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Steinchen für Steinchen

Lego-Spielen mit Leocad

01.09.2002
Wer kennt sie nicht, die kleinen Kunststoffklötzchen mit den Noppen oben drauf, aus denen sich so wunderbar Häuser, Autos, Schiffe und Eisenbahnen bauen lassen? Mit Leocad bauen Sie Lego-Modelle am Bildschirm.

Lego am PC? Nun gut, mit dem haptischen Erlebnis ist es noch nicht so weit, aber mit Leocad lassen sich immerhin Lego-Modelle spielerisch am Rechner erstellen und Bauanleitungen generieren. Neben der Windows-Version existiert eine leicht eingeschränkte Linux-Version, die wir auf einem AMD-Duron mit 750 MHz und 128 MByte RAM sowie einem Pentium I mit 133 MHz und 32 MByte RAM ausprobierten.

Auch auf dem langsameren Rechner ließ sich das Programm benutzen; wichtig ist vor allem eine schnelle Grafikkarte mit einem dazu passenden X-Server, sonst bauen sich die Bilder quälend langsam auf, und das Programm wird nahezu unbrauchbar.

Zum Funktionieren benötigt Leocad OpenGL. Falls Sie beim Programmstart die Meldung OpenGL not supported erhalten, müssen Sie von Ihrer Distributions-CD nachinstallieren. Für den Fall, dass es dann immer noch Probleme gibt, haben wir in Kasten 2 einen Lösungsvorschlag parat.

Die Installation des Lego-Modellers ist dank eines fertigen Binary-Pakets schnell erledigt: Sie laden die Datei leocad-0.73-update.tar.gz von der Programm-Homepage [1] oder der Heft-CD herunter und entpacken sie als root nach /usr/local/bin. Die ausführbare Datei leocad landet dann im Verzeichnis /usr/local/bin/leocad-0.73. Mit dem Befehl

ln -s /usr/local/bin/leocad-0.73/leocad /usr/local/bin/leocad

legen Sie einen Link auf das Programm in ein Verzeichnis, das im Suchpfad liegt. So sparen Sie sich beim Aufruf des Programms die Eingabe des vollständigen Pfades.

Zusätzlich benötigen Sie die Datei pieces.zip, die Sie ebenfalls auf der Leocad-Homepage und der Heft-CD finden. Sie enthält die Beschreibung der Lego-Steine. Dieses Archiv entpacken Sie mit unzip ins Verzeichnis /usr/local/share/leocad. Jetzt geben Sie die root-Rechte wieder ab und starten das Programm durch Eingabe von leocad & in einer Konsole.

Falls Sie das Programm selbst aus dem Quelltext übersetzen möchten, müssen Sie sich die aktuelle Version aus dem CVS laden. Wie das funktioniert, erklärt Kasten 1.

Kasten 1: Per CVS zum Quelltext

Die Leocad-Homepage bietet leider kein Quelltextarchiv zum Download an. Stattdessen gilt es, sich den Sourcecode aus dem CVS-Depot auf gerf.org zu besorgen. Dies geschieht bei offener Internet-Anbindung mit Hilfe folgender CVS-Befehle:

cvs -z3 -d :pserver:guest@gerf.org:/usr/cvsroot login

(Als Passwort geben Sie Guest ein.)

cvs -z3 -d :pserver:guest@gerf.org:/usr/cvsroot checkout -r leocad-0-73 leocad

Haben Sie die Quellen erfolgreich ausgecheckt, wechseln Sie ins Sourcecode-Verzeichnis und starten die Übersetzung des Programms durch Eingabe von make. Anschließend kopieren Sie die Programmdatei leocad in ein Verzeichnis Ihrer Wahl.

Kasten 2: Mögliche Probleme mit OpenGL

Auf dem zum Test verwendeten Mandrake-8.1-System verweigerte Leocad mit der Fehlermeldung OpenGL not supported zunächst die Arbeitsaufnahme. Abhilfe schafft die Installation der neuesten Version der OpenGL-Bibliothek Mesa 3D, die Sie in Gestalt des Archivs MesaLib-4.0.3.tar.gz auf [2] oder unserer Heft-CD finden.

Dieses entpacken Sie mit dem Befehl tar -xzvf MesaLib-4.0.3.tar.gz. Anschließend wechseln Sie ins neu entstandene Verzeichnis Mesa-4.0.3 und starten die Übersetzung mit ./configure und make. Schließlich installieren Sie die Bibliotheken als root mit dem Befehl make install ins Verzeichnis /usr/local/lib.

Um sie für Leocad verfügbar zu machen, müssen Sie die Datei /etc/ld.so.conf so verändern, dass das Verzeichnis /usr/local/lib darin an erster Stelle steht. Abschließend rufen Sie, immer noch als root, /sbin/ldconfig auf und geben die root-Rechte wieder ab.

Am Anfang war der Stein

Oben das Hauptmenü und die Werkzeugleisten, unten links das Zeichenfenster und rechts daneben die Auswahlliste für die einzelnen Lego-Steine, präsentiert sich Leocad wie in Abbildung 1.

Abbildung 1: Leocad

Der Übersichtlichkeit halber lassen Sie sich auf der Arbeitsfläche besser ein Raster anzeigen, an dem Sie sich beim Zusammensetzen des Modells orientieren. Dazu wählen Sie View / Preferences aus dem Menü. Im daraufhin erscheinenden Konfigurationsdialog gehen Sie auf den Reiter Drawing Aids und aktivieren dort die Option Base Grid; die Größe des Rasters lassen Sie unverändert.

Als weitere nützliche Option erweist sich Axis Icon im selben Reiter. Einmal aktiviert, zeigt die untere linke Ecke der Zeichnung ein Koordinatenkreuz an, das klar macht, in welche Richtung die X-, Y- und Z-Achse momentan zeigen.

Um einen Stein ins Modell einzusetzen, suchen Sie das entsprechende Element in der Bauteileliste aus und wählen Piece / Insert aus dem Menü. Der Mauscursor mutiert zu einem kleinen Kreuz; mit einem Mausklick oder durch Drücken der [Einfg]-Taste befördern Sie das Steinchen in die Zeichnung. Um das Element zu platzieren, verwenden Sie die Pfeiltasten sowie die [Bild oben]- und [Bild unten]-Keys. Mit ersteren verschieben Sie den Stein horizontal, mit [Bild oben] nach oben, mit [Bild unten] nach unten. Die Statuszeile zeigt stets die aktuelle Position des aktiven Elements an.

Um einen ausgewählten, mit einem blauen Rahmen versehenen Stein um die vertikale Achse zu drehen, benutzen Sie die Tastenkombinationen [Strg-Bild oben] oder [Strg-Bild unten]. Mit [Strg-Pfeil hoch] rollen Sie den Stein um die horizontale Achse. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Tastenkürzel zum Bewegen der Bauteile.

Tabelle 1: Wichtige Tastenkürzel zum Bewegen der Bausteine

Aktion Taste(nkombination)
Stein auf der Z-Achse verschieben [Bild oben]/[Bild unten]
Stein auf der X-Achse verschieben [Pfeil links]/[Pfeil rechts]
Stein auf der Y-Achse verschieben [Pfeil unten]/[Pfeil oben]
Stein um die Z-Achse drehen [Strg-Bild Oben]/[Strg-Bild unten]
Stein um die X-Achse drehen [Umschalt-Pfeil links]/[Umschalt-Pfeil rechts]
Stein um die Y-Achse drehen [Umschalt-Pfeil oben]/[Umschalt-Pfeil unten]

Um mehrere Steine zu markieren, halten Sie bei der Auswahl die [Umschalt]-Taste gedrückt. Damit fertige Baugruppen nicht versehentlich getrennt werden, bilden Sie mit dem Befehl Piece / Group Bauteilegruppen.

Falls Sie einmal mehrere Steine über- oder nebeneinander einfügen möchten, hilft die Array-Funktion des Programms weiter. Sie wählen den zu vervielfältigenden Stein in der Zeichnung aus und rufen den passenden Dialog mit Piece / Array auf.

Unter Dimensions geben Sie im Feld Count ein, wie viele neue Steine erzeugt werden sollen. Unter Transformation bestimmen Sie mit Move, um wieviele Einheiten die neuen Steine gegenüber dem letzten versetzt werden sollen. Unter Rotate geben Sie an, in welchem Winkel die Steine zu drehen sind.

Abbildung 2: Eine Figur zusammen setzen

Neue Lego-Männchen

Beim Bauen von Lego-Figuren greift Ihnen Leocad mit einem eigenen Helferlein, dem Minifig Wizard (Abbildung 2), unter die Arme. Damit setzen Sie die Figur aus den Einzelteilen zusammen, wobei die verschiedenen Teile jeweils eine eigene Farbe bekommen. Das passende Element wählen Sie aus einer der Listen und färben es über den nebenstehenden Farb-Knopf nach Belieben ein. Zum Speichern einer Figur geben Sie ihr in der Liste unten links einen Namen und klicken auf Save. Wenn Sie sie später noch einmal modifizieren oder erneut in die Zeichnung einsetzen wollen, wählen Sie einfach nur ihren Namen aus der Liste.

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