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Zu Befehl: Alien

Außerirdisches für Debian

Mit dem Programm Alien können Sie für das eigene Linux fremde Pakete umwandeln und installieren. Das Tool läuft auf sämtlichen bekannten Distributionen und kann mit vielen verbreiteten Paketformaten umgehen. In dieser "Zu Befehl"-Folge zeigen wir Ihnen, wie Sie unter Debian außerirdische Software in bekannte Paketformate wandeln.

Zu Befehl

Auch wenn sich viele Dinge bequem über grafische Oberflächen wie KDE oder GNOME regeln lassen - wer sein Linux-System richtig ausreizen möchte, kommt um die Kommandozeile nicht herum. Abgesehen davon gibt es auch sonst viele Situationen, in denen es gut ist, sich im Befehlszeilendschungel ein wenig auszukennen.

Alien ist ein Perl-Programm und benötigt mindestens die Perl-Version 5.004. Mit dem Aufruf perl --version auf der Kommandozeile finden Sie heraus, welche Version auf Ihrem System installiert ist.

huhn@transpluto:~$ perl --version
This is perl, v5.6.1 built for i386-linux

Um RPMs zu generieren, muss natürlich auch der Red Hat Package Manager ([1]) installiert sein. Wenn Sie Alien mit dem Programm apt (s. auch [2]) installieren, werden automatisch abhängige Pakete mitinstalliert:

transpluto:~# apt-get install alien
Reading Package Lists… Done
Building Dependency Tree… Done
The following extra packages will be installed:
  debconf-utils debhelper html2text librpm4 rpm
The following NEW packages will be installed:
  alien debconf-utils debhelper html2text librpm4 rpm
0 packages upgraded, 6 newly installed, 0 to remove and 156  not
upgraded.
Need to get 1320kB of archives. After unpacking 4260kB will be used.
Do you want to continue? [Y/n]

Bestätigen Sie mit der [y]-Taste, und Debian erledigt die Arbeit prompt. Noch ein Hinweis, bevor wir ins Eingemachte gehen: Alien befindet sich (auch in der neuesten Version 8.12) noch im Entwicklungsstadium, d. h. es kann durchaus zu Fehlern kommen. Bevor Sie also wirklich wichtige Pakete (z. B. init oder libc) mit diesem Tool konvertieren, schauen Sie lieber nach, ob es für Ihre Debian-Version (Potato, Woody, Sid) die Software bereits als Debian-Paket gibt.

Aus <C>.rpm<C> mach' <C>.deb<C>

Ein Debian-Paket (Endung .deb) enthält viele Informationen, u. a. über Abhängigkeiten zu anderen Paketen. Dieses Feature stellt sicher, dass neue Software perfekt in das System integriert und sauber wieder entfernt werden kann. Keine andere Distribution (außer denen, die auf Debian aufsetzen) verwendet dieses Format. Ebenso lassen sich Pakete im RPM-Format nicht ohne Weiteres unter Debian installieren. Normalerweise ist das auch nicht nötig - Debian bringt viele Pakete mit, und auch neue Software ist meistens schnell als .deb-Paket verfügbar. Für den Fall, dass dennoch ein "fremdes" RPM-Paket installiert werden soll, kommt hier Alien zum Einsatz.

Auf der Kommandozeile lautet der einfachste Aufruf alien paket.rpm - um ein Paket umzuwandeln, müssen Sie als Superuser root angemeldet sein, sonst erhalten Sie die Fehlermeldung:

Must run as root to convert to deb format (or you may use fakeroot).

Läuft die Konvertierung ordentlich durch, informiert Alien:

transpluto:~# alien paket.rpm
paket.deb generated

Bevor Sie das Paket nun installieren, können Sie noch mit dpkg -c nachschauen, wo welche Komponenten abgelegt würden. Auch ein dpkg --info paket.deb gibt Aufschluss über bestimmte Eigenschaften, wie z. B. Versionsnummer, Abhängigkeiten oder eine Beschreibung der Software. Möchten Sie das Paket nun installieren, können Sie zuerst überprüfen, ob im Ernstfall alles glatt laufen wird. Testen Sie mit dem Aufruf dpkg --no-act -i paket.deb, wird das System Sie auf mögliche Abhängigkeitsprobleme hinweisen. Alles ist glatt gelaufen? Lassen Sie die Option --no-act beim nächsten Aufruf weg, installieren Sie so das Paket.

Sind Sie sicher, dass Sie das Paket ohne diese Tests direkt installieren möchten, können Sie Alien schon beim Umwandeln den Parameter -i (lange Form: --install) mitgeben:

transpluto:~# alien -i paket.rpm
Selecting previously deselected package paket.
(Reading database … 53783 files and directories currently installed.)
Unpacking paket (from paket.deb) …
Setting up paket (1.0.3-1) …

Während des Umwandelns und der Installation gab es keine Fehlermeldungen. Wollen Sie dennoch überprüfen, wie Debian mit dem fremden Paket zurechtgekommen ist, können Sie dpkg -s paket ausprobieren. Als Output auf der Kommandozeile sollten Sie u. a. eine Information wie z. B. Status: install ok installed erhalten. Übrigens: Mit dpkg können Sie Pakete auch gezielt wieder deinstallieren. Zusammen mit der Option -P (Kurzform für --purge) entfernen Sie neben der Software auch alle Konfigurationsdateien vollständig. Ein einfaches dpkg -r paket (für --remove) entfernt nur das Paket - die Einstellungen unter /etc bleiben erhalten.

Und andersrum?

Natürlich können Sie mit Alien auch aus Debian-Paketen RPMs machen. Dazu verwenden Sie den Parameter --to-rpm:

transpluto:~# alien --to-rpm paket.deb
paket.rpm generated

Dieses Paket kann nun auf RPM-basierten Distributionen installiert werden. Sollte es bei dem Aufruf rpm -i paket.rpm zu Fehlermeldungen kommen, kann es sein, dass die entsprechenden Abhängigkeiten nicht aufgelöst wurden. Im Gegensatz zu Debian-basierten Systemen, auf denen apt automatisch eine Komplettinstallation der zugehörigen Pakete vornimmt, müssen Sie hier die fehlenden RPM-Pakete von Hand nachinstallieren (siehe auch [3]).

Mit Alien können Sie auch tgz-Packages (Parameter -t oder --to-tgz) für Slackware oder pkg-Pakete (Parameter -p oder --to-pkg) für Solaris erstellen. Weiterhin läuft Alien nicht nur unter Debian, sondern es gibt auch eine Version für RPM-basierte Systeme: Dieses Tool heißt alien-extra; Informationen und entsprechende Binaries dazu finden Sie unter [5]. Natürlich können bei derartigen Konvertierungen auch Probleme auftreten. Oft werden bestimmte Bibliotheken benötigt, die vielleicht nicht oder in der falschen Version installiert sind. Daher ist es, wie bereits erwähnt, sinnvoll, zunächst nach Distributions-eigenen Paketen zu schauen, bevor Sie Außerirdische auf Ihren Rechner lassen.

Infos

[1] http://www.rpm.org/

[2] Martin Loschwitz: apt-get it on - Paketverwaltung für Nicht-RPM'ler, LinuxUser 06 (2001), S. 90. Dieser Artikel ist auch online verfügbar unter http://www.linux-user.de/ausgabe/2001/06/090-apt/apt-report.html

[3] http://rpmfind.net/

[4] http://www.kitenet.net/programs/alien/

[5] ftp://ykbsb2.yk.psu.edu/pub/alien/

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