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Saurier im Netz

Internet-Anwendungen für den Sharp Zaurus

01.09.2002 Ist der Zaurus-PDA erst einmal "drin" im Netz, stellt sich die Frage: Was soll er dort? Der folgende Artikel stellt interessante Anwendungen vor.

Eine Internet-Anbindung für den Sharp-PDA Zaurus kann auf vielerlei Weise realisiert werden [1] und eröffnet dem Linux-basierten Gerät Betätigungsfelder, die man sonst eher vom stationären PC kennt. Für die vielseitigste neue Anwendungsmöglichkeit, die Installation zusätzlicher Software, sieht Sharp sogar einen Automatismus in Form sogenannter Feeds vor. In diesen liegen Programmpakete nebst Beschreibungen zum Download bereit.

Eine solche "Fütterungsstation" stellt ZaurusZone [2] bereit; von dort können Sie unter anderem die in diesem Artikel vorgestellte Software herunterladen. Bei vielen Zaurus-Programmen handelt es sich um Portierungen freier, vom Desktop-Linux-Rechner her bekannter Software. Auch einige kommerzielle Entwickler haben den Linux-PDA mittlerweile als Plattform entdeckt und nutzen denselben Download-Mechanismus, um Demo-Versionen bereitzustellen.

Zum Herunterladen und Installieren gehen Sie in den Reiter Einstellungen und tippen auf Software. Im Auswahlschirm wählen Sie Pakete über Netzwerke installieren. Hinter dem Knopf mit dem Schaltersymbol, in Abbildung 1 rot umrandet, verbergen sich die Einstellungen für die Feed-Server. Nach Antippen dieses Symbols können Sie einen neuen hinzufügen, etwa mit dem Namen ZaurusZone. Als zugehörige URL tragen Sie http://zauruszone.com/feed/ ein. Stellen Sie sicher, dass der Eintrag (wie in Abbildung 2 gezeigt) auch ausgewählt ist, und tippen Sie auf OK (oben rechts). Daraufhin versucht der Zaurus, die Paketbeschreibungen herunterzuladen.

Abbildung 1: Herunterladbare Pakete

Abbildung 2: Einstellungen für Feed-Server

In Zukunft kommen Sie durch Klicken des in Abbildung 1 gezeigten Knopfes Aufrüsten (so die krude Übersetzung des englischen Upgrade) an die jeweils neuesten Inhaltsbeschreibungen. Dieser Vorgang kann einen Moment dauern, es gibt jedoch eine Fortschrittsanzeige.

Durch Antippen des Paketsymbols in der äußersten linken Spalte wählen Sie Pakete zur Installation aus. In Abbildung 1 ist das sehr spaßige Spiel froot angewählt, was Sie am geöffneten Paket-Symbol erkennen. Durch Doppelklick auf den Paketnamen (das erfordert etwas Übung) erhalten Sie eine genauere Beschreibung der entsprechenden Software. Ist Ihre Wunschliste zusammengestellt, klicken Sie auf OK.

Daraufhin fordert Sie Ihr PDA auf, einen Zielort für die Installation anzugeben. Die einzige Variante, die sicher funktioniert, ist RAM, also in den internen Speicher. Eigentlich ist es auch möglich, Software auf Erweiterungsspeicherkarten zu installieren; leider unterstützen das viele Pakete nicht. Im Einzelfall hilft nur ausprobieren.

Nach der Wahl des Speicherplatzes werden die Pakete heruntergeladen und installiert, was relativ lange dauern kann. Schließen Sie anschließend das Software-Kontrollfeld, startet die Qtopia-Umgebung neu (zu erkennen am großen Sanduhrsymbol). Erst dann stehen die neuen Anwendungen zur Verfügung. Es empfiehlt sich, nicht zuviele Programme auf einmal zu installieren, da die Fehlermeldungen recht unspezifisch sind und die Wartezeiten sehr lang werden können.

Schreib mal wieder!

Bereits vorinstalliert ist eine E-Mail-Anwendung, die mittleren Ansprüchen genügt. Sie reicht jedenfalls aus, um zu Hause E-Mails auf den Zaurus zu laden, sie unterwegs zu lesen und eventuell zu beantworten und wiederum von zu Hause aus die Antworten zu versenden. Allerdings ist sie nicht sonderlich stabil oder gar fehlerfrei: So bringt ein IMAP-Zugriff auf größere Folder den gesamten PDA zum Einfrieren. Eine Filterfunktion sucht man ebenfalls vergeblich.

Ihr größtes Manko ist sicherlich die fehlende SSL-Unterstützung, so dass Passwörter im Klartext übertragen werden. Abhilfe verspricht in Zukunft Lisamail [3]. Das Programm ist allerdings noch nicht verfügbar, und über die Konditionen, zu denen das einmal der Fall sein wird, hält sich der Hersteller derzeit noch bedeckt.

Surf-Brett

Neben dem Mail-Programm liefert Sharp eine speziell angepasste Version des Web-Browsers Opera mit. Praktischerweise lassen sich Web-Seiten darin verkleinern, dabei werden auch Bilder kleiner gerechnet. Damit kann der PDA-Nutzer auch Web-Seiten betrachten, die nicht speziell für PDAs mit ihren kleinen Bildschirmen entworfen wurden. Allerdings vollbringt diese Funktion keine Wunder, so dass sich bei Anwendern nach längerer Benutzung einiger Web-Seiten eine Art "Tunneleffekt" einstellt.

Außerdem haben die Entwickler von Opera Wert darauf gelegt, möglichst wenig Bildschirmplatz mit Toolbars und Ähnlichem zu verschwenden. Trotzdem sind die wesentlichen Funktionen und auch eigene Bookmarks direkt zugänglich. SSL wird ebenfalls unterstützt, so dass man im Prinzip sogar Bankgeschäfte oder ähnliches vom Zaurus aus abwickeln kann.

Abbildung 3: http://www.zaurus.de/ im Opera-Browser

Leider hat Opera auch einige Nachteile: Zwar unterstützt der Browser Frames, jedoch kann man nicht in einen Rahmen "hineinzoomen", was etwa bei Frame-lastigen Homebanking-Seiten nötig wäre. Cookies lassen sich nur global aktivieren oder deaktivieren. Die größte Schwäche offenbart sich aber, wenn eine Site weitere Fenster öffnet: Man hat dann nur die Wahl, das alte oder das neue zu sehen, verliert aber bei Anwahl des neuen die History, kann also nicht mehr per Druck auf den Zurück-Knopf zur vorigen Seite zurückkehren. Auch JavaScript wird nicht vernünftig unterstützt.

Glücklicherweise gibt es eine freie Alternative, den von KDE bekannten Konqueror. Er lässt sich über ZaurusZone nachinstallieren: Am besten spielt man sowohl konqueror als auch konqe-gifplugin ein, damit auch GIF-Bilder dargestellt werden können. Im Vergleich zu Opera bietet der Open-Source-Browser fortgeschrittenere Cookie-Unterstützung (man kann Cookies pro Site separat aktivieren) und eine bessere JavaScript-Implementierung. Konqueror stellt somit auch die Homepage von Sharp Deutschland dar, bei der Opera versagt. Außerdem kann er mit mehreren Views, dem Äquivalent zu den Browser-Fenstern auf dem Desktop, umgehen. Sehr praktisch ist auch die Suchfunktion.

Abbildung 4: Der Heise-Newsticker im Konqueror

Andererseits stürzt Konqueror im Vergleich zu Opera häufiger ab; der Zugriff auf Bookmarks und das Ausblenden der Location-Toolbar ist wesentlich umständlicher. Generell merkt man dem Programm an, dass es noch relativ neu ist, während Opera ausgereifter wirkt. Das Abspeichern oder Ausdrucken von Web-Seiten oder Links erlaubt übrigens keiner der Browser, was besonders ärgerlich ist, wenn man Software herunterladen möchte, die nicht in einem Feed vorliegt.

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LinuxUser 03/2012

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