Mozilla & Co., neues aus dem Land der Browser

Nachdem es in den letzten Monaten nicht viel Neues von der Browser-Front zu berichten gab, scheinen mittlerweile alle Entwickler aus den Sommerferien zurück zu sein, und das Versionskarussell dreht sich wieder fleißig. Dabei tritt sowohl das Mozilla-Projekt (http://www.mozilla.org) als auch Netscape mit je zwei neuen Produkten an.

So erscheint mit Mozilla 1.0.1 eine aktuelle Version der 1.0.x-Linie, die jedoch keine neuen Funktionen, sondern nur Fehlerkorrekturen enthält. Insgesamt räumten die Entwickler 650 Fehler aus, darunter gut zwei Dutzend sicherheitsrelevante Lücken. Ziel ist es, mit der 1.0.x-Serie eine solide Basis für Entwickler von Drittprodukten zu schaffen, die auf dem Mozilla-Kern aufsetzen. Aus diesem Grund werden diese Versionen auch weiterhin gepflegt, obwohl bereits Mozilla 1.1 und sogar schon eine Alpha-Release von Version 1.2 verfügbar sind.

Mozilla 1.1 enthält neben den bereits genannten Fehlerkorrekturen dann auch eine ganze Reihe neuer Funktionen, von denen einige im ersten Augenblick sicher nicht auffallen. Zum Beispiel schließen sich die Tabulatoren jetzt von links nach rechts, statt von rechts nach links, und auch die verbesserte URL-Vervollständigung im Adressfeld springt sicher nicht jedem direkt ins Auge. Doch gerade Kleinigkeiten wie eine stark verbesserte Unterstützung für Drag & Drop oder ein genaueres Handling der Dateierweiterungen steigern die Funktionalität erheblich. Außerdem sorgen Verbesserungen bei der Anzeige von Web-Seiten sowie in der HTML- und CSS-Unterstützung für ein problemloses Surfen im Netz. Nicht zu Unrecht zeigt der letzte Browser-Test unserer Schwesterzeitschrift Linux-Magazin, dass Mozilla gegenüber dem Internet Explorer sehr viel Boden gut machen konnte.

Wie bereits erwähnt, schickt auch Netscape (http://www.netscape.com) diesen Herbst zwei neue Versionen ins Rennen: Mit der Version 4.8 des Netscape Communicators betreibt man lediglich notwendige Produktpflege. Die Release enthält nur Sicherheitskorrekturen und ist ansonsten nicht mehr zeitgemäß. Der neue Communicator 7.0 hat da schon mehr zu bieten: Im Gegensatz zu den alten Netscape-6.x-Versionen basiert er auf dem aktuellen Mozilla 1.0.1. Mehr noch, die Browser wirken wie eineiige Zwillinge. Mit Ausnahme des Logos und einiger Dienste in der Sidebar sind Mozilla 1.0.1 und Communicator 7.0 bis in die Einstellungen identisch. Nach der Installation nutzt der Communicator auch direkt die vorhandene Mozilla-Konfiguration. Eine Beschreibung des Funktionsumfangs erübrigt sich somit. Im Gegensatz zu Netscape 6.2x legt der Neue an Arbeitsgeschwindigkeit deutlich zu, so dass wir eine Aktualisierung nur empfehlen können.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass auch Opera (http://www.opera.com) eine neue Version seines Browsers herausgegeben hat. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um eine von einem SSL-Fehler befreite Version. Neue Funktionen fanden auch bei Opera nicht den Weg in die aktuelle Version 6.03. Dies spart man sich für die kommende Version 7.0 des Browsers, die demnächst in die Beta-Phase gehen soll. Wenn man gut unterrichteten Quellen glauben darf, wurde der Kern des Browsers komplett überarbeitet, was einen deutlichen Geschwindigkeitsgewinn zur Folge haben soll. Die Vorfreude auf die nächsten Generation von Browser ist somit gerechtfertigt.

Abbildung 1: Netscape 7 basiert auf Mozilla 1.0.1

Polarbar, ein Mail-Programm für alle Plattformen

Neben nativen Linux-Programmen stellen wir immer wieder Perlen aus der Java-Welt vor. Polarbar (http://www.polarbar.org/) ist eine solche Perle. Ursprünglich Ende der 90er Jahre von der Firma Innoval unter dem Namen "JStreet Mailer" für das Betriebssystem OS/2 entwickelt, musste Innoval Anfang 2000 feststellen, dass mit einem leistungsfähigen Java-Mailer kein Geld zu verdienen ist, und gab den Source Code an freie Entwickler. Damit war Polarbar geboren, und das Projekt wird seither fleißig vorangetrieben.

Einer der größten Vorteile von Polarbar ist, dass es auf jedem Betriebssystem mit einer halbwegs aktuellen Java-Umgebung läuft. Doch dies ist natürlich nicht seine einzige Stärke. Auch die Mächtigkeit der Filter- und Suchfunktionen macht deutlich, dass dieses Mail-Programm für Personen mit einem sehr hohen Mail-Aufkommen entwickelt wurde. Praktisch ist die Möglichkeit, zu jeder Mail eine Notiz anzulegen. Ein auf der Mail basierendes Telefonat lässt sich so bequem protokollieren. Gerade im professionellen Umfeld sind solche Funktionen sehr nützlich. Besonders ausgereift ist auch Polarbarss Art, den Zugriff auf mehrere Mail-Server zu verwalten. Für jeden wird ein Account definiert, in dem ein- und ausgehende Mail-Server festgelegt werden. Polarbar unterstützt dazu die Protokolle POP3, IMAP, SMTP und SMTP AUTH. Der Benutzer kann dann in jedem Account verschiedene "Personas" anlegen. Eine Persona besteht aus Name, E-Mail-Adresse, Signatur und diversen Einstellungen für den Versand. Mit diesen Personas können Sie über einen Account verschiedene Signaturen oder unterschiedliche Mail-Adressen nutzen.

Ein besonderes Goodie von Polarbar ist seine Mail-Vorschau, die auch mit POP3-Servern funktioniert: In einem separaten Fenster werden die Kopfzeilen aller Mails auf dem Server angezeigt. Sie können noch vor dem Herunterladen der Mail entscheiden, ob es sich um Werbung oder sonstigen Spam handelt, und diesen direkt auf dem Server löschen. Wer sich nicht sicher ist, kann durch Anklicken der Mail einen Blick in den Text werfen. Die wichtigen Nachrichten können Sie anschließend auswählen und herunterladen - alle anderen bleiben auf dem Server. Dies ist besonders praktisch, wenn Sie nur über geringe Bandbreite verfügen.

Bei Anhängen zeigt sich aber auch ein Schwachpunkt von Polarbar: Da es komplett in Java geschrieben wurde, machen Anhänge ab einer Größe von 10 MB Probleme. Im günstigsten Fall braucht Polarbar einige Minuten, um die Mail zu öffnen und das Attachment zu extrahieren. Zuweilen kommt es aber auch vor, dass das Programm ganz abstürzt. Mit Anhängen normaler Größenordnung wird Polarbar hingegen spielend fertig.

Ein weiteres Manko ist die fehlende GPG-Unterstützung, da Verschlüsselung von Mails immer mehr an Bedeutung gewinnt. Zwar ist die aktuelle Version endlich in der Lage, Mails mit PGP zu verschlüsseln (vorher war nur das Signieren von Mails möglich), das gerade unter Linux verbreitete GPG wird aber noch nicht unterstützt. Leider lässt sich dies auch mit einem "pgpgpg-Wrapper" nicht umgehen: Erste Versuche brachten lediglich Fehlermeldungen zutage. Allerdings reagieren die Entwickler sehr positiv auf die Wünsche der Nutzer. Wenn also genügend Nachfragen beim Polarbar-Projekt eingehen, ist die Implementierung in einer späteren Version sehr wahrscheinlich - schließlich kam auf diese Weise auch die PGP Unterstützung zustande.

Abgesehen von diesen leichten Defiziten ist Polarbar ein sehr leistungsfähiger Mailer, der besonders im professionellen Einsatz mit regem Mail-Verkehr dem Anwender die Arbeit erheblich erleichtert.

Abbildung 2: Polarbar ist als Java-Anwendung auf vielen Betriebssystemen lauffähig

Downloader for X: komfortabel Dateien saugen

Zum Herunterladen von Dateien verwenden die meisten Benutzer in der Regel den Web Browser ihrer Wahl. Der Download mehrerer Dateien oder ganzer Verzeichnisstrukturen ist mit einem Browser aber viel zu umständlich. Hier beginnt das Einsatzspektrum von Download-Managern. Einer der bekanntesten, aber auch spartanischsten ist wget. Wer nicht auf Komfort und eine grafische Oberfläche verzichten will, für den ist Downloader for X (kurz: D4X, http://www.krasu.ru/soft/chuchelo/) eine mögliche Alternative.

D4X unterstützt rekursive Downloads von Dateien über die Protokolle HTTP und FTP. Mit Filterregeln kann der Benutzer außerdem für jedes Protokoll und jede Internet-Adresse festlegen, welche Dateien oder Dateitypen übertragen werden sollen - das reduziert das Transfervolumen. Zur besseren Stukturierung lassen sich die Übertragungen in Warteschlangen gruppieren, die auch nach einem Programmabbruch den Transfer wieder aufnehmen. Für jede Warteschlange können die Anzahl der gleichzeitigen Übertragungen, das Zielverzeichnis und verschiedene Anzeige Parameter getrennt festlegen werden. Was im ersten Moment sehr komplex wirkt, ist in der Praxis ganz einfach. D4X überprüft den Inhalt der Zwischenablage auf Endungen von Archivdateien. Sobald es eine solche findet, öffnet sich automatisch ein Dialogfenster, in dem sich noch Änderungen vornehmen lassen. Nach Drücken der [Return]-Taste beginnt die Übertragung. Selbstverständlich sind die vorgegebenen Archiv-Endungen um eigene erweiterbar.

Als besonders praktisch erweist sich immer wieder, dass D4X die Bandbreite für die Übertragungen in drei frei definierbaren Stufen festlegt. So bleibt neben der Übertragung noch Bandbreite für andere Internet-Aktivitäten. Bei einer laufenden Übertragung lässt sich die Bandbreite aber nur ändern, wenn der Transfer unterbrochen wird. Dies ist in Regel kein Problem, da D4X danach genau an der Bruchstelle mit neuer Bandbreite fortfährt. Alternativ kann die Übertragung mit dem integrierten Scheduler auch später fortgesetzt werden.

Interessierte finden auf unserer Heft-CD die aktuelle D4X-Version. Übrigens ist dies die letzte Release für GTK 1.x: Damit schwenkt auch dieses Projekt auf die neue GTK-Version 2.x um.

Abbildung 3: Komfortablere Downloads erlaubt der Downloader for X

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