Untermieter

VMware Workstation 3.2

01.11.2002
Windows auf einem Linux-Host – da steckt meist VMware dahinter. Wo und wie dieses Gespann zusammengeht, wo Probleme mit der neuen Version 3.2 auftreten können und wie Sie diese umgehen, erfahren Sie im folgenden.

Sie möchten Ihr liebgewonnenes Linux-System benutzen und dennoch nicht auf Anwendungen wie Microsoft Office oder Adobe Photoshop verzichten? In diesem Fall bietet sich VMware in seiner Eigenschaft als Emulator eines kompletten PCs als – meist gute – Lösung mit genügend Performance-Reserven an: Die Leistung der virtuellen Maschinen skaliert in der Regel gut mit der Hardware des Host-Rechners. Das einzige Manko einer Hardware-Emulation besteht in der fehlenden Unterstützung für direkte Hardware-Zugriffe aller Art – das Gastbetriebssystem sieht ja immer nur eine PC-Emulation. Grafikfetischisten müssen so auf optimale Performance ihrer Anwendungen verzichten; zu nennen sind hier vor allem die Bereiche CAD, Rendering und natürlich Spiele. Auch VMwares bekannte Probleme mit dem Sound und CD-Brennern bestehen in der neuen Version 3.2 weiterhin und haben zur Folge, dass sich beide Gerätetypen vom Gastsystem nur sehr eingeschränkt ansprechen lassen: Mikrofonaufnahmen oder CD-Recording funktionieren beispielsweise nicht.

Abbildung 1: vmware-config.pl baut Kernel-Module

Installation in mehreren Schritten

VMware kann als tar- oder rpm-Archiv zwar kostenlos aus dem Internet [2] heruntergeladen und 30 Tage evaluiert werden (es liegt auch auf unserer Heft-CD bei), doch wer die Software weiter benutzen möchte, muss anschließend kostenpflichtig einen Registrierschlüssel erwerben (vgl. Kasten 1).

Bei RPM-basierten Distributionen reicht der Kommandozeilenbefehl

rpm -ivh VMware-workstation-3.2.0-2230.i386.rpm

zur Installation der Software aus. Der Aufruf des Skriptes vmware-config.pl übernimmt anschließend die Basiskonfiguration. Passen die mitgelieferten VMware-Kernel-Module nicht zum installierten Linux-Kernel, ist es darauf angewiesen, den GCC-Compiler und die zum verwendeten Kernel passenden Header-Dateien auf dem Rechner vorzufinden. Dann kann es passende Module bauen (Abbildung 1); sie sorgen beispielsweise dafür, dass VMware Netzwerkfunktionalität bereitstellt, und werden bei jedem Systemstart von einem eigenen Startskript geladen. Allerdings lässt die Qualität des Codes der neuen Kernel-Module deutlich zu wünschen übrig – sie kompilieren nur unter Ausgabe jeder Menge Warnungen. Auf die Funktionsweise unter eingeführten Distributionen hatte das im Test zum Glück keine spürbaren Auswirkungen, aber auf einer Vorabversion von Red Hat Linux 8.0 stürzte VMware 3.2 bei "Power Off" und "Suspend" grundsätzlich ab.

vmware-config.pl fragt dann ab, ob die virtuellen Maschinen "wie richtige PCs" ans Netz dürfen. Bei den entsprechenden Abfragen wie auch bei denen, die sich erkundigen, ob und wie die virtuellen Maschinen auf das Dateisystem des Wirts zugreifen dürfen, kann man grundsätzlich die Default-Einstellung verwenden.

Jetzt lässt sich die Software endlich mit dem Befehl vmware & aufrufen. Doch dies lohnt sich eigentlich erst, wenn man sich bereits einen Registrierungs- bzw. Evaluierungsschlüssel besorgt hat (siehe dazu Kasten 1).

Kasten 1: Schlüssel und Lizenzen

VMware ist nicht im Quellcode und nur unter einer kommerziellen Lizenz erhältlich. Während ein 30 Tage gültiger Evaluationsschlüssel kostenlos (aber unter Angabe einer Menge persönlicher Daten) unter http://www.vmware.com/vmwarestore/newstore/wkst_eval_login.jsp bezogen werden kann (er wird per E-Mail zugesandt), kostet ein unbegrenzter Schlüssel 299 US-Dollar. Besitzer einer VMware 2.x kommen für 149 US-Dollar in den Genuss eines Upgrades auf die aktuelle Version. Das Box-Produkt kostet in beiden Fällen 30 Dollar Aufpreis. Kurz nach Markteinführung einer neuen Version sind Updates oft aber billiger zu haben. Ein Blick auf die Web-Seiten lohnt in diesem Fall.

Der Lizenzschlüssel wird nach dem Start von VMware abgefragt und im Home-Verzeichnis des aufrufenden Benutzers unterhalb des versteckten Verzeichnisses .vmware abgespeichert. Andere User benötigen damit selbst einen Schlüssel, um auf das installierte VMware zuzugreifen.

Abbildung 2: Starten des Configuration Wizard

Willkommen, Gäste!

Mit einem Configuration Wizard (Abbildung 2 und 3) lässt sich nun die Umgebung des Gastbetriebssystems einrichten. Diesen praktischen Helfer ruft der Nutzer für jeden neuen virtuellen PC auf, den er installieren möchte, und legt damit einige grundlegende Eigenschaften wie

  • die Art des Gastbetriebssystems,
  • die Größe der virtuellen Festplatte(n),
  • die Zugriffsmöglichkeiten auf CD-ROM und Floppy oder
  • die Art des Netzwerkanschlusses fest. Bei älteren Versionen erlaubte es der Wizard zudem, die Größe des Arbeitsspeichers, die dem Gast zur Verfügung steht (und die die Größe des physikalisch vorhandenen RAMs natürlich nicht übersteigen kann), einzustellen. In Version 3.2 gibt VMware diesen Wert automatisch vor. Ändern lässt er sich jedoch auch jetzt noch, und zwar unter Settings / Configuration Editor... / Memory.

Hat der Wizard sein Werk getan, kann das Gastbetriebssystem durch Einlegen einer bootbaren CD-ROM ins erste CD-Laufwerk und durch Klicken des "Power On"-Buttons gestartet werden. Windows (aber beispielsweise auch ein zweites Linux) findet hier nun eine Umgebung vor, die ihm einen eigenständigen PC vorspiegelt. Das Gastsystem sieht also (außer über das Netzwerk, wenn gewünscht) nichts von der installierten Linux-Version.

Auch nachträglich lässt sich der Wizard über File / Wizard... aufrufen, um eine neue virtuelle Maschine einzurichten oder eine alte mit einer komplett neu erstellten Konfiguration zu überschreiben. Startet man VMware neu, fragt der Emulator nach, welche Konfiguration er laden soll (Abbildung 2). Da diese Auswahl auf der Basis der Dateinamen erfolgt, sollte man ihnen aussagekräftige Namen geben – VMware schlägt sinnvollerweise den Namen des Gastsystems vor.

Abbildung 3: Festlegen des Gastbetriebssystems
Abbildung 4: Drag&Drop zwischen zwei Plattformen

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