. 35 ff.

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