The Answer Girl
Dass der Computeralltag auch auf freien Unix-Betriebssystemen des Öfteren für Überraschungen gut ist, ist eher eine Binsenweisheit: Immer wieder funktionieren Dinge nicht oder nicht so, wie eigentlich angenommen. Das Answer-Girl im LinuxUser zeigt, wie man mit solchen Problemchen elegant fertig wird.
Ihre Freundinnen und Bekannten, Schwiegermütter und Großväter, Nachbarn und Pizzalieferanten haben Linux entdeckt und Sie vor lauter Support-Anfragen keine Chance auf Sommerbräune und Biergartenmuße? Dann hilft nur eins: Ein neues System muss her, auf dass die Abwimmel-Antwort "Tut mir leid, aber ich benutze FreeBSD" auch der Wahrheit entspricht.
Tatsächlich gerät dank des Erfolgs von Linux gern in Vergessenheit, dass es noch andere Open-Source-Unix-Betriebssysteme gibt. Diese – namentlich NetBSD, OpenBSD und das von allen dreien am weitesten verbreitete FreeBSD – sind (anders als das von Grund auf neugeschriebene Linux) mit der "Berkeley Systems Distribution" verwandt, der an der Berkeley University of California entstandenen Weiterentwicklung des originären UNIX-Betriebssystems von AT&T.
Doch wie bei Linux ist der Betriebssystem-Kernel nicht alles. Um mit dem System tatsächlich etwas anfangen zu können, braucht es Werkzeuge wie eine Shell, die klassischen Unix-Kommandozeilentools, ggf. eine grafische Oberfläche und natürlich Anwendungen. Und da müssen sich Linux- und *BSD-Rechner gar nicht so sehr unterscheiden. Von XFree86 und KDE über den Web-Server Apache bis hin zu Gimp oder dem Mail-Client Evolution kann man alle mögliche, von Linux-Distributionen bekannte Open-Software-Software auch auf den freien BSD-Systemen benutzen. Zudem besteht bei als Linux-Binaries ausgelieferten Closed-Source-Programmen die Möglichkeit, sie (versuchsweise und oft sehr erfolgreich) in der Linux-Emulation laufen zu lassen. Andererseits gibt es auch kommerzielle Software, die es zwar für FreeBSD, nicht aber für Linux gibt.
Dies ist kein Wunder, denn FreeBSD ist dank hoher Stabilität (auch im Vergleich mit Linux) und Effizienz besonders bei Internet Service Providern sehr beliebt (nicht überall da, wo Apache draufsteht, ist auch Linux drin …). Und so stellt sich für die eine oder andere Linuxerin die Frage, warum sie das System mit dem niedlichen Teufelchen nicht einfach einmal ausprobieren soll.
Um es vorher zu sagen: Wenn Sie sich nicht an die Installation eines Debian-Linux trauen würden, sorgt die FreeBSD-Installation vermutlich eher für Frustration, denn die dabei zum Einsatz kommende Installationsroutine ist weder grafisch, noch kennt sie besonders viele Automatismen. Sie fühlt sich eher an wie eine Linux-Installation anno 1995, weshalb Sie über die Art der in Ihrem PC steckenden Hardware genauer Bescheid wissen und Multimedia-Komponenten nicht zwingend von Tag 1 an brauchen sollten. Ohne solide Grundlagenkenntnisse der Kommandozeile unter Linux raten wir ebenfalls davon ab, einen Rechner im Produktiveinsatz auf FreeBSD umrüsten zu wollen. Und nicht zuletzt sollten Sie des Englischen zumindest passiv einigermaßen mächtig sein.
Wer es dennoch wagt, kann nur gewinnen, und zwar nicht nur an Kenntnissen, sondern beispielsweise auch an Geschwindigkeit: So schnell wie unter FreeBSD hat die Autorin noch nie ein KDE starten sehen … Und mit Mailinglisten [1] und unzähligen (meist jedoch englischen u. a. nicht-deutschen) anderen Internet-Ressourcen bewaffnet lassen sich die meisten Probleme lösen.
Kasten 1: Installationsmedien
Wer sich kein FreeBSD-Installationsset (etwa von [4]) kaufen will, braucht eine gute Netzanbindung. http://www.freebsdmirrors.org/FBSDsites.php3 listet Server auf, die FreeBSD zum Download bereit halten, bei der Auswahl sollte man geografisch mehr oder weniger nahe gelegene Mirrors bevorzugen.
Anschließend gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lädt sich ISO-Images der gewünschten FreeBSD-Version für die PC-Plattform (i386) herunter, das zur Installation zwingend benötigte Image Nr. 1 beispielsweise mit
ncftpget ftp://ftp.de.FreeBSD.org/pub/FreeBSD/releases/i386/ISO-IMAGES/4.6/4.6-disc1.iso
… , und brennt diese etwa mit
cdrecord -v -dev=0,2,0 4.6-disc1.iso
auf CD. Wenn Sie die Angaben zur dev-Option für einen angeschlossenen und unterstützten CD-Brenner nicht parat haben, erfahren Sie sie mit
bash-2.04# cat /proc/scsi/scsi Attached devices: Host: scsi0 Channel: 00 Id: 02 Lun: 00 Vendor: TEAC Model: CD-R55S Rev: 1.0L Type: CD-ROM ANSI SCSI revision: 02
Um von dem selbstgebrannten Datenträger zu installieren, muss man eventuell die Boot-Reihenfolge im BIOS umstellen. (Das Gleiche gilt natürlich auch für das Booten von Installationsdisketten.) Anschließend heißt es: CD ins Laufwerk des neuzuinstallierenden Rechners, anschalten und abwarten, bis sich von alleine etwas tut, sprich FreeBSD bootet. Letzteres kann man durch Drücken der [Enter]-Taste beschleunigen.
Alternativ lädt man lediglich die Installationsdisketten-Images kern.flp und mfsroot.flp beispielsweise von ftp://ftp.de.FreeBSD.org/pub/FreeBSD/releases/i386/4.6-RELEASE/floppies/ herunter und packt sie mit
dd if=kern.flp of=/dev/fd0 dd if=mfsroot.flp of=/dev/fd0
auf jeweils eine Floppy. Gebootet wird die kern-Floppy; auf die Anfrage
Please insert MFS root floppy and press enter:
tauscht man diese gegen die mfsroot-Diskette aus, drückt [Enter] und wartet ein Weilchen.
Ob von CDs oder Disketten (vgl. Kasten 1) – um FreeBSD zu installieren, muss man erst einmal FreeBSD von einem Installationsmedium booten. Anschließend gelangen wir ins Kernel Configuration Menu. Wer nach der Erstinstallation keinen Ballast an unnötigen Hardware-Treibern mitschleppen will, verlässt sich nicht auf den Default-Punkt Skip kernel configuration and continue with installation, sondern wählt mit [Pfeil nach unten] und anschließendem [Enter] Start kernel configuration in full-screen visual mode an. Faulere Naturen können auch mit dem Default Glück haben; der dritte Eintrag steht für Kernel-Konfiguration im Kommandozeilen-("Commandline"-)Modus und lässt sich Anfängern nicht ohne Weiteres empfehlen.
Visueller Modus? Tatsächlich erscheint ein reichlich unintuitives Textfenster, das von gestrichelten Linien in mehrere Bereiche aufgeteilt wird, ständig etwas von Collapsed erzählt und in der obersten Zeile mit conflicts droht (Abbildung 1). Wer jetzt hilfesuchend nach dem Strohhalm der [?]-Taste greift, drückt, ist auf einer deutschen Tastatur bereits in die Falle getappt: Die Tastenbelegung ist selbstverständlich US-amerikanisch, und dort liegt das Fragezeichen auf [Umschalt--].
Zum Glück erweist sich der Eintrag (Collapsed) lediglich als Hinweis, dass es zum jeweiligen Punkt weitere Angaben gibt. Betätigt man in einer so markierten Zeile die [Enter]-Taste, werden diese sichtbar – in Abbildung 1 ist dies für den Punkt Input der Fall.
Im oberen Teil mit der Überschrift Active Drivers sind die Hardware-Treiber aufgelistet, die der FreeBSD-Kernel derzeit aktiviert hat, im darunterliegenden Bereich Inactive Drivers solche, die generell unterstützt werden, aber für die aktuelle Maschine uninteressant sind. Prinzipiell geht es also darum, die aktiven Treiber, die wir nicht brauchen (optional) bzw. die sich mit anderen aktivierten Treibern beißen (unbedingt), in den "Inactive Drivers"-Teil des Dialogs zu verfrachten.
Von der Hardware-Erkennung ihrer Distribution verwöhnte Linux-User dürften spätestens jetzt nach Hardware-Handbüchern suchen und/oder noch einmal Linux booten, um beispielsweise dem KDE-Kontrollzentrum zu entlocken, welche Netzwerk-Karte (und wenn man einmal dabei ist, welche Grafik-Hardware) der Rechner eingebaut hat.
Markiert man die Zeile Storage und drückt [Enter], werden Besitzer/innen von PCs von der Stange die verschiedenen SCSI-Controller-Zeilen mit den Pfeiltasten anwählen und mit [Entf] deaktivieren: Nur wer tatsächlich einen SCSI-Controller hat, lässt den passenden im "Active Drivers"-Bereich zurück, während er die anderen entfernt. Die ATA/ATAPI compatible disk controller werden hingegen für IDE-Festplatten und -CD-ROMs benötigt.
Um die immer noch ausstehenden Konflikte zu beseitigen, ist (bei PCs mit Netzwerk-Karte) auf jeden Fall ein Blick in den Punkt Network nötig. Wer etwa über eine Intel EtherExpress PRO/100+ verfügt, kann alle Netzwerk-Treiber mit Ausnahme von
NE1000,NE2000,3C503,WD/SMC80xx Ethernet adapters ed0 10 0x280
deaktivieren.
Auf diese Weise gilt es, alle Active Drivers-Einträge abzuklappern. Wer aus Versehen zuviel deaktiviert hat, wechselt mit der [Tab]-Taste zwischen den beiden Bereichen und aktiviert inaktive Treiber mit [Entf]. Will man einer Karte einen speziellen Interrupt zuweisen, bekommt man mit [Enter] auf dem Eintrag die Möglichkeit zum Editieren der jeweiligen Parameter. Ein Druck auf die [Q]-Taste führt zurück zur Treiberauswahl; drückt man dieselbe Taste in diesem Modus, wird die Konfiguration gespeichert, und man kommt einen Schritt weiter in der Installation – vorausgesetzt, man hat daran gedacht, dass y (für "yes") auf einer amerikanisch belegten Tastatur hinter der deutschen [Z]-Taste zu finden ist.
Im nunmehr erscheinenden sysinstall-Tool (Abbildung 2) bietet sich endlich die Möglichkeit, der lästigen amerikanischen Tastaturbelegung bei deutschen Tastenaufschriften zu entkommen. Zu diesem Zweck gilt es, mit den Pfeiltasten oder einem Druck auf die [K]-Taste die Zeile
K
eymap Select keyboard type
zu erreichen und durch Betätigen von [Enter] in den passenden Dialog System Console Keymap zu gelangen. Dort bietet sich die Auswahl des Punkts German ISO an. Ein weiteres [Enter] bringt uns mit deutschem Keyboard-Layout zum Main Menu zurück. Dort fassen wir uns ein Herz und wählen den Eintrag Standard. Eine mit [Enter] zu bestätigende Meldung informiert uns, dass es jetzt ernst wird: Die Partitionierung der Festplatte steht an.
Wer sich unter Linux schon einmal abseits grafischer Installer mit der Partitionierung der eigenen Festplatte beschäftigt hat, atmet auf: Ein alter Bekannter, der Partition Editor FDISK betritt das Feld (Abbildung 3). Doch bei Namen und Zweck des Programms enden die Gemeinsamkeiten schon: Weder stimmen die Partitionierungsinformationen mit der (bei einem Rechner mit bereits installiertem Linux) eventuell ausgedruckten Linux-fdisk-Ausgabe überein, noch taucht in den Menüeinträgen jemals das Wort "Partition" auf. Stattdessen redet man bei FreeBSD von Slices ("Scheiben"). Die einzigen Bekannten stellen eventuell vorhandene Linux-Swap- und Ext2fs-Partitionen dar, deren Einträge in der Spalte Desc ("Beschreibung") vertraut erscheinen. Ein genauerer Blick in die Spalte Name erlaubt jedoch Analogie-Schlüsse: Bei ad0s1 (also der 1. Slice auf der (IDE-)Festplatte ad0) handelt es sich um das Analogon zur ersten Linux-Partition auf dem Festplatten-Device hda. Eine unter Linux als zweites SCSI-Gerät angesprochene Festplatte (sdb) heißt unter FreeBSD da1, die zweite Partition respektive Slice darauf da1s2.
Wer seine Linux-Partitionierung im Kopf hat, reibt sich dennoch die Augen: Da gibt es zwar eine erweiterte Partition (zu erkennen an der Beschreibung extended), doch wo stecken die darin enthaltenen logischen Partitionen? Die kurze wie einleuchtende Antwort: FreeBSD lässt sich nur auf primären Partitionen installieren, weshalb logische Partitionen im FreeBSD-fdisk nicht von Bedeutung sind.
Um die Verwirrung noch weiter zu treiben: Auch in FreeBSD gibt es etwas, was sich Partitionen nennt, denn auch Nutzer/innen dieses Betriebssystem wollen beispielsweise die Daten der Home-Verzeichnisse gern getrennt von den Systemverzeichnissen lagern. Doch die werden innerhalb von Slices angelegt – zur besseren Vorstellung kann man das mit einer erweiterten Partition vergleichen, innerhalb der unter Linux die echten Daten-Partitionen als logische Partitionen angelegt werden.
Damit kommen wir zu einer weiteren Vorsichtsmaßnahme: Bei einer geplanten Linux-FreeBSD-Dual-Boot-Installation empfiehlt es sich, die FreeBSD-Slice hinter die von Linux benutzte erweiterte Partition zu setzen: Wenn der (von Festplatte oder Diskette) gebootete Linux-Kernel das FreeBSD-Dateisystem UFS nicht kennt, kann er sonst mit der Nummerierung der Devices durcheinanderkommen. Wer jetzt also feststellt, dass schon alle primären Partitionen aufgebraucht sind oder die erweiterte Partition bis zum Ende der Festplatte reicht, muss zurück auf Los: entweder eine neue Festplatte einbauen oder sich auf das nicht immer lustige Spiel "Partitionen umräumen" einlassen. FreeBSD bringt zu letzterem keine Werkzeuge (etwa Partition Magic) mit.
Eine neue Slice für die FreeBSD-Installation erstellt man durch Druck auf die [C]-Taste. Nun hat man die Möglichkeit, deren Größe in Blocks oder (wenn der Zahl ein M nachgestellt wird) in MByte anzugeben. Leider verdeckt dieser Dialog die Größen- (Size(ST)) und Ende-Angaben ab dem vierten Eintrag in der Partitionstabelle, weshalb Bleistift und Papier oder ein hervorragendes Zahlengedächtnis eine gute Idee sind. Mit [Z] lassen sich übrigens die Größenangaben in der Size-Spalte auch auf kByte oder MByte umstellen.
Der nächste Dialog fragt, welcher Art Dateisystem auf der Slice angelegt werden soll. Als Antwort ist eine Nummer gefragt – dass diese für FreeBSD 165 ist, erklärt der Dialog noch selbst. Bevor man sich anschließend vor lauter Überschwang mit [Q] aus dem Partitionseditor verabschiedet, sollte man die neue Slice jedoch noch mit dem Cursor markieren und mit [S] bootfähig machen: In der Spalte Flags steht dann neben dem C ("FreeBSD 2.0 Compatibility Slice") ein A für "aktiv". Eventuelle andere Flags erklärt die mit [F1] aufzurufende (und mit [Bild auf/ab] zu durchforstende) Hilfe. Auch dass am Anfang und Ende der Festplatte kleine ungenutzte Bereiche auftreten, ist kein Grund zur Beunruhigung: Zum Zwecke der Rückwärtskompatibilität dürfen Slices nur an geraden Spurgrenzen beginnen und enden.
Soll auf einem Rechner einzig und allein FreeBSD laufen, lautet die richtige Wahl im nächsten Dialog (Abbildung 4)
B
ootMgr Install the FreeBSD Boot Manager
Dies funktioniert auch, wenn die erste primäre Partition bereits das /boot-Verzeichnis mit dem Kernel eines vorinstallierten Linux-System enthält, dessen Lilo im MBR residiert. (Dennoch empfiehlt es sich, für den Notfall eine passende Linux-Boot-Diskette zur Hand zu haben.) Genaugenommen kann der FreeBSD-Boot-Manager BootEasy alle Lilos starten, die am Anfang einer Linux-Boot-Partition installiert sind. Ansonsten gibt man None an, muss später aber Lilo von Linux aus umkonfigurieren [2]. Bootet das Linux-System von einer erweiterten Partition, steht diese Möglichkeit nicht zur Verfügung. Auch mit dem GRUB-Boot-Manager [7] sind Dual-Boot-Konfigurationen möglich [6].
Noch wird nichts geschrieben, erst einmal gilt es, mit dem FreeBSD Disklabel Editor innerhalb der neuen Slice BSD-Partitionen anzulegen. Einen automatisch generierten Vorschlag zu einem Setup aus einer Root-, einer /var-, einer /tmp- (vgl. Kasten 2), einer /usr- und einer Swap-Partition mit jeweils sinnvollen Größenangaben erhält man auf Druck der [A]-Taste hin. Leider sieht der Automatismus keine /home-Partition vor, weshalb man am besten die /usr-Partition markiert, mit [D] löscht und /usr und /home selbst anlegt.
Mit [C] beginnt das Prozedere – sofern der Cursor unterhalb der Überschrift die Zeile mit den Angaben zum Slice (etwa
Disk: ad0 Partition name: ad0s4 Free: 5217260 blocks (2547MB)
) markiert; ein 2G im folgenden Dialog legt die Größe der ersten Partition auf zwei GByte fest. Die Wahl des Punktes FS ("File System") im nächsten Dialog und die Eingabe des Mountpoints /usr im übernächsten macht den Neuling zur /usr-Partition. Außer Datenpartitionen wie /, /usr und /home brauchen wir in jedem Fall noch eine Swap-Partition.
Für größere Root-Partitionen sollte man abwägen, ob nicht auch hier die Vorteile des SoftUpdates-Features (Kasten 2) die Nachteile überwiegen; die übrigen Datenpartitionen haben in der Spalte Newfs bereits von sich aus ein UFS+S stehen (Abbildung 5). Entscheidet man sich dafür, markiert man die Zeile mit der passenden Partition und drückt [S]. Mit derselben Taste lassen sich Softupdates auch wieder deaktivieren. Dabei verschwindet der +S-Eintrag.
Kasten 2: Weiche Updates und ihre Folgen
Wenn eine Linux-Applikation Daten auf die Festplatte schreiben will, serviert sie diese in der Reihenfolge, wie sie abgelegt werden sollen. Der Kernel (genaugenommen der Ext2fs-Treiber darin) hält diese Reihenfolge aus Optimalisierungsgründen nicht unbedingt ein. Da zwischen dem Schreiben der ersten und der letzten Daten einer Datei durchaus mehrere Sekunden vergehen können, ist ein Crash oder Stromausfall in dieser Zeit fatal für die Datenintegrität.
Mit eingeschalteten Softupdates verzichtet FreeBSD auf solcherlei optimierende Umordnung durch den Dateisystemtreiber. Um den dadurch entstehenden Geschwindigkeitsnachteil auszugleichen, lagert er die Daten in der richtigen Reihenfolge in einer Queue im (schnelleren) RAM zwischen. Auch Löschoperationen werden darin gespeichert. Dem User erscheint das so, als ob alle Dateioperationen in Nullkommanix bereits abgearbeitet wären. Auf der Festplatte sieht die Situation allerdings noch anders aus: Die Queue wird in der optimalen Reihenfolge abgearbeitet, und erst dann sieht die Datenlage auch physikalisch auf der Festplatte so aus, wie der User es erwartet. Fällt der Strom aus, ist es zwar auch hier möglich, Daten zu verlieren (etwa das Ende einer Datei), aber die bereits geschriebenen Daten liegen in der richtigen Reihenfolge vor und können daher weiter verwendet werden.
Damit eignen sich Softupdates besonders gut für Partitionen, auf denen viel mit Daten jongliert wird: Aus User-Sicht hat man einen Geschwindigkeitsvorteil, und sollte es zu einem Absturz kommen, verliert man im schlimmsten Fall die Daten, die noch in der Queue auf ihre Fixierung auf dem Datenträger warten; das Dateisystem bleibt jedoch in jedem Fall konsistent.
Allerdings haben Softupdates nicht nur Vorteile: Zum Einen muss FreeBSD den Disk-Cache moderner Festplatten abschalten, aus dem Ext2 unter Linux Geschwindigkeitsvorteile ziehen kann. Zum Anderen sind Softupdates aufgrund der Queue vergleichsweise RAM-intensiv. Und zu guter Letzt kann es durchaus bis zu 30 Sekunden dauern, bis die Daten aus der Queue tatsächlich auf Festplatte gebannt werden. Das bedeutet, dass der Platzbedarf auf der Harddisk zeitweise höher sein kann als der User erwartet: Dieser hat etwa eine Datei gelöscht und eine neue geschrieben. Steht letzterer Auftrag aus Optimierungsgründen vor dem Löschauftrag in der Queue, landen die neuen Daten auf der Festplatte, während die zu löschenden Daten ebenfalls noch dort residieren. Ist der Platz auf einer Partition knapp, kann das zu dem Problem führen, dass man gerade eine große Datei gelöscht hat, um Platz für eine andere zu schaffen. Versucht man letztere zu schreiben, bekommt man jedoch die Nachricht, das Dateisystem wäre voll. Erst einige Sekunden später (wenn der Löschauftrag in der Queue tatsächlich abgearbeitet wurde), kann die neue Datei angelegt werden. Diesen Punkt gilt es besonders dann zu beachten, wenn man ein reges /tmp-Verzeichnis hat, das auf der Root-Partition liegt.
Aus diesem Grund schaltet der Partitionseditor bei der /-Partition per Default keine Softupdates an, bei den anderen Datenpartitionen schon. Allerdings werden (abgesehen von den Verzeichnissen /tmp und /var, sofern diese nicht auf eigenen Partitionen residieren) vergleichsweise selten Daten auf der Root-Partition geschrieben. Solange es keine größeren Probleme bereitet, sollten Passwortänderungen von Usern oder Konfigurationsänderungen in /etc in der halben Minute danach bei einem eventuellen Crash verlorengehen, kann man aber ohne Weiteres auch für diese Partition Softupdates benutzen – sofern /tmp oder /var nicht für Platzknappheit sorgen.
Steht im Anschluss an die Newfs-Spalte ein Y, so heißt das, dass die entsprechende Partition formatiert wird (das entsprechende FreeBSD-Tool heißt newfs). Soll dies verhindert werden, geht man mit dem Cursor auf die entsprechende Zeile und drückt einmal [T] ("Toggle Newfs"); damit wandelt sich das Y in ein N. Sieht das Partitionierungsschema vernünftig aus, sorgt [Q] dafür, dass es mit der Installationsprozedur weitergeht.
Nach der Partitionierung kommt das Aussuchen des Installationsumfangs – diese Erfahrung mit Linux-Distributionen lässt sich auch auf FreeBSD übertragen. Doch der Dialog Choose Distributions, der mehrere "Distributionssets in Dosen" ("canned" distribution sets) anbietet, erweist sich einmal mehr als ergonomische Falle: Wer sich beispielsweise für die X-Kern-Developer-Zusammenstellung entscheidet (per Pfeiltaste anwählen und [Enter] drücken) und die Frage nach der ports collection mit Yes beantwortet, hat plötzlich auch bei allen anderen vorgefertigten Zusammenstellungen Kreuzchen stehen. Das hängt damit zusammen, dass jene Untermengen des X-Kern-Developer (also eines Users, der X haben und sowohl den Betriebssystem-Kern als auch andere Software selbst kompilieren will) sind.
Zusätzliche Softwarekategorien lassen sich durch Anwahl von Custom ergänzen. Auf den OK-Pseudo-Button zur Bestätigung der Wahl gelangt man übrigens per [Tab].
Verlässt man den Dialog durch Auswahl des Exit-Menüeintrags, stellt sich nur noch die Frage, woher die Software kommen soll: Wer über eine CD verfügt, ist fein raus und kann den ersten Punkt CD/DVD als Installationsquelle nutzen, Teetrinken gehen und am Ende die "Installation beendet"-Meldung abgenicken.
Hat man hingegen von Diskette gebootet, bleibt nur der Weg über die hoffentlich vorhandene Standleitung, am besten über einen FTP-Server, für den man aus dem Auswahldialog idealerweise einen aus der Nachbarschaft (etwa Germany) wählt. Nun gilt es, die Netzwerkkarte oder das Modem einzurichten (CD-Nutzerinnen haben diese Möglichkeit erst nach der Software-Installation). Für unsere EtherExpress-Beispielkarte aus der Kernel-Konfiguration wäre damit der Eintrag
f
xp0 Intel EtherExpress Pro/100B PCI Fast Ethernet card
die Zeile der Wahl. Wer nicht im eigenen LAN bereits auf IPv6 umgestellt hat, beantwortet die entsprechende Frage mit No. DHCP kann hingegen interessant sein. Im Dialog Network Configuration fragt die Installationsroutine dann die üblichen Parameter ab (Abbildung 6). Wer über's Netzwerk installiert, hat jetzt die letzte Möglichkeit, die Installation abzubrechen, ehe es ans große Warten (es kann sich dabei tatsächlich um Stunden handeln) geht.
Anschließend gibt es die Möglichkeit, den Rechner als Gateway einzurichten und den Super-Server inetd und Internet-Server für FTP, telnet und finger einzurichten – nichts, was man bräuchte, wenn man nicht ohnehin weiß, was man tut. Anonymen FTP-Zugang zur eigenen Maschine gilt es ebenfalls zu verweigern (No), sofern man sich nicht bewusst zu dieser Möglichkeit entschließt.
Hingegen könnte ein NFS-Server für ein eigenes LAN schon wieder interessant sein. Welche Verzeichnisse der an welche Rechner freigibt, legt die Installateurin sofort in der /etc/exports-Datei fest, über deren Syntax sie sich somit vorab informieren sollte. Die wichtigste Taste im gestarteten Texteditor ist [Esc] zum Verlassen; darüberhinaus sollte man dessen in Englisch gehaltenes Menü verstehen.
Die anschließende Frage nach einen NFS-Client will man nur positiv beantworten, wenn man weiß, dass es im LAN einen NFS-Server gibt, der der eigenen Maschine Zugang gewährt.
Bleibt die Entscheidung für ein vorgefertigtes Sicherheitsprofil für die Maschine – moderate security ist für Einsteiger/innen nicht der schlechteste Anfang.
Wer sich entscheidet, die System console settings zu ändern, kann beispielsweise eine andere Keymap oder einen alternativen Konsolen-Font auswählen. Auf die Frage nach der Zeitzone antwortet man abhängig von der Konfiguration der BIOS-Uhr. Steht diese – wie für Windows-lose Rechner empfehlenswert – auf GMT, beantwortet sich die Frage Is this machine's CMOS clock set to UTC? mit Yes, ansonsten mit No. Europe und Germany dürften die Zeitzone der meisten Leser/innen abdecken – und wer zur Sommerzeit installiert, dem oder der wird die Abkürzung CEST tatsächlich sinnvoll erscheinen.
Linux-Binärkompatibilität ist hilfreich für die Zukunft, weshalb sich auch hier ein Yes empfiehlt. Installiert man vom Netz, handelt man sich damit natürlich einen weiteren Download ein.
Ob eine USB-Maus auf Ihrem System ihren Dienst tut, gilt es hingegen von Fall zu Fall zu entscheiden. Im Maus-Konfigurationsdialog wiederum ist bei Nicht-USB-Mäusen erst ein Port (PS/2-Maus, serielle Maus an der ersten oder zweiten seriellen Schnittstelle COM1 bzw. COM2 etc.) und der Typ auszuwählen. Erst dann lohnt sich ein Druck auf Enable zum Testen, ob sich der Maus-Cursor auf der Konsole bewegt. Ist das nicht der Fall, kann man beliebig oft z. B. den Maustyp wechseln. Um bei zufriedenstellender Bedienbarkeit zum nächsten Dialog zu kommen, ist noch die Auswahl von Exit nötig.
Hat man die Daten zu Grafikkarte und Monitor bereit, kann man sich an die Konfiguration des X-Servers wagen. Mit xf86cfg steht an dieser Stelle tatsächlich einmal ein grafisches Konfigurationstool zur Wahl – allerdings auch nur deshalb, weil es vom XFree-Team ohnehin mitgeliefert wird. Eventuell bekommt man vorher sogar einen Hinweis, wie man darin seine Maus konfigurieren soll (Abbildung 7).
"Grafisch" heißt allerdings noch nicht "intuitiv". Die grafische Darstellung der Verbindungen zwischen Rechner und der für den X-Server relevanten Peripherie-Geräte zeigt die jeweilige Konfiguration an, wenn man die Maus über einem der skizzierten Geräte verweilen lässt. Klickt man auf eines der Icons in der Werkzeugleiste und hält die Maustaste, kann man aus dem jeweiligen Kontext-Menü den Configure-Eintrag wählen. Auch in den Konfigurationsdialogen gilt es, die Maustaste zu halten, um Einträge aus dem Kontextmenü auszuwählen. Achtung: Soll das gemeinsame Gedrückthalten beider Tasten einer Zweitastenmaus die Funktion einer mittleren Maustaste übernehmen, muss der Maus-Konfigurationsbutton Emulate 3 buttons schwarz unterlegt ausschauen, was sich durch einen Mausklick bewerkstelligen lässt.
Funktioniert die Maus nicht, kann man zwar mit dem numerischen Keypad arbeiten, doch ist es dann besser, den X-Server mit [Strg-Alt-Backspace] abzuschießen und für den neuen Versuch beispielsweise xf86cfg -textmode zu benutzen.
Windows-Tastaturen entsprechen dem Keyboard model Generic 104-key PC, das layout einer deutschen Tastatur wäre als German einzutragen, und wenn [AltGr] funktionieren soll, wählt man bei Xkb options den Punkt Group Shift/Lock Behavior / R-Alt switches group while pressed. An dieser Stelle sind übrigens mehrere Angaben möglich. Apply changes zu drücken, sollte man nicht vergessen, ehe man sein Ok gibt. Wer partout nicht die passenden Einträge findet, kann sich auch die Linux-X-Konfigurationsdatei ausdrucken und die passenden Einträge im Expert-Modus per Hand ausgeben (vorausgesetzt, man verwendet auch dort XFree 4, und die SuSE-8.0-Konfiguration taugt beispielsweise nur bedingt zum Spicken).
Funktioniert die X-Konfiguration partout nicht (so geschehen mit einer "ATI Rage Pro Turbo AGP"-Karte), ist es weise, es an dieser Stelle erst einmal bewenden zu lassen. Wer bei Installationen übers Netz nicht in Gefahr laufen will, wegen einer gescheiterten und unter Umständen sogar die Konsole verwirrenden X-Konfiguration noch einmal von vorn mit dem Download anzufangen, sollte diesen Punkt ebenfalls aufsparen, bis der Rechner gezeigt hat, dass er ordentlich in die FreeBSD-Konsole bootet.
Anschließend kann man zum Beispiel XFree 3.3.6 nachinstallieren, mit dem sich etwa die widerspenstige ATI-Karte nachträglich zur Mitarbeit überreden ließ.
Zusatzpakete aus der Portskollektion (darunter GNOME, KDE 3, die Bash (aus shells), aber auch das Linux-Binary von Netscape) lassen sich nun bei Bedarf auswählen. Netterweise trifft man Software, die in mehrere Kategorien fällt, auch in mehreren an, und Abhängigkeiten werden selbstverständlich befriedigt (wobei es unverständlich bleibt, wieso man KDE komplett installieren muss). Einmal zufrieden, stößt Install die Installation an.
Kommt man anschließend vom Kaffeetrinken zurück, sollte man dem Angebot des Installers folgen und ein User-Account auf dem System anlegen. In zwei separaten Dialogen (User und Group) lassen sich neue Accounts und neue Gruppen hinzufügen, wobei erst die Gruppe anlegt, wer ihr anschließend einen neuen User zuordnen will. Das ist an dieser Stelle recht umständlich, weshalb man die Versorgung der gesamten Verwandtschaft mit Accounts auf später verschieben wird und lediglich sich selbst ein privates Benutzerkonto verpasst.
Verlässt man den Dialog mit Exit, heißt es, das root-Passwort zu setzen. Bevor man dann zu allem Ja und Amen sagt, gibt es nun noch einmal die Möglichkeit, die Konfiguration durchzugehen. Etwas merkwürdig mutet an, dass man dann wieder im sysinstall-Hauptmenü landet. Erst auf die Betätigung des Buttons Exit Install hin rebootet die Maschine, und das Abenteuer FreeBSD kann beginnen – entweder auf eigene Faust oder mit dem nächsten "Answer Girl".
Wer aus irgendeinem Grund eine bisher getätigte Einstellung ändern will, findet sich auf den Befehl /stand/sysinstall hin in dem von der Installation bekannten Tool wieder und wählt Configure. Der Unterpunkt Desktop legt beispielsweise fest, welcher Window-Manager oder welches Desktop-Environment per Default zum Zuge kommen soll.
Glossar
Ext2fs
Das "Extended Secondary Filesystem" war bislang das Standard-Dateisystem unter Linux.
ports collection
Eine sehr großer Fundus an für FreeBSD angepasster, meist freier Software, in dem sich fast alle Programme wiederfinden, die man auch aus umfangreichen Linux-Distributionen kennt. Wer über genügend Plattenplatz und eine gute und kostengünstige Netzanbindung verfügt, sollte die Ports-Kollektion installieren; wie man sie benutzt, wird das nächste "Answer Girl" zeigen.
IPv6
Die noch selten "in freier Wildbahn" anzutreffende Nachfolgeversion der derzeit überwiegend eingesetzten "Internet Protocol"-Version 4. Sie zeichnet sich vor allem durch den sehr viel größeren Vorrat an IP-Adressen aus, ohne die für ein Gerät keine Teilnahme am Internet möglich ist.
DHCP
"Dynamic Host Configuration Protocol", eine Möglichkeit, mit der ein DHCP-Server neu ans Netz angeschlossenen Rechnern IP-Adresse, Gateway, Nameserver etc. zuweisen kann, ohne dass der dortige User etwas konfigurieren müsste (vgl. auch [8]).
NFS
Mit Hilfe des "Network File System" kann ein Unix-Rechner einen Teil seiner Dateien für entfernte Benutzung freigeben [9].
Infos
[1] Deutsche BSD-Mailinglisten: http://www.de.FreeBSD.org/de/mailinglists.html. Speziell kleinere und/oder lokale Linux-zentrische Listen diskutieren bei Bedarf durchaus auch BSD-Probleme – wenn ihre Abonnent(inn)en entsprechende Systeme benutzen.
[2] Englische Mini-Howto zu Linux und FreeBSD: http://www.tldp.org/HOWTO/mini/Linux+FreeBSD.html
[3] FreeBSD-Handbuch (deutsche Übersetzung): http://www.de.freebsd.org/de/de/handbook/
[4] Deutscher Distributor: http://www.ixsoft.de/software/products/bsd-catalog-de.html
[5] http://docs.freebsd.org/faq/de/4.5R/
[6] http://geodsoft.com/howto/dualboot/
[7] Martin Loschwitz: "Lilos Erben", LinuxUser 07/2002, S. 71 ff.
[8] Miriam Busch: "Eine IP-Adresse, bitte!", LinuxUser 03/2002, S. 32 ff.
[9] Bernd Reimann: "Verteilte Daten", LinuxUser 03/2002, S. 83 ff.