Kunst am Computer

Schwerpunkt grafisches Gestalten

01.09.2002
Ob fotografisch-echt aussehende 3D-Szenen, Animationen oder einfach nur künstlerisch wertvolle 2D-Grafiken – das alles lässt sich auch auf einem Linux-PC bewerkstelligen. Nur manchmal ein wenig anders als unter anderen Betriebssystemen …

Seit Linux 1997 mit dem Blockbuster "Titanic" zum Hollywood-Star avancierte (zumindest in der Nebenrolle eines Betriebssystems, auf dem eine Reihe der Visual Effects entstanden), verbreitet sich die Einsicht, dass sich der Pinguin durchaus auch als Werkzeug für Kreative eignet. Doch die – oft von den Computer-Grafik-Firmen selbstgestrickten – Anwendungen, die bei "Shrek" oder dem "Herrn der Ringe" auf Linux-Basis zum Einsatz kamen, sind aus vielerlei Gründen (darunter Kosten, Closed-Source-Lizenz, mangelnde Rechenpower und Hardware-Ausstattung, zu starke Spezialisierung oder für Außenstehende unmögliche Usability) nichts für Durchschnittsbenutzer/innen.

Dreidimensional, …

Doch wer sich auch mit kleineren Brötchen zufrieden gibt, findet bei genauerem Hinschauen durchaus Möglichkeiten, sich künstlerisch zu betätigen. Sollen fotorealistische Welten entstehen, bietet sich das Raytracing-Programm Povray an, das brandneu in der Version 3.5 erschienen ist und auch professionellen Ansprüchen genügt. Povrays Stärke ist auch gleichzeitig seine Schwäche: Um Szenen zu beschreiben, nutzt man eine Art Programmiersprache. Diese ist zwar nicht schwer zu erlernen, doch wer noch nie programmiert hat, sehnt sich wohl eher nach einer Maus-bedienbaren GUI-Software.

Tatsächlich gibt es mit KPovmodeler und Truevision Povray-Frontends, die nicht nur das Zusammenstellen des Render-Kommandozeilenaufrufs erleichtern, sondern – wie eventuell von Windows gewohnt – das Komponieren dreidimensionaler Szene per Mausklick erlauben (S. 24 ff.). Einen etwas spezielleren, doch nicht minder spannenden Einsatzbereich hat Leocad: Wer seine Lego-Modelle lieber erst am Rechner plant, um sie später mit echten Bauklötzchen umzusetzen, darf dieses Programm schon einmal mit dem Label "suchterzeugend" versehen (S. 30 ff.). Povray hilft hier, die Modelle in realistischer Darstellung und doch platzsparend als Bits und Bytes der Nachwelt zu erhalten.

… zweidimensional …

Doch nicht jede/r möchte bei Null anfangen, wenn er/sie sich zum Erstellen eines Kunstwerks an den Rechner setzt. Sollen Bilder aus der realen Welt nach- oder weiterbearbeitet werden, müssen diese erst in den Rechner kommen. Ab Seite 37 beschäftigen wir uns damit, wie das via Digitalkamera oder Scanner geht. Wie man speziell mit dem Programm PhotoPC die in der Kamera versteckten Bilder "abzapft", beschreibt die Rubrik "Zu Befehl" (S. 80 ff.) in aller Ausführlichkeit.

Zur Bearbeitung kommt man kaum um das Vorzeigeprojekt The Gimp herum, was wir ab Seite 40 eingehend würdigen. Seine kleine Schwester Babygimp, ein Icon-Bearbeitungsprogramm, stellt die Rubrik "deskTOPia" vor (Seite 56 f.).

… und bewegt

Das ist Ihnen alles zu statisch? Eine Handvoll Bildbearbeitungsfilter und Animationswerkzeuge für die Kommandozeile zeigen, dass Grafikverarbeitung keineswegs nur per WYSIWYG-Programm, sondern überraschend komfortabel auch mit Shell-Skripten geht (S. 34 ff.).

Dass es noch viel mehr Möglichkeiten gibt, sich unter Linux als bildende/r Künstler/in zu betätigen, war bei der Heftplanung unsere größte Sorge: Obwohl eine Handvoll komplexer Programme – wie auch bei anderen Plattformen – die Szene beherrschen, gibt es eine Menge Nischen, die andere Projekte ausfüllen. Beiden Klassen gemein ist lediglich, dass ihre umfassende Beschreibung Folianten füllt.

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