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Gut gerendert

Frontends für Povray

01.09.2002 Mit Povray lassen sich wunderschöne virtuelle Welten erschaffen. Das richtige Frontend erleichtert die Bedienung, beschleunigt die Entwicklung und erhöht den Spaßfaktor.

Povray, der "Persistence Of Vision Raytracer" [1], ist ein Raytracing-Programm der Extraklasse. Nur seine Bedienung über die Kommandozeile entlockt so Manchem Stoßseufzer, zumal die Vielzahl der Parameter verwirrt. Im Folgenden stellen wir Ihnen Tools vor, die dem User an dieser Stelle unter die Arme greifen, indem sie die wichtigsten Parameter in Dialogen abfragen und das Rendern der Szenen auf Knopfdruck starten. Zwei Kandidaten gehen über diese simple Frontend-Funktionalität deutlich hinaus und erlauben das Erstellen der Szenen in WYSIWYG-Form am Bildschirm.

Bei allen anderen Programmen müssen Sie sich wohl oder übel mit der Povray-Szenenbeschreibungssprache auseinandersetzen. Ein entsprechendes Tutorial finden Sie auf der Heft-CD und im Archiv des Linux-Magazins [2]. Wie Sie den Raytracer installieren, beschreibt Kasten 1. Wir testeten die Programme im Zusammenspiel mit Povray 3.1 und dem nagelneuen Povray 3.5.

Kasten 1: Povray installieren

Das Archiv povlinux.tgz der aktuellen Povray-Version 3.5 finden Sie auf der Projekt-Homepage [1] oder der Heft-CD. Zum Entpacken kommt der Befehl tar -xzvf povlinux.tgz bzw. ein Programm wie ark oder guitar zum Einsatz. Nach dem Wechsel ins neu entstandene Verzeichnis povray-3.5 rufen Sie als root das Installationsskript mit dem Befehl ./install auf. Es kopiert alle benötigten Bibliotheken nach /usr/local/lib, die ausführbaren Dateien s-povray und x-povray nach /usr/local/bin. s-povray benutzt die svga-Bibliothek und benötigt kein X-Window-System, x-povray ist für den Einsatz unter X gedacht.

Zum Abschluss kopieren Sie die Datei povray.ini aus /usr/local/lib als unprivilegierter User unter dem Namen .povray.rc in Ihr Home-Verzeichnis:

cp /usr/local/lib/povray.ini ~/.povray.rc

Die Kandidaten

Das Testfeld bilden die in Tcl/Tk geschriebenen Programme Peflp und tclPov sowie ihre GTK-Kollegen gPov, PovFront und Truevision. Hinzu kommt der in der letzten Ausgabe [3] kurz vorgestellte KPovmodeler. Zum Teil sind die Frontends schon nicht mehr ganz taufrisch. Nur KPovmodeler und PovFront werden noch regelmäßig weiter entwickelt; Bugfixes gibt es jedoch für alle hier vorgestellten Programme in größeren Abständen.

Alle Tools nehmen der Benutzerin die Eingabe der Povray-Kommandozeilenparameter ab, indem sie die Werte in Dialogen oder mit Hilfe von Schiebereglern abfragen. Doch selbst hier unterscheiden sie sich im Funktionsumfang: Peflp, gPov und tclPov bieten nur die häufigsten Optionen an; wer tiefer in die Feinheiten von Povray einsteigen möchte, ist mit PovFront besser bedient. Erst KPovmodeler und Truevision lassen sich mit Windows-Frontends für den Raytracer vergleichen. Entscheidend dafür ist ihre Fähigkeit, Szenen ohne Kenntnis der Povray-Skriptsprache zusammen stellen zu lassen.

Peflp

Für Peflp, das "Povray Front-End For Lazy People", benötigt man außer einer Tcl/Tk-Installation die ImageMagick-Tool-Sammlung zum Konvertieren der fertig gerenderten Szenen. Zur Installation genügt es, das peflp074.tgz-Archiv auszupacken und die darin enthaltene Programmdatei peflp als root in ein Verzeichnis zu kopieren, das im Suchpfad liegt, etwa nach /usr/local/bin.

Falls sich das Programm nach Eingabe von peflp & in einer Konsole darüber beschwert, dass es die Datei defaultstamp.gif nicht findet, kopieren Sie diese aus dem peflp-Archiv ins Verzeichnis ~/.peflp/stamps, das Sie gegebenenfalls zuvor anlegen. Beim ersten Start fragt das Programm zudem nach dem Pfad zu Povray.

Abbildung 1

Abbildung 1: Peflp

Die wichtigste Angabe ist natürlich die nach der zu rendernden Povray-Datei. Zudem wählen Sie die Auflösung des Bildes (Abbildung 1 links) und geben ein, ob Sie Kantenglättung, Anti Aliasing, benutzen möchten bzw. welche Qualitätsmerkmale das erzeugte Bild haben soll (rechte Seite). Mit der Option Mosaic Preview erreichen Sie, dass Povray das Bild zunächst grob und dann immer feiner darstellt.

Unter Settings / General Options legen Sie fest, in welchem Editor Sie Ihre Povray-Dateien bearbeiten möchten, wenn Sie auf Edit klicken. Ferner stellen Sie dort ein, welches Programm Sie zum Konvertieren der gerenderten Bilder einsetzen und in welchem Verzeichnis diese gespeichert werden.

Hilfreich ist die Möglichkeit, ein kleines Vorschaubild, Stamp genannt, rendern zu lassen. Dieses zeigt Peflp im unteren Teil des Programmfensters an, sodass man einen Eindruck von den Lichtverhältnissen und der Komposition gewinnt, ohne auf die Berechnung eines Riesenbildes warten zu müssen. Innerhalb dieses Vorschaubilds lässt sich je ein Ausschnitt festlegen, der durch Klick auf Partial endgültig und in der höheren Auflösung gerendert wird.

Peflp ist ein Programm ohne Schnörkel und macht genau das, was es soll: die Bedienung von Povray vereinfachen. Für das Feintuning an einer Szene eignet sich das Programm nicht, dafür ist die Zahl der einstellbaren Optionen zu klein.

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