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Sonne, Mond und Sterne

KStars

01.09.2002
Warum in die Ferne schweifen, um den Sternenhimmel zu betrachten, wenn das KDE-eigene Planetarium so nah ist? Klicken Sie sich mit KStars am heimischen Rechner durch den spätsommerlichen Sternenhimmel!

Korner

In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Weißt Du wieviel Sternlein stehen …? Dieses Kinderlied kennt wohl jeder. Aber kennen Sie auch die genauen Positionen von Mars, Saturn oder Jupiter? Oder können Sie auf Anhieb sagen, wo am Himmel sich Venus in seiner Rolle als Abendstern tummelt? Nein? Dann sind Sie entweder ein Kandidat für die freundliche Sternwarte in Ihrer Nachbarschaft oder für KStars, KDEs neues Desktop-Planetarium.

Für den Blick in den Sternenhimmel brauchen Sie nicht einmal großartige Installationsanstrengungen zu unternehmen, denn KStars ist Bestandteil des kdeedu-Pakets. Klicken Sie zum Start des Programms einfach im K-Menü von KDE 3 auf Lernprogramme / KStars (Das Planetarium für den Schreibtisch), und schon befinden Sie sich in einem Astronomieprogramm der Spitzenklasse. Derzeit kennt es über 40.000 Sterne sowie 13.000 sonstige Objekte und kann Ihnen das Firmament über jedem Punkt der Erde darstellen. Je nach Güteklasse Ihres Rechners dauert die Ladezeit zwar ein Weilchen, doch hält Sie KStars über die Fortschritte auf dem Laufenden.

Der erste Eindruck mag ein wenig verwirrend ausfallen, aber Aufbau und Inhalt des Programmfensters sind schnell erklärt. Abbildung 1 zeigt den Himmel rund um das Sternbild Kassiopeia. Die Sterne stellt KStars in realistischen Farben und mit ihrer relativen Helligkeit dar; die hellsten Sterne haben die Entwickler zudem mit ihren Namen versehen. Farbige Symbole kennzeichnen die Deep-Sky-Objekte (Himmelsobjekte jenseits des Sonnensystems und der nächstgelegenen Sterne, also Galaxien, Nebel und Sternhaufen) der Himmelsgegend.

Der Informationsbalken am oberen Fensterrand zeigt ganz links die aktuelle Zeit und das Datum, in der Mitte die Koordinaten und rechts den aktuellen geografischen Standort. In der Statusleiste am unteren Bildrand gibt KStars zusätzlich den Namen des Objekts aus, das Sie gerade angeklickt haben, sowie die Koordinaten der Stelle, an denen sich Ihr Mauscursor befindet.

Abbildung 1: Besuch bei Kassiopeia

Wo bin ich?

Als Standard-Ausgangsposition dient Greenwich in England, der Sitz des Königlichen Observatoriums, dessen Meridian bekanntlich als Nullmeridian verwendet wird. Um sich den Himmel über Ihrer Stadt anzuschauen, klicken Sie in der Menüleiste auf den Punkt Location / Geographic.... Sie sehen danach ein Konfigurationsfenster wie in Abbildung 2.

Abbildung 2: Himmel über Köln gewünscht

In der rechten oberen Ecke haben die Entwickler über 2000 Städte mit ihren Längen- und Breitengraden vordefiniert. Sollte sich Ihr Wohnort nicht darunter befinden, versuchen Sie es mit einer Stadt in der Nähe. Jede Stadt ist in der Weltkarte als kleiner Punkt eingezeichnet – sobald Sie eine bestimmte in der Liste angeklicken, wird sie durch ein rotes Fadenkreuz hervorgehoben.

Anstelle langwierigen Blätterns in der Liste geben Sie in den eingebauten Filter-Boxen beispielsweise den Anfangsbuchstaben Ihres Wohnorts an und schränken die Treffer so ganz gewaltig ein.

Ist Ihr Wunschort nicht eingezeichnet, können Sie seine Koordinaten jederzeit im unteren Teil des Konfigurationsfensters festlegen. Achtung: Bis auf das Feld State/Province handelt es sich dabei um Pflichtfelder, die Sie vor einem Klick auf Add to List wohl oder übel mit Informationen füllen müssen.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Beim ersten Start stellt das Programm seine Zeit automatisch nach Ihrer Systemuhr, und die Uhr tickt weiter, um immer ein Himmelsbild in Echtzeit zu liefern. Mit Stop Clock unter dem Menüpunkt Time können Sie jedoch die Zeit anhalten, schneller oder langsamer verrinnen lassen. Das jeweilige Tempo legen Sie über die Auswahlbox in der Menüleiste fest. Uhrzeit oder Datum ändern Sie mit Hilfe des Punkts Time / Set Time... oder durch einen Klick auf die Eieruhr in der Toolbar.

Sternlein, Sternlein, Du musst wandern

Die unendlichen Weiten des Weltalls erforschen Sie auch ohne Raumschiff Enterprise mit Hilfe der Pfeiltasten oder der Maus. Halten Sie dabei die [Shift]-Taste gedrückt, verdoppelt sich Ihre Flug-, pardon, Scroll-Geschwindigkeit. Sind Sie auf ein interessantes Fleckchen Himmel gestoßen, zoomen Sie dieses mittels der Plus- und Minustasten heran oder weg. Alternativ benutzen Sie dazu die "Zoom In"- und "Zoom Out"-Buttons unter dem Menüpunkt View.

Zoomen Sie mit [-] so lange, bis Sie eine grüne Kurve wie in Abbildung 3 sehen. Diese repräsentiert Ihren lokalen Horizont. Wenn Sie nichts an den Grundeinstellungen geändert haben, stellt KStars alles, was unterhalb des Horizonts liegt, als grüne Fläche dar, die die Erdoberfläche repräsentiert.

Abbildung 3: Hinter dem Horizont geht's weiter

Die weiße Kurve in der Abbildung repräsentiert den Himmelsäquator, eine gedachte Linie, die den Himmel in die nördliche und südliche Hemisphäre teilt. Die in der Abbildung leider kaum erkennbare braune Linie stellt die so genannte Ekliptik dar, also den Pfad, dem die Sonne im Laufe des Jahres am Himmel zu folgen scheint.

KStars zeigt Ihnen die ganze Bandbreite der Himmelsobjekte, seien es Sterne, Planeten, planetarische Nebel oder Galaxien. Ein bestimmtes Objekt identifizieren Sie mit einem Mausklick darauf; sein Name erscheint sofort in der Statusbar. Im per rechtem Mausklick erreichbaren Kontextmenü (Abbildung 4) erfahren Sie zudem, um welche Art Objekt es sich handelt, und haben die Möglichkeit, mit Show 1st/2nd Gen DSS Image ein gestochen scharfes Foto aus der Internet-Datenbank des Himmelsatlasses The Digitized Sky Survey herunterzuladen: Der Aufmacher zeigt den Stern Ras Alhague.

Abbildung 4: Identifiziert

Web-Seiten mit Zusatzinformationen oder weitere Bilder fügen Sie über den Eintrag Add Link... hinzu. KStars bietet sogar die Möglichkeit, den Link mit dem Button Check URL zu überprüfen. Ihre Ergänzungen lädt das Programm automatisch beim Start und speichert sie im Verzeichnis ~/.kde/share/apps/kstars in den Dateien myimage_url.dat und myinfo_url.dat ab.

Wollen Sie nicht nur ziellos durchs virtuelle Firmament streifen, suchen Sie über den Menüpunkt Location / Find Object... nach Objekten. Das "Find Object"-Fenster (Abbildung 5) listet alle mit Namen eingetragenen Objekte der KStars-Datenbank auf. Viele sind nur mit ihrer Katalog-Bezeichnung wie etwa NGC 3077 verzeichnet, daneben finden sich jedoch auch geläufige Namen wie etwa das Sternbild Kassiopeia.

Abbildung 5: Wer suchet, der findet

Informationsquellen an Bord

Nicht jeder ist als Astronom auf die Welt gekommen. Sollten Ihnen bereits die in diesem Artikel auftauchenden Begriffe aus der Welt der Sterne ein Buch mit sieben Siegeln sein: Verlieren Sie nicht den Mut. Denn die Macher von KStars lassen Sie auch hier nicht im Stich. Fester Bestandteil des KStars-Handbuchs ist nämlich die Rubrik "The AstroInfo Project", die Sie in kurzen Artikeln über die wichtigsten Konzepte und Begriffe der Astronomie aufklärt. Stellenweise enthalten die Artikel sogar Übungen, die Sie mit KStars lösen können. Diese Sektion soll übrigens stetig ausgebaut werden, weshalb die Entwickler alle interessierten Nutzer bitten, die Wissendatensbank um weitere Einträge zu ergänzen: Eine Mail an das KStars-Team genügt.

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