Neben dem Duft von selbst gebackenen Keksen und Stollen, der ab Anfang Dezember die Wohnung durchzieht, gehört ein Adventskalender unbedingt zur Ausstattung der Vorweihnachtszeit. Der mittlerweile traditionelle digitale Kalender aus dem LinuxUser hat mehrere Vorteile: Er nimmt keinen Platz in der Wohnung weg und kann nach Ende der Nutzung rückstandslos und umweltgerecht entsorgt werden.
In diesem Jahr verwenden wir zu seiner Herstellung wxBasic [1], einen Dialekt der immer noch sehr beliebten Programmiersprache Basic. Dabei handelt es sich um eine interpretierte Sprache; ein mitgelieferter Interpreter führt die darin geschriebenen Skripte direkt aus. Man braucht also nichts kompilieren und erstellt keine unmittelbar für das Betriebssystem ausführbaren Programme. Grafische Benutzerschnittstellen realisiert wxBasic mit Hilfe der wxWindows-Bibliothek [2]. Die in dieser Sprache geschriebenen Programme sind unter Linux wie unter Windows nutzbar, ohne dass am Quelltext etwas geändert werden muss.
Wer beim Wort "Basic" mit Grausen an Zeilennummern, haufenweise undeklarierte Variablen und schrecklichen Spaghetti-Code voller GOTO-Anweisungen denkt, wird von wxBasic angenehm überrascht. Der Interpreter unterstützt strukturiertes Programmieren durch benutzerdefinierte Prozeduren, verlangt das Deklarieren von Variablen und bietet durch die Verwendung von wxWindows sogar einige objektorientierte Ansätze. Wer also Basic unter DOS gelernt hat, wird sich ein bisschen umstellen müssen.
Handwerkszeug
wxBasic ist ein sehr junges Projekt und bringt derzeit noch keine IDE mit. Sie müssen den Quelltext für das Programm und die Benutzerschnittstelle also in einem Texteditor eingeben. Für den in Java geschriebenen Editor jEdit [3,4] haben wir unter [5] eine Sprachdefinitionsdatei bereit gelegt, die Syntax-Highlighting für wxBasic ermöglicht (Abbildung 1). Sehr praktisch ist zudem das Console-Plugin von jEdit; so müssen Sie zum Starten des Programms nicht erst zu einer Terminalemulation wechseln. Andere Editoren wie zum Beispiel kate [6] oder emacs [7] eignen sich natürlich auch zum Programmieren, nur müssen Sie hier auf eine Färbung der Programmsyntax verzichten oder sich die dazu nötige Anpassung selbst basteln.
Basic ins Haus
Die Installation von wxBasic ist schnell erledigt. Sie laden von der Programm-Homepage [1] oder unserer Heft-CD die Datei wxbleed.tar.gz herunter und entpacken sie in ein beliebiges Verzeichnis. Das Archiv enthält neben dem Interpreter wxbasic noch eine Reihe von Beispielprogrammen, die die Benutzung der Programmiersprache veranschaulichen. Als root kopieren Sie die ausführbare Datei wxbasic in ein Verzeichnis, das im Suchpfad steht.
Zusätzlich benötigen Sie GTK [8] in einer Version > 1.2.0 (nicht aber GTK 2.0.x) für die Umsetzung der grafischen Oberflächen. Zudem muss OpenGL vorhanden sein, was allerdings bei den meisten Distributionen bereits installiert sein dürfte.
Das Kommando wxbasic, eingegeben in einer Konsole, startet den Interpreter, der sich daraufhin beschwert, dass er kein Programm zum Ausführen findet. In die Röhre schauen allerdings Benutzerinnen älterer Distributionen, denn das wxbasic-Binary verlangt mindestens glibc 2.2.3.
Als große Hilfe beim Programmieren erweist sich die wxBasic-Dokumentation, die wir in Form der Datei wxbasic.pdf ebenfalls auf die Heft-CD gepresst haben. Sie betrachten sie zum Beispiel mit kghostview oder xpdf.
Da die Beschreibung der wxWindows-Klassen in der wxBasic-Dokumentation doch ein wenig kurz kommt, lohnt es sich, die wxWindows-Hilfe bereit zu legen, die alle Elemente dieses Toolkits ausführlich und mit Beispielen beschreibt. Sie finden die pdf-Variante dieses Textes unter [9] oder auf unserer Heft-CD. Entpacken Sie die Datei mit dem Befehl unzip wxWindows-2.2.9-PDF.zip am besten in das gleiche Verzeichnis wie die wxBasic-Hilfe.



