"Im traurigen Monat war's, die Tage wurden trüber, der Wind riss von den Bäumen das Laub, da reist' ich nach Deutschland hinüber." Im Jahre 1844 war es Heinrich Heine, der von Frankreich nach Deutschland reiste. Reichlich anderthalb Jahrhunderte später findet der Berliner Ästhetik-Professor Friedrich Kittler, "…, dass ich diese Form von Literatur, die da Quellcode heißt, ein bisschen spannender finde als jene andere Form von Literatur, die Literatur heißt" [1] und erlaubt so den Brückenschlag zu den Distri-Bits: Die Literatur, die Deutschland aus Frankreich im November 2002 erreicht, trägt den Titel "Linux Mandrake 9.0".

Vive le dauphin!

Kurz vor Druckunterlagenschluss war es soweit: LSB-1.2-zertifiziert präsentierte MandrakeSoft "Dolphin", die neue Ausgabe von Linux Mandrake. Neben dem überarbeiteten Installationsprogramm DrakConf und dem Versprechen, NTFS-Partitionen zu unterstützen, fallen vor allem die zahlreichen Updates ins Auge: XFree 4.2.1, KDE 3.0.3 mit KOffice 1.2, GNOME 2.0.1 und Mozilla 1.1 sind ebenso wie OpenOffice 1.0.1 mit von der Partie.

Ungeduldige Zeitgenossinnen laden sich die CD-Images von einem der unter http://www.mandrakelinux.com/ aufgeführten FTP-Mirrors herunter. Die Box-Produkte (Standard Edition zu 35 Euro, PowerPack Edition zu 79 Euro und ProSuite zu 199 Euro) sollen ab Ende Oktober lieferbar sein.

Neues aus Nürnberg

Seit dem 30. September gibt es SuSE Linux zumindest für PCs in der Version 8.1. Zu den Highlights zählen KDE 3.0.3, GNOME 2.0, GCC 3.2, der flexiblere Boot-Manager GRUB, der LILO ersetzt, und OpenOffice 1.0.1. Bessere Unterstützung finden USB- und FireWire-Geräte sowie Wireless LAN. Die Personal Version kostet 49,90 Euro, die Professional-Version schlägt mit 79,90 Euro zu Buche.

Mein kleines Büro

Neues lässt sich auch von Vector Linux vermelden: Speziell für den "Small Office/Home Office"-(SOHO-)Bereich empfiehlt sich eine neue Version, die neben den aktuellen Browsern Mozilla 1.0 und Opera 6 auch das komplette KOffice 1.2, Abiword 1.0.2 und OpenOffice 1.0.1 enthält. Die Unterstützung von USB-Hardware wurde verbessert, so dass sich Scanner und Digitalkameras jetzt leicht integrieren lassen. Sie finden das ISO-Image unter ftp://ftp.ibiblio.org/pub/Linux/distributions/vectorlinux/test/veclinux-soho/iso/.

Wie schon in [2] beschrieben, installiert Vector Linux das vollständige System ohne große Nachfrage auf die gewünschte Partition, Eingriffe seitens der Anwenderin sind nicht erforderlich. Anschließend ist das System sofort nutzbar und bietet großen Bedienungskomfort bei geringem Plattenplatzverbrauch.

Peanuts

Peanut Linux 9.3 (http://www.ibiblio.org/peanut/) hingegen wendet sich an Linuxerinnen, die ein System "out of the box" benutzen und nicht erst stundenlang konfigurieren möchten.

Das Erdnuss-Linux setzt als Desktop voll auf KDE, das in Version 3.0.2 mitgeliefert wird. Ebenso dabei ist KOffice 1.2. Zum Browsen im Netz findet Netscape 4.79 Verwendung. Hinzu kommen Programme zur Bildbearbeitung, zum CD-Brennen und zum Abspielen von Musik und Filmen. Der Download der 220 MByte sollte zumindest für Flatrate-Benutzer kein Problem darstellen.

Leider enthält die Standarddistribution keinerlei Entwicklerpakete. Wer selbst Software übersetzen will, muss diese und den Compiler von der Peanut-Linux-Homepage separat nachladen.

Keine Crux

Die schwedische Distribution Crux, die wir letzten Monat vorstellten, stand bei der Entwicklung von Arch Linux (http://archlinux.org/) Pate. Schlank und schnell wie jene, aber weniger aufwändig einzurichten und zu warten, dieses Versprechen gibt Arch-Linux-Entwickler Judd Vinet seinen Usern und bietet als Beweis den Paketmanager Pacman, der das Einspielen und Updaten von Programmen aus .tar.gz-Archiven erleichtert.

Jetzt auch öffentlich

Wer an der öffentlichen Betatestphase von United Linux teilnehmen möchte, kann sich inzwischen unter http://download.unitedlinux.com/ mit einer gültigen E-Mail-Adresse registrieren und anschließend drei ISO-Images von insgesamt 1,6 GByte Umfang herunter laden. Die Distribution, die als Gemeinschaftsprojekt der Firmen Conectiva, SCO und Turbolinux unter der Führung von SuSE entsteht, soll ein einheitliches Linux für Unternehmen und Geschäftskunden schaffen, das sich strikt an die Linux Standard Base 1.1 hält.

Infos

[1] http://www.radiobremen.de/online/poesie/cyberspace.pdf

[2] Frank Wieduwilt: "Kraftvolle Minis", LinuxUser 08/2002, S. 34 ff.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare