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Volkers Editorial

01.08.2002 Linux-Anwender sind sicher auch deshalb eben solche, weil sie in den Genuss kostenloser Software kommen wollen. Tatsächlich stellen die Stromkosten mittlerweile das Gros für die meisten Linux-Anwender dar, und hier sollen Möglichkeiten diskutiert werden, auch diese Kosten auf Sparflamme zu drehen.

Was so alles auf Sparflamme gedreht werden kann, hat uns bereits die Fußballweltmeisterschaft in Korea und Japan gezeigt: Die Stimmung der holländischen Fans hat das niedrigste Niveau seit langem erreicht [4]. "Oranje"-Artikel werden so schlecht verkauft wie noch nie. Klar, denn welcher Fan gibt schon Geld für etwas aus, das er nicht braucht? Vor genau derselben Frage steht auch der Linux-Anwender: Warum soll er Geld für etwas ausgeben, das er gar nicht braucht? Er will schließlich auch nur Strom sparen. Das kann er, und zwar bei den Stromkosten, die ohnehin immer gewaltiger (da höher besteuert) werden. Zum Stromsparen eine kleine Vorüberlegung: Ein durchschnittlicher Rechner braucht 40 bis 60 Watt, der Monitor alleine hingegen schon 90 bis 130 Watt. Das macht einen Anteil von ca. 70% der Leistung aus. Unser vorrangiges Augenmerk darf somit sicher auf einem adäquaten Powermanagement des Bildschirms liegen. Um das Ganze etwas genauer zu differenzieren, habe ich einmal den Verbrauch der verschiedenen Komponenten meines Rechners im ruhigen Zustand (Festplatte, CPU oder eines der externen Geräte hatten nichts zu tun) ermittelt und in einer Tabelle zusammengefasst.

Tabelle 1: Leistung eines Rechners im Ruhezustand

externe Boxen 3,8 Watt
Bildschirm ca. 100 Watt
Rechner ca. 39 Watt
Modem 4,9 Watt
Scanner 3,4 Watt

Diese Aufstellung ist recht überzeugend. Um die Abwägung zwischen den verschiedenen Sparmaßnahmen weiter zu beziffern, habe ich die Leistung meiner Festplatte und der CPU unter Last gemessen, die jeweils ca. 20 Watt ziehen.

Bildschirme schonen?

Ein Monitor verbraucht nur dann weniger Strom, wenn er weniger arbeiten muss. Ein aufwendiger Bildschirmschoner, der in seiner freien Zeit lustige Bilder wechselt oder kriechende Würmer zeigt, schont vielleicht die Mattscheibe, weil nur wenig Information dargestellt und auch das Standard-Desktop-Bild nicht zum Dauerbrenner wird, aber er lässt unseren Bildschirm arbeiten (und auch die kriechenden Würmer wollen berechnet werden, womit die CPU Strom frisst -> Kriechstrom). Die ökologisch sinnvollste Einstellung für einen Bildschirmschoner ist daher die Einstellung "leer" oder "Blank Screen".

Abbildung 1: Einstellen "Leerer Bildschirm" im KDE-Kontrollzentrum

Bitte die Einstellung "Leerer Bildschirm" nicht mit der Schaltfläche "Bildschirmschoner einschalten" verwechseln. Durch Ausschalten wird lediglich der Bildschirmschoner deaktiviert; Ihr Bildschirm wird zum Dauerbrenner. Mit einem Bildschirmschoner kann man sicher schon einen Anfang machen; richtig Strom sparen kann dieser allerdings nicht - tatsächlich verbraucht ein dunkler Bildschirm nur ca. 4% weniger Strom als ein heller, denn es wird nur der Monitor geschont. Das geht noch besser.

VESA für Sparer

Im Jahre 1993 wurde der VESA-DPMS-Standard verabschiedet. Er definiert das Verfahren, mit welchem der Rechner an ein Röhrenbildschirmgerät Nachrichten übermittelt, damit dieses einen energiesparenderen Zustand annehmen kann [3]. In der Praxis sieht es so aus, dass die Video-, Horizontal- und Vertikalsignale (VS, Hsync, Vsync) genutzt werden, um dem Monitor zu sagen, welchen Zustand er annehmen kann oder soll (siehe auch Tabelle 2).

Tabelle 2: DPMS-Mechanismus

Horizontal

Vertikal

Video

Status

aktiv aktiv aktiv ein
inaktiv aktiv inaktiv bereit
aktiv inaktiv inaktiv suspendiert
inaktiv inaktiv inaktiv aus

Wieviel Strom ein Bildschirm in den verschiedenen Zuständen verbraucht, zeigt beispielhaft Tabelle 3, deren Werte ich aus dem Handbuch meines 17''-Bildschirms entnommen habe. (Wer aufgepasst hat, der hat in meiner eigenen Messung in Tabelle 1 die Angabe "100 Watt" gelesen, was die Herstellerfirma mit "~70 W" beziffert - deshalb Achtung: Auf Angaben im Handbuch kann man sich nicht immer verlassen.)

Tabelle 3: Leistung bei verschiedenen Zuständen

Status

Watt

Erholungszeit

ein ca. 70 Watt -
Bereitschaft < 15 Watt < 3 Sekunden
suspendiert < 15 Watt < 3 Sekunden
aus < 4 Watt < 20 Sekunden

Tabelle 3 können Sie auch entnehmen, wie lange der Betrachter warten muss, bis sich das Monitorbild wieder gänzlich erholt hat. An dieser Stelle mag der Einwurf kommen, dass das häufige Ein- und Ausschalten dem Monitor schade. Das war auch tatsächlich einmal so, aber die Industrie hat an diesem Problem gearbeitet. Im Allgemeinen sind die Monitore seit Baujahr 1992 schaltfest. Selbst ein Dutzend "an" und "aus" pro Tag setzt die Lebensdauer nur von 25 Jahren auf 20 Jahre herab - mal ehrlich: Wer behält seinen Monitor so lange? Hier ist dann auch die richtige Stelle, in medias res zu gehen und zu vergleichen. Angenommen, ich ließe meinen Rechner ein Jahr als Anrufbeantworter oder Fax-Server, Firewall oder was auch immer im Keller mit einem normalen Bildschirmschoner laufen statt mit DPMS. So erschienen auf meinem Stromzähler 96 W * 24 h * 365 Tage = 841 kWh, die ich hätte sparen können. Meine Gemeinde berappt 19,67 Eurocent für die Kilowattstunde, und so hätte ich 165 Euro aus dem Fenster geworfen. Das ist immer noch fast eine Mark pro Tag! Davon leistet man sich locker ein Mega-Kombi-Abodes LinuxUsers und geht noch ein paar Mal ins Kino. Na? Nun von DPMS überzeugt? Die Umsetzung des VESA-DPMS-Standards erfordert natürlich, dass die verschiedenen Hardware-Komponenten, Grafikkarte, Monitor, Computer und das Betriebssystem auch tatsächlich DPMS unterstützen. (Das entnehmen Sie Ihren Handbüchern/Beipackzetteln Ihrer Hardware, ist aber heute fast immer der Fall.)

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