Obwohl Programme wie Konqueror oder Nautilus sehr komplett und durchdacht sind, gibt es doch bestimmte Funktionen, die sich im täglichen Unix-Alltag als umständlich erweisen oder gänzlich fehlen. In vielen Fällen ist es wesentlich einfacher, sich die Syntax eines alteingesessenen und oft auch antiquiert anmutenden Unix-Utilities zu merken, als zum x-ten Mal denselben Dialog mit "Ja, ich bin wirklich sicher!" zu bestätigen.
Lesen und Erzeugen von Dateien
Eine der häufigsten Aktionen ist sicherlich das Lesen von Dateien. Das Kommando cat (engl. concatenate) dient zum Anzeigen und Zusammenfügen von Textdateien, dass heißt es erwartet mindestens ein Argument als Eingabe:
cat README.txt
Durch diesen Befehl bekommen Sie auf unspektakuläre Weise den Inhalt von README.txt zu Gesicht. Doch wie sieht das mit mehreren Dateien aus? Der Befehl echo leistet wichtige Dienste, um unkompliziert mehrere Dateien zu erstellen und diese dann mit cat zusammenzuführen.
echo "Unix Text-Utilities" > teil1.txt echo "sind wirklich hilfreich." > teil2.txt
Setzen Sie diese beiden Befehle auf der Text-Konsole ab, so erhalten Sie zwei neue Dateien mit den Namen teil1.txt und teil2.txt. Diese enthalten "Unix Text-Utilities" und "sind wirklich hilfreich." Mit cat haben Sie einen Befehl zur Hand, um die beiden Teile zu einer einzelnen, neuen Datei zu verschmelzen:
cat teil1.txt teil2.txt > neu.txt
Dabei haben Sie sich einen typischen Unix-Mechanismus zu Nutze gemacht: die Umleitung durch >. Genau genommen bedeutet die einfache spitze Klammer, dass die Ausgabe von der Standardkonsole auf ein anderes Medium umgeleitet wird.
Bei Wiederholung des Befehls wird allerdings jedesmal neu.txt überschrieben. Es existiert ein zweiter Umleitungsoperator >>, der die Inhalte lediglich an ein bestehendes Ziel angehängt, ohne es vorher zu löschen. In der Tat müssten Sie sehr flinke Finger und eine schnelle Textverarbeitung haben, um damit genauso schnell Dateien zu erstellen und zusammenzufügen.
Pipes
Ein weiteres wichtiges Unix-Konzept sind die Pipes, also Leitungen, die Daten zwischen Prozessen transportieren. Auf der Textkonsole setzen Sie dafür einen senkrechten Strich [AltGr+<] ab. Dass dies ungemein nützlich ist, soll das folgende kurze Beispiel demonstrieren:
ls -al | less
Dieser Einzeiler veranlasst, dass die ausführliche Verzeichnisausgabe nicht einfach über den Bildschirm rast, sondern an den Text-Viewer less übergeben wird. Dadurch blättern Sie in langen Verzeichnissen bequem vorwärts und rückwärts, bis ein gesuchter Eintrag gefunden ist.
Nicht nur hilfreich für Autoren ist das Kommando wc (engl. word count). Wollen Sie zum Beispiel wissen, wieviele Wörter die Datei artikel.txt enthält, so würden Sie folgenden Befehl absetzen:
cat artikel.txt | wc -w
Das gleiche gilt, wenn Sie daran interessiert sind, aus einem Verzeichnis die größten Unterverzeichnisse zu selektieren. Dazu kombiniert man am besten die Kommandos du (engl. disk usage) und sort.
Selbstverständlich lassen sich diese Beispiele beliebig fortführen, denn Befehle sind nicht nur auf einen einzigen Operator beschränkt. Denkbar wäre zum Beispiel auch:
history | grep cat | wc -l
Ausgegeben wird eine Zahl, die Ihnen anzeigt, wie oft Sie bereits den Befehl cat verwendet haben. Das Ergebnis setzt sich dabei wie folgt zusammen: history liefert alle zuletzt eingegebenen Befehle durch die Pipe an grep. Mit grep wird dieser Textstrom schließlich nach dem Wort "cat" gefiltert und die übrigen Zeilen mit wc gezählt.
Tabelle 1: Wichtige wc-Schalter
| -c | Anzahl Buchstaben |
| -l | Anzahl Zeilen |
| -w | Anzahl Worte |



