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Keine Angst vorm Monster

Erste Schritte mit (X)Emacs

01.10.2002 Wenn von Editoren unter Linux die Rede ist, darf einer nicht fehlen: der (X)Emacs. Leider kann er nicht nur sehr viel, sondern setzt auch die Einstiegshürde nicht gerade niedrig. Wir helfen bei der Einarbeitung.

Böse Zungen behaupten, der XEmacs sei kein Texteditor, sondern ein Betriebssystem. Ganz abwegig ist dies nicht, denn seinen Funktionsumfang beschreiben selbst dicke Bücher oft nur annähernd. So macht dieser Artikel gar nicht erst den Versuch, Rom an einem Tag zu erbauen, und nimmt Sie stattdessen an der Hand bei den ersten Schritten mit (X)Emacs als Werkzeug im Linux-Alltag.

Die Schreibweise "(X)Emacs" lässt es schon vermuten: Es gibt – historisch gewachsen, wie so vieles in der Unix-Welt – mehr als eine Emacs-Implementation. Wer sich für die Entwicklungsgeschichte und die Unterschiede der verschiedenen Varianten interessiert, sei auf [1] und [2] verwiesen.

Doch keine Angst: Am Anfang spielt es (außer bei der Installation) keine Rolle, ob Sie zur Übung XEmacs (meist auf der grafischen Oberfläche) oder den Emacs in einer Shell benutzen.

Kasten 1: Die Installation

Verwenden Sie eine der gängigen Distributionen (z. B. SuSE, Red Hat oder Debian), so sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit im Besitz einer XEmacs-Version, die auf die Eigenheiten (Pfade, Systemvariablen etc.) dieser Distribution eingerichtet ist. Gehören Sie zu den Unglücklichen, deren Distribution XEmacs nicht mitliefert, müssen Sie ihn per Hand installieren. Dazu brauchen Sie

  • den Source-Tarball, aktuell xemacs-21.1.14.tar.gz [3],
  • das Lisp-Archiv xemacs-21.1.14-elc.tar.gz [4] und
  • den Info-Tarball xemacs-21.1.14-info.tar.gz [5].

Als User root legen Sie das Verzeichnis /usr/src/xemacs an, kopieren die drei Dateien dorthin und entpacken sie mit

tar -xzf xemacs-21.1.14.tar.gz
tar -xzf xemacs-21.1.14-elc.tar.gz
tar -xzf xemacs-21.1.14-info.tar.gz

Sodann muss das Ganze noch konfiguriert, kompiliert und installiert werden:

./configure; make; make install

Schließlich benötigen Sie noch einige Zusatzpakete. Der Einfachheit halber installieren wir ein Paket, das alle Zusatzpakete enthält und auf Grund seiner Größe "Sumo"-Tarball genannt wird [6]. Legen Sie zu diesem Zweck als User root das Verzeichnis /usr/local/lib/xemacs mittels

mkdir /usr/local/lib/xemacs

an, und kopieren Sie den Sumo-Tarball dort hin. Sodann wechseln Sie in dieses Verzeichnis und entpacken ihn:

tar -xzf xemacs-sumo.tar.gz

Das reicht aus, um die Erweiterungen am richtigen Platz zu verstauen.

Der erste Kontakt

Zum Starten des XEmacs geben Sie als normaler User das Kommando xemacs & ein. Daraufhin begrüßt Sie der Editor mit einem Startbildschirm (Abbildung 1 zeigt ihn unter X), der erkennen lässt, warum manche Leute das Programm als "selbstdokumentierend" bezeichnen: Er gibt Ihnen neben Informationen zum Copyright auch Hinweise auf die Hilfe und das interaktive Tutorial, das Sie (am besten nach dem Lesen dieses Artikels) durcharbeiten sollten.

Abbildung 1: Startbildschirm

Dem Startbildschirm entnehmen Sie, dass Sie dazu die Tastenkombination C-h t drücken müssen. An diese, anfangs merkwürdig anmutende Schreibweise sollten Sie gewöhnen, sie wird Ihnen im Zusammenhang mit (X)Emacs immer wieder unterkommen. C-h t bedeutet, dass Sie die [Ctrl]-, auf einer deutschen Tastatur also die [Strg]-Taste, gedrückt halten, dann [h] antippen, beide loslassen und dann [t] betätigen. Was Sie eingeben, zeigt Ihnen XEmacs übrigens auch in der untersten Zeile, dem sogenannten Minibuffer, an.

Wer jetzt am liebsten schreiend davonlaufen möchte, hat dazu mit der Tastenkombination C-x C-c Gelegenheit: Gibt man bei gedrückter [Strg]-Taste nacheinander [x] und [c] ein, verlässt man das Programm. Manche Distributoren stellen diese Tastenkombination allerdings defaultmäßig ab, da man sie leicht aus Versehen tippt und XEmacs somit unerwünschterweise beendet. Benutzen Sie in diesem Falle den Unterpunkt Exit XEmacs im Menü File. Weil jedoch mit Tastenkombinationen vieles schneller und manches ohne sie gar nicht geht, geben wir ihnen im Folgenden den Vorzug.

Puffer über Puffer

Halten Sie irgendeine Taste gedrückt, während der Editor seinen Startbildschirm präsentiert, verschwindet dieser automatisch, und Sie sehen den sogenannten @L: *scratch@L: *-Buffer. Der lässt sich als omnipräsenter "Schmierzettel von XEmacs" bezeichnen: Er ist immer da, auch dann, wenn Sie ihn löschen. Drücken Sie einfach mal C-x k, und XEmacs fragt Sie unten in der Minibuffer-Zeile, welcher Buffer gelöscht werden soll. In diesem Fall ist das per Default der @L: *scratch@L: *-Buffer. Bestätigen Sie die Nachfrage (wie jeden Befehl im Minibuffer) mit [Enter] (in XEmacs-Schreibweise RET), so sehen Sie: Den Buffer gibt es weiterhin.

Aus dem Text-Kommentar im @L: *scratch@L: *-Buffer geht bereits hervor, dass eine Datei mittels C-x C-f geöffnet wird. Im Minibuffer geben Sie nun das passende Verzeichnis und den Namen des zu bearbeitenden Files ein. Zweimaliges Drücken der Tabulatortaste (TAB) hilft dem Gedächtnis nach, indem sich ein neuer Buffer @L: *Completions@L: * mit dem Inhalt des aktuellen Verzeichnisses öffnet. Mit M-v wechseln Sie dort hinein und wählen mit den Cursortasten (oder der Maus) die zu öffnende Datei aus; RET liest sie in einen neuen Buffer ein. Oberhalb der Minibuffer-Zeile sehen Sie den Dateinamen der Datei, die Sie gerade bearbeiten, in der sogenannten Modeline.

Doch was in aller Welt soll M sein? Das Kürzel steht für die [Meta]-Taste, und weil es die auf PC-Tastaturen im Allgemeinen nicht gibt, übernimmt in der Regel [Esc] (ESC) und/oder [Alt] deren Funktion (vgl. auch Kasten 2).

Kasten 2: Ärger mit der Meta-Taste?

Wenn Sie M-x eingeben, meckert XEmacs im Minibuffer etwas von A-x undefined? Dann versuchen Sie, statt der [Alt]- die [Windows]-Taste zu drücken. Fruchtet auch dies nichts, so tragen Sie bitte in die Datei ~/.Xmodmap folgende zwei Zeilen ein:

keysym Alt_L = Meta_L
keysym Meta_L = Alt_L

Existiert die Datei nicht, erzeugen Sie sie einfach neu. Wenn Sie nun noch X neu starten, sollte XEmacs zufrieden sein.

Bei der Dateiauswahl können Sie im Minibuffer einen Teil des Dateinamens (z. B. den Anfangsbuchstaben A) eingeben und dann TAB drücken. Gibt es nur einen passenden Datei- oder Verzeichnisnamen, so ergänzt XEmacs ihn automatisch. Andernfalls zeigt der @L: *Completions@L: *-Buffer nur die Dateien und Verzeichnisse mit diesem Namensanfang an.

Überlegen Sie es sich doch anders, so werden Sie den "Komplettierungszwischenspeicher" mit [q] los. Falls Sie sich einmal verdrückt haben und XEmacs im Minibuffer eine Eingabe erwartet, ziehen Sie sich mit C-g aus der Affäre.

Wollen Sie ein neues File erzeugen, so geben Sie ebenfalls C-x C-f ein, nur dass Sie anschließend keine Datei auswählen, sondern einen neuen Dateinamen eintippen.

Zum Speichern des Inhalts eines Datei-Buffers (und damit der Datei selbst) kommt C-x C-s zum Einsatz; mit C-x C-w legen Sie ihn unter einem anderen, im Minibuffer einzutragenden Namen ab.

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LinuxUser 06/2012

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