PovFront

Nach dieser Enttäuschung wird es Zeit für ein wesentlich umfangreicheres Programm: PovFront. Neben dem Gimp-Toolkit benötigt es die Bibliothek libgtkglarea. Nach dem Entpacken des Quelltextarchivs povfront-1.3.5.tar.gz sorgt ein ./configure im neu entstandenen Verzeichnis povfront-1.3.5 und ein anschließendes make in einer Konsole für die Übersetzung. Während des Tests lief das Programm wesentlich stabiler, wenn es ohne GNOME-Unterstützung kompiliert wurde. Um das zu erreichen starten Sie das Konfigurationsskript mit dem Parameter --disable-gnome:

./configure --disable-gnome

Als root installieren Sie das Programm mit dem üblichen dritten Befehl im Bunde, make install. Der Befehl povfront & in einer Konsole ruft das in Abbildung 4 gezeigte GUI auf den Plan.

Abbildung 4: PovFront

PovFront bietet deutlich mehr Einstellmöglichkeiten als die bisher vorgestellten Programme. Alle Optionen sind über Karteireiter im unteren Teil des Hauptfensters erreichbar. Auf dem Tab Output legen Sie die Bildgröße, das Bildausgabeformat und den zu rendernden Ausschnitt fest. Unter Quality bestimmen Sie, in welcher Qualität und Farbtiefe das Bild berechnet wird, ob mit oder ohne Kantenglättung. Library nimmt die Pfade zu Bibliotheken mit Bauteilen auf, auf die Povray zugreifen soll.

Ein Klick auf den Button Render startet den Raytracer. In einem separaten Fenster sehen Sie, wie sich das Bild aufbaut. Ein Klick auf Abort last job beendet die zuletzt gestartete Berechnung, Job Control öffnet ein Fenster mit einer Liste der momentan von Povray bearbeiteten Dateien.

Was fehlt, ist die Einbindung eines Editors, um die Povray-Datei schnell zum Bearbeiten zu öffnen. Auch PovFront war während des Tests alles andere als stabil und stürzte beim Anklicken von Schaltflächen häufig mit einem Speicherzugriffsfehler ab.

KPovmodeler

Sind die bislang vorgestellten Tools ohne anderweitig erstellte Povray-Szenedateien recht nutzlos, geht KPovmodeler gleich mehrere Schritte weiter: Es dient nicht nur als Frontend für das Povray-Kommando, sondern ermöglicht auch das Gestalten von Szenen.

Auf der Programm-Homepage sind zur Zeit nur die Quelltexte verfügbar, sie müssen die KDE-Software selbst übersetzen. Dazu benötigen Sie ein aktuelles Qt 3.0.x und das Paket kde3-kdelibs. Zusätzlich sind die Bibliotheken OpenGL, glut, glx und glu samt Header-Dateien erforderlich, die Sie gegebenenfalls von Ihrer Distributions-CD nachinstallieren.

Zum Übersetzen entpacken Sie das Quelltextarchiv mit dem Befehl tar -xzvf kpovmodeler-0.2.tar.gz, wechseln ins neu entstandene Verzeichnis kpovmodeler-0.2 und geben nacheinander die Befehle ./configure, make und (als root) make install ein. Anschließend startet das Programm auf die Eingabe von kpovmodeler in einer Konsole hin (Abbildung 5).

Abbildung 5: KPovmodeler-Hauptfenster

Im oberen Teil des Programmfensters finden Sie Werkzeugleisten, mit denen Sie die Funktionen zum Erstellen der Szenen und zum Rendern erreichen. Links darunter sehen Sie eine Baumansicht, in der alle Objekte der aktuellen Szene mit ihren Eigenschaften erscheinen. Links unten bearbeiten Sie die gewählte Eigenschaft. Der rechte untere Teil ist der Darstellung der Szene in vier Ansichten vorbehalten.

KPovmodeler eignet sich nicht zur Bearbeitung bestehender Povray-Dateien; es unterstützt stattdessen den kreativen Prozess beim Erschaffen neuer Szenen. Dabei stehen alle wichtigen geometrischen Grundformen zur Verfügung, diese versehen Sie mit den unterschiedlichsten Oberflächen und Strukturen. Auch für diverse Hintergründe ist gesorgt. Wenn Sie die Szene fertig gestellt haben, wählen Sie View / Render aus dem Menü, und Povray beginnt mit der Berechnung, deren Ergebnis ein separates Fenster aufzeigt (Abbildung 6).

Abbildung 6: KPovmodeler ist fertig mit Rechnen – das Ausgabefenster

Der KDE-Modeller lässt sich über den Menübefehl Settings / Configure KPovModeler an die Vorstellungen der Benutzerin anpassen; sie legt dort unter anderem die Bildschirmfarben und die Ausgangsgröße einzufügender Objekte fest.

Das Programm eignet sich zum Erstellen komplexer Szenen und bietet viel Komfort bei der Eingabe von Objekten – alle Möglichkeiten auch nur annähernd aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Ohne eine einzige Zeile Povray-Code zu erstellen, lassen sich so die schönsten Szenen erstellen und leicht verändern. Obwohl es erst die Versionsnummer 0.2 trägt, läuft das Programm sehr stabil, einen Absturz gab es während dieses Tests nicht.

Die Autoren suchen dringend nach Hilfe bei der Erstellung der Programmdokumentation. Ist diese erst einmal vorhanden, darf sich KPovmodeler als die Lösung zum visuellen Erstellen von Szenen unter Linux bezeichnen.

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