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Vierter Anlauf der VMware-Alternative

Es muss nicht immer VMware sein

01.11.2002 Win4Lin ist ein weiteres Produkt, das Windows-Emulation unter Linux bietet. Die neue Version 4.0 verspricht die Beseitigung bekannter Macken der 3.0 sowie eine verbesserte Hardware-Unterstützung. Wir haben uns Netraverses neuesten Coup angesehen.

Windows-Emulatoren unter Linux finden regen Zuspruch, seien es Hardware-Emulatoren wie VMware, die einen virtuellen PC erschaffen, oder das WINE-Projekt. WINE emuliert wichtige Windows-Bibliotheken, die die Ausführung von Windows-Programmen direkt unter Linux ermöglichen. Emulatoren wie VMware stellen einen kompletten PC inklusive BIOS und Windows-Oberfläche oder fast beliebigem anderen Gastbetriebssystem unter Linux zur Verfügung. Win4Lin ist eine Art Symbiose und verwendet einen speziell angepassten Kernel, um den Bedürfnissen eines Gast-Windows-Systems besser gerecht zu werden. Dafür laufen bei Win4Lin Windows-Anwendungen gegebenenfalls auch direkt in einem KDE-Fenster ohne die virtuelle Umgebung eines Gast-PCs. Der praktikable Einsatz älterer Versionen von Win4Lin scheiterte in der Praxis leider oft an der etwas aufwendigen Installation und Konfiguration. Letzteres ist nun nicht mehr der Fall, was den Anwenderkreis der neuen Version deutlich erweitert. Da Netraverse recht viel Geld für sein Produkt verlangt, sollte der Anwender ein rundum funktionierendes Paket erwarten können.

Installations-Chaos?

Bereits beim Test der Version 3 von Win4Lin konnten wir feststellen, dass sich die Entwickler Mühe gegeben hatten, die Installationsroutine zu verbessern und auch für Linux-Umsteiger handhabbar zu machen. Dies ist wichtig, weil ja die Umsteiger eine der wichtigen Zielgruppen für Win4Lin sind. Soviel vorweg: Netraverse hat den Installationsvorgang noch einmal deutlich vereinfacht und optimiert. Die Installation findet zwar nach wie vor in drei Schritten statt, der Anwender muss sich aber jetzt weniger Gedanken machen, welche Schritte dazu durchzuführen sind. Hier ein kurzer Blick auf den Installationsvorgang:

Abbildung 1: Für die meisten aktuellen Distributionen stehen Komplett-Pakete zur Verfügung. Der Installer überprüft dabei selbsttätig die Systemumgebung

  • Zuerst werden die benötigten Pakete installiert: der spezielle Kernel und die eigentliche Applikation Win4Lin. Anschließend wird der Boot-Loader für die Nutzung von Win4Lin konfiguriert; danach werden Sie zum Neustart des Systems aufgefordert.
  • In einem zweiten Schritt ist die systemweite Konfiguration vorzunehmen, wobei auch die benötigten Windows-Quellen (CAB-Dateien) von einer original Windows-CD überspielt werden.
  • In einem dritten Schritt erfolgt dann die eigentliche Windows-Installation und -Konfiguration im jeweiligen User-Space.

Während die ersten beiden Installationsschritte stets mit root-Rechten auszuführen sind, findet der letzte Schritt im normalen Anwendermodus statt. Somit kann sich jeder Anwender eine eigene Windows-Umgebung erstellen und ist damit zum Teil der offiziellen Windows-Version einen Schritt voraus. Nach Eingabe der Seriennummer werden zunächst alle notwendigen Dateien auf die Festplatte kopiert. Die folgenden Schritte der Kernel-Installation und Boot-Loader-Konfiguration laufen leider nicht automatisch ab, sondern müssen einzeln bestätigt werden. Dss Ganze dauert aber nicht sehr lang.

Nach einem Neustart muss das Installationsprogramm erneut gestartet werden. Es ist empfehlenswert, vorher die Windows-CD einzulegen. Auch nach dieser Prozedur ist ein Neustart notwendig. Die weitere Installation und Konfiguration erfolgt nun als normaler Anwender, wobei wieder das gleiche Installations-Skript von der Befehlszeile aufzurufen ist. Zu Beginn überprüft der Installer die System-Umgebung, um weitere manuelle Eingriffe überflüssig zu machen. Insgesamt ist die Installation, auch wenn sie nach wie vor zahlreiche Schritte verlangt, doch sehr anwenderfreundlich geworden. Immerhin handelt es sich um ein komplexes Konzept. Dem Anwender wird dabei sehr viel Denk- und Handarbeit abgenommen.

Alles neu in Version 4?

Neben den Erleichterungen, die die neue Installationsroutine mit sich bringt, hat Netraverse auch einige Verbesserungen hinsichtlich Kompatibilität und Bedienung in die neue Version gepackt. Insbesondere lässt sich eine erweiterte Palette an Windows-Versionen mit der neuen Software nutzen, so zum Beispiel auch Windows ME. Zu beachten ist, dass Win4Lin ohne Windows-Lizenzen ausgeliefert wird. Eine originale Windows-Boot-CD ist daher zusätzlich notwendig. Recovery-CDs ohne eigene Lizenz sind dazu übrigens nicht geeignet. Allerdings gibt es auch Netzwerk-Lizenzen von Win4Lin, bei denen es im lokalen Netz ausreicht, die CAB-Datei der Windows-CD einmalig auf ein Netzwerklaufwerk zu kopieren. Jeder Anwender kann sich dann eine lokale Windows-Installation vom Server ziehen. Weitere Verbesserungen hat auch die Hardware-Unterstützung erfahren, so bereiten die meisten Wheel-Mäuse keine Probleme mehr, außerdem lässt sich der Windows-Speicher (von 16 bis 128 MB) besser einstellen, das Gleiche gilt für den virtuellen Speicher (von 80 MB bis zum maximalen freien Festplatten-Platz). Durch korrektere CPU-Identifikation lassen sich nun auch Programme sicherer betreiben, die darauf angewiesen sind. So kann man zahlreiche Standard-Anwendungen stressfreier nutzen.

Abbildung 2: Ohne Konfigurationsaufwand steht die Verbindung ins Netz

Besonders angenehm im täglichen Umgang fällt die deutlich verbesserte Integration in das Linux-Umfeld auf. So lässt sich jetzt z. B. die Drag & Drop-Funktionalität zwischen den meisten Linux- und Windows-Applikationen problemlos nutzen. Ebenfalls angenehm macht sich die Tatsache bemerkbar, dass sich das Emulationsfenster nunmehr ohne Darstellungsfehler mit der Maus in der Größe verändern lässt, wobei sich der Windows-Desktop stets automatisch anpasst.

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LinuxUser 03/2012

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