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Fotos wie gemalt

Gimp

Zu Papier bringen

Das Ausdrucken der frisch bearbeiteten Fotos ist unter Linux gar nicht so einfach. Der Anwender hat die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Druck-Spoolern, Treibern und Rasterisierern. Vom alten lpr sollte man Abstand nehmen - seine Fähigkeiten sind zu beschränkt. Cups - von den meisten Distributionen ohnehin als Standard gewählt - kann da viel mehr.

Als Rasterisierer arbeitet unter Linux die Software Ghostscript am Besten. Hier tut sich im Augenblick in der Entwicklung am meisten, siehe dazu den Kasten. Zur Druckdatenaufbereitung gibt es drei Alternativen: Foomatic, Gimp-Print und Turboprint. Foomatic wird häufig vorinstalliert und ist daher problemlos, aber die Druckqualität ist nur schwarzweiß akzeptabel, die Farben lassen zu wünschen übrig.

Gimp-Print fristet ein Schattendasein, das es eigentlich nicht verdient hat. Ursprünglich als Druckdialog innerhalb von Gimp gestartet, ist es längst zu einem ausgereiften Drucksystem geworden, das seine Dienste als Druckertreiber anderen Anwendungen außerhalb von Gimp zur Verfügung stellt - wenn es entsprechend kompiliert wird.

Hier liegt jedoch der Hase im Pfeffer. Die meisten Distributoren kompilieren Gimp-Print eben nur als Druck-Plugin für Gimp und binden es nicht in ein Drucksystem wie Cups ein. Von Sourceforge kann man sich die Sourcen der aktuellen stable Version 4.2.1 herunterladen und selbst übersetzen - doch leider ist die Dokumentation sehr lückenhaft. Eine Vielzahl von Paketen muss zuvor installiert werden, und der Anwender bekommt viele Abhängigkeiten nur durch Versuche und Fehlschläge heraus.

Die Druckaufbereitung der Wahl heißt daher eindeutig Turbo Print. Dieses Programm wird gegen Gebühr verkauft: Es ist sein Geld mehr als wert. Eine kinderleichte Installation, ein aufgeräumtes GUI, das dennoch eine Fülle von Einstellungsmöglichkeiten bietet und Treiber für alle top-aktuellen Drucker.

Soviel Komfort gibt es ansonsten nur unter Windows, und die Druckqualität ist makellos. LinuxUser testet daher Farbtintenstrahler generell unter Verwendung von Turboprint, denn auf Fotodruckern produziert es Ausdrucke, die nur mit der Lupe von geübten Augen von Fotos zu unterscheiden sind.

Abbildung 5: Exzellente Fotoqualität und Bedienkomfort bietet Turboprint für wenig Geld.

ESP Ghostscript 7.05.4 freigegeben 

Ghostscript-Tugenden

Postscript ist in der Linux-Welt der de-facto-Standard für die Druckausgabe. Allerdings können es nur Postscript-Drucker direkt entgegennehmen und verarbeiten. Sie verfügen über einen eingebauten Interpreter (RIP, Raster Image Prozessor).

Andere Drucker bereiten die Postscript-Datei über externe Programme zu druckfertigen Rasterdaten auf. Diese Aufbereitung übernimmt Ghostscript, eine RIP-in-Software.

Da jedoch das Format der Drucker-Rasterdaten von Modell zu Modell variiert (je nach Anzahl der Farben oder Anordnung und Zahl der Tintendüsen im Druckkopf), muss Ghostscript ein Universalgenie sein. Es hat weit über hundert Treiber eingebaut (oftmals als Devices bezeichnet).

Das Kommando gs -h zeigt die unterstützten Devices an. Es gibt darunter welche, die Postscript nicht für einen Drucker aufbereiten, sondern in ein Raster-Grafikformat konvertieren (TIFF, BMP, PNG) oder am Bildschirm anzeigen (X11). Andere Erweiterungen erlauben die Generierung von Postscript aus anderen Formaten, oder die Verarbeitung von PDF.

Ghostscript-Probleme

Komplizierte Bedienung: Viele Anwender kommen oft nicht mit den sperrigen Kommandozeilen-Parametern des Gs-Kommandos zurecht; Folge: Sie verwenden sie gar nicht und sind froh, wenn es überhaupt druckt. Damit verzichten Sie jedoch auf viele optimierende Einstellungen.

Monolithischer Klotz: Selbst erfahrene Administratoren kommen beim Thema leicht ins Stöhnen. Das gesamte Paket ist im Prinzip eine riesige ausführbare Datei (ein selbstkompiliertes Ghostscript hat beinahe 10 MB). Dieses Riesenteil musste bisher bei jedem kleinen Update eines einzigen Treibers komplett neu übersetzt werden.

Versions-Chaos: Von Ghostscript sind diverse Versionen im Umlauf. Zum einen existieren die von den Entwicklern verschieden lizenzierten Versionen: AFPL (kommerziell, für Privatanwender kostenlos) und GNU/GPL (Freigabe der vorherigen wenn eine neue AFPL-Version erscheint).

Da die GNU/GPL-Versionen oftmals ,,alte`` AFPL-Bugs beinhalten, wird GNU-Ghostscript von den Linux-Distributionen kräftig geflickt und gepatcht und dann gleichzeitig noch um zusätzliche Treiber aufgerüstet, bevor es auf der Installations-CD landet.

Ghostscript-Perspektiven

Easy Software Products hat mit ESP-Ghostscript 7.05-4 allen Linux-Anwendern und Distributoren einen Riesendienst erwiesen. Denn die oben genannten Probleme können mit dem neuen Release entscheidend gemildert werden:

Versionsvereinheitlichung: Hier ist ein Ausgangspunkt, der als gemeinsame Plattform aller Distributionen dienen kann, stellt es doch eine Summe aller Treiber-Patches, Bugfixes und Feature-Erweiterungen dar, die bei keiner Linux-Distribution einzeln zu finden sind.

Modularisierung: ESP Ghostscript hat die neue IJS-Schnittstelle eingebaut, dies es ermöglicht zusätzliche Treiber sozusagen als Module einzubinden. Treiber, die IJS unterstützen, können jederzeit aktualisiert werden, ohne komplette Neukompilierung.

Einfache Bedienung: Die Ghostscript-Kommandozeile ändert sich nicht. ESP Ghostscript kommt nicht nur Cups, sondern allen Spool-Systemen (LPRng, PPR, PDQ, RLPR) zugute. Bestimmte andere Projekte (Foomatic, Gimp-Print, HPOJ, HPIJS, Omni) bringen weitere Fortschritte.

Was ist neu an ESP Ghostscript?

Die neueste Version von ESP Ghostscript (7.05-4) enthält alles an Treibern, was die Distributoren bisher reingepatcht haben, um GNU Ghostscript zu aktualisieren. Es beinhaltet wieder eine Reihe von Treibern, die GNU Ghostscript 7.05 stillschweigend fallen ließ.

Dadurch ist die beste Ausgabequalität für die Modelle HP DeskJet 850C, 855C, 870C, 1600C, und OfficeJet Pro 1150C wieder vorhanden. Außerdem stehen wieder die 1200x600er Auflösung mit Papierfachanwahl für Brother-Laserdrucker zur Verfügung. Gleichzeitig fixt es viele Bugs der GNU-Version, enthält Unterstützung für HPOJ-Druckertreiber von HP, OMNI-Druckertreiber von IBM sowie IJS- und Gimp-Print-Treiber. Die Software steht außerdem unter der GPL.

Vorgeschichte von ESP Ghostscript

Da Cups von Anfang an für mehr als zehn verschiedene Linux- und Unix-Plattformen angeboten wurde, war es ausgeschlossen, dabei den gesamten vorhandenen Ghostscript-Zoo zu unterstützen.

Cups musste eine andere Lösung finden. Deshalb lieferten die Entwickler zunächst den Pstoraster-Filter mit. Dieser leitete sich 1999 (als Cups erstmals erschien) zunächst vom damaligen Ghostscript 5.50 ab. Inzwischen setzen die Cups-Leute selbst den Ghostscript-Standard, den sie früher vergeblich suchten.

Mit der letzten Cups-Version 1.1.15 gingen sie ein Wagnis ein: Anstatt des funktionierenden Pstoraster wird bei CUPS-1.1.15 jetzt ein kleines Pstoraster-Shellskript ausgeliefert, welches das systemweite Ghostscript zu Hilfe ruft, um Postscript nach Rasterdaten zu wandeln.

Dieses Ghostscript funktioniert für Cups nur dann, wenn ein entsprechender Cups-Treiber einkompiliert ist: gs -h muss als ein mögliches Device cups anzeigen.

Viele Anwender, die Cups blindlings auf 1.1.15 upgedated haben können nun nicht mehr drucken. Ein Patch für GNU Ghostscript, oder die Installation von ESP Ghostscript kann hier schnelle Abhilfe schaffen. Sobald ESP Ghostscript von den Distributionen auf Installations-CDs oder als Internet-Update angeboten wird, ist das Problem ganz beseitigt.

Fazit

Durch dieses Release ist das Ziel, alle Linuxe auf eine gemeinsame Ghostscript-Plattform einzuschwören ein großes Stück näher gerückt. Andere freie BSDs und auch kommerzielle Unix-Systeme können es unverändert übernehmen. (Kurt Pfeifle/ok)

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