Truevision

In dieselbe Klasse fällt Truevision, das GTK und GNOME benötigt. Auf der Programm-Homepage und der Heft-CD finden Sie ein Quelltext-Archiv truevision-0.3.10.tar.gz, das Sie mit dem Befehl tar -xzvf truevision-0.3.10.tar.gz entpacken. Auch hier führt der Installationsdreiklang ./configure, make und make install im entpackten Quellenverzeichnis zu Kompilation und Installation, sofern die nötigen Header-Dateien vorhanden sind. Anschließend hört das Programm auf den Aufruf truevision &.

Das grafische Benutzer-Interface sorgt mit der Menüleiste und der Werkzeugleiste oben sowie den verschiedenen Ansichten des Modells unten links höchstens mit den über Karteireiter erreichbaren Dialogen zum Einfügen und Bearbeiten der einzelnen Objekte unten rechts für Überraschungen (Abbildung 7).

Abbildung 7: Truevision-Hauptfenster

Auf dem Reiter Erzeugen finden Sie eine Baumansicht mit den verfügbaren Objekten, ein Klick auf Erzeugen fügt das gewünschte Objekt in die Szene ein. Unter Materialien wählen Sie aus der Liste der bereits verwendeten Materialien aus und haben die Möglichkeit, eigene Oberflächen zu erstellen oder ein Muster auszusuchen. Die Seite Bearbeiten zeigt die Eigenschaften des ausgewählten Objektes an, hier nehmen Sie Feineinstellungen vor.

Die Zahl der mitgelieferten Texturen fällt etwas kleiner aus als bei KPovmodeler, es lassen sich aber interessante Modelle schaffen. Zum Bearbeiten der einzelnen Objekte muss man stets zwischen den verschiedenen Karteireitern hin- und herschalten, was bei komplizierten Szenen sehr zeitraubend ist.

Die Renderoptionen lassen sich in einem umfangreichen Dialog fein einstellen (Abbildung 8).

Abbildung 8: Povray-Einstellungen von Truevision

Leider erwies sich Truevision als nicht sehr stabil und stürzte beim Speichern einer Szene einfach ab. Die bis dahin geleistete Arbeit war verloren, denn das Programm konnte die gespeicherten Daten anschließend nicht mehr laden. Zudem gibt es weder eine Online-Hilfe noch Handbuch. Obwohl sich Szenen leicht erstellen und bearbeiten lassen, ist dieses Programm derart komplex, dass eine Einarbeitung ohne Hilfe sehr zeitraubend und fehleranfällig ist.

Fazit

Bei der Verschiedenheit der Programme fällt es schwer, eine Empfehlung zu geben. Wenn Sie nur gelegentlich Povray-Szenen schreiben, sind Sie mit Peflp sicherlich am besten bedient. Das Programm ist stabil, übersichtlich und einfach zu bedienen. PovFront bietet alle Einstellmöglichkeiten, die sich die Benutzerin von Povray nur wünschen kann. Leider verabschiedet sich das Programm in unregelmäßigen Abständen, so dass produktives Arbeiten nicht möglich ist. gPov und tclPov haben zwar einen integrierten Quelltexteditor für die zu erstellenden Szenen zu bieten, wirken aber eher unfertig.

Zum Zusammenstellen von Szenen eignen sich KPovmodeler und Truevision gleichermaßen. Die Einarbeitungszeit in beide Programme ist sehr lang, da sie nicht über eine Online-Hilfe oder ein Tutorial verfügen. In Sachen Stabilität hat KPovmodeler klar die Nase vorn und ist deshalb sehr zu empfehlen.

Tabelle 1: Povray-Frontends im Überblick

Programm Peflp tclPov gPov PovFront KPovmodeler Truevision
Autor Xavier Bourvellec Chris Hammer Chris Hammer Philipe P. E. David Andreas Zehender Vincent le Prince
Lizenz GPL GPL GPL GPL GPL GPL
Homepage http://mogzay.multimania.com/ http://www.nasland.nu/tclpov.php http://www.nasland.nu/gpov.php http://perso.club-internet.fr/clovis1/ http://www.kpovmodeler.org/ http://truevision.sourceforge.net/
Installation
Quellen-tgz x x x x x x
rpm - - - - - -
deb - - - - - -
Zusätzliche Bibliotheken Tcl/Tk Tcl/Tk GTK GTK, optional GNOME 1.4 Qt, KDE 3.0.x (1) GTK, libgtkglarea, GNOME 1.4
Sprache der Oberfläche Englisch Englisch Englisch Englisch Englisch Deutsch/Englisch
Funktionalität
Integrierter Texteditor - x x - - -
Integrierte Vorschau x - - - - -
Speichern und Konvertieren des fertigen Bildes x x - x x x
Grafikeditor - - - - x x
Hilfe
Online-Hilfe - x - - - -
Handbuch - - - - - -
(1) KDE-Version 3.1 wird KPovmodeler als Teil des kdegraphics-Paketes enthalten.

Glossar

WYSIWYG

Das "What You See Is What You Get"-Paradigma verlangt, dass die Darstellung am Bildschirm weitestgehend mit der (Druck-)Ausgabe übereinstimmt.

Home-Verzeichnis

Das Verzeichnis, in dem die Daten und Konfigurationseinstellungen der Benutzerin abgelegt werden. In der Shell lässt es sich zu ~ abkürzen.

Tcl/Tk

Tcl ist eine Skriptsprache, in der unter Zuhilfenahme des GUI-Toolkits Tk auch Programme mit grafischer Oberfläche geschrieben werden können.

GTK

Eine C-Programmbibliothek, die Elemente für eine grafische Oberfläche enthält und ursprünglich für das Bildbearbeitungsprogramm Gimp geschrieben wurde.

Suchpfad

Die Umgebungsvariable PATH enthält alle Verzeichnisse, in denen die Shell Programme oder Skripte sucht, so dass die Benutzerin deren Pfad nicht mit eingeben muss.

Syntax Highlighting

Die Tatsache, dass ein Editor Befehle, Kommentare und Variablen einer Programmiersprache farblich hervorhebt.

Infos

[1] Povray: http://www.povray.org/

[2] Christian Perle: "Strahlenförmig", Linux-Magazin 04/1998, S. 19 ff., http://www.linux-magazin.de/ausgabe/1998/04/Povray/povray.html

[3] Stefanie Teufel: "K-splitter", LinuxUser 08/2002, S. 18

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