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Fotos wie gemalt

Gimp

01.09.2002 Eines der bekanntesten Projekte von GNU ist sicherlich das GNU Image Manipulation Program, kurz Gimp. Es ist ein Aushängeschild freier Software schlechthin, bietet es doch eine Fülle von Bildbearbeitungsfunktionen, die in den professionellen Bereich hineinreichen.

Gimp ist jedoch kein Photoshop-Ersatz. Wer professionelle Bildretusche machen will oder muss, wer für die Druckvorstufe Bilder bearbeitet, der wird auch weiterhin entweder zu Windows oder (wie die Mehrzahl der Anwender) zu Mac OS greifen müssen, denn nur auf diesen Systemen läuft Adobes Markführer.

Dem Semiprofi oder einem engagierten Digitalfotofan bietet Gimp hingegen ausreichend Möglichkeiten für technische Korrekturen und künstlerischen Ausdruck. Sowohl die vorhandenen Werkzeuge als auch die Filter bieten mehr als die meisten Benutzer je verwenden werden. Im Folgenden soll kein Grundkurs Gimp vermittelt werden, sondern dem Benutzer, der einfachere Programme kennt, der erweiterte Horizont von Gimp aufgezeigt werden.

Die Fenster

Gimp hat sich viele interessante Konzepte von Photoshop abgeguckt. Wer Photoshop bedient hat, kommt mit Gimp recht schnell zurecht. Das auffälligste ist das Fensterkonzept. Die Mehrzahl der Funktionen wird nicht über Menüs und Pull-Downs angesprochen, sondern liegt als Buttons in eigenen Fenstern direkt zum Anklicken vor. Das kann den Anfänger verwirren, ist jedoch bereits nach kurzer Einarbeitung ungemein praktisch.

Bei Bildbearbeitung geht es oft nicht um kleine 200 x 300 Pixel kleine Bildchen, ein Diascan kann bis zu 4000 x 3000 Pixel haben. Den lässt man sich natürlich in einem Fenster anzeigen, das so groß wie möglich ist. Dazu gruppiert man die Fenster mit den Werkzeugbuttons, so dass die Hand mit möglichst kurzen Mausbewegungen zwischen Werkzeug und der gerade zu bearbeitenden Stelle des Bildes pendelt.

Besonders angenehm wird das bei Benutzung eines Grafiktabletts, was im übrigen dringend anzuraten ist. Mit einem Tablett kann man viel präziser malen und zeichnen, insbesondere geschwungene Linien - mit einer Maus ein Ding der Unmöglichkeit. Variable Auftragsstärken lassen sich leicht durch verschieden starkes Aufdrücken des Stiftes erreichen - ganz natürlich.

Wichtig ist das Fenster ,,Werkzeugeinstellungen``. Es ist kontextsensitiv, und zeigt zu jedem gewählten Werkzeug die zugehörigen Einstellungen, wie etwa die Deckkraft der Zeichenwerkzeuge. Wer nicht nur Farb korrigiert und Größen ändert, sondern wirklich malt und zeichnet, wird das Fenster mit den Pinselformen gut finden. Einem Klick passt hier schnell die Charakteristik des Werkzeugs an.

Beim Design von Web-Seiten ist jeder gut beraten, sich ständig die Farbpalette einzublenden. Natürlich können Paletten selbst erstellt werden, was gerade für Webdesign sehr wichtig ist. Einmal definierte Farben werden hier geparkt und können in immer gleicher Mischung bequem abgerufen werden.

Auf die vielen Mal- und Zeichenwerkzeuge soll hier nicht weiter eingegangen werden, die meisten, wie Pinsel, Bleistift oder Radiergummi, sind ohnehin selbsterklärend. Die allermeisten Filter tun genau das, was ihr Name suggeriert, so etwa die am häufigsten benötigten Schärfe- und Weichzeichnerfilter.

Das Ebenenkonzept

Für Benutzer einfacherer Bildbearbeiter dürften die Ebenen Neuland sein. Vereinfacht stellt man sich die Ebenen wie ein Stapel Glasplatten vor. Auf jeder Platte kann gemalt werden, und die Summe aller Platten ergibt das Bild.

Der große Vorteil ist die damit gewonnen Flexibilität. Fügt man beispielsweise Beschriftungen ins Bild ein, ist mit ein paar Handgriffen schnell einen Grobentwurf erstellt, um die Gesamtwirkung zu testen. Danach verschiebt man die Ebenen mit dem Text so über der Hintergrundfläche, dass die Positionen optimal sind.

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LinuxUser 03/2012

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