Mit der SuSE Linux 8.0 Personal hat der Nürnberger Distributor erstmals den Lieferumfang gegenüber der Vorgängerversion verkleinert. Haupt-Kritikpunkt ist das fehlende Quick-Install-Manual - SuSE hat es in das Referenz-Handbuch integriert, das aber nur mit der Professional Edition ausgeliefert wird. Käufern der Personal Edition bleibt nur das Installationskapitel im Basis-Handbuch mit unglaublichen drei einhalb Seiten Umfang. Glücklicherweise ist das Installationsprogramm inzwischen so gut, dass nur selten schwerwiegende Probleme auftreten.
Wie auch alle anderen getesteten Distributionen scheitert die SuSE-Installation an Rechnern mit Windows XP ohne freien Festplattenplatz. Das Verkleinern der NTFS-Partition ist nicht möglich, da es noch keine freien Tools für das von Windows XP eingesetzte Dateisystem gibt. Abhilfe leistet das kommerzielle Windows-Programm Partition Magic.
Installation
SuSE hat die grafische Installation noch einmal verbessert. Gleich nach der Sprachauswahl zeigt YaST eine Zusammenfassung, die von Partitionierung über Installationsumfang bis hin zur Boot-Manager-Konfiguration sinnvolle Vorschläge enthält. Änderungen des Vorschlags benötigen meist nur wenige Mausklicks, sind aber in aller Regel nicht erforderlich.
Vorsicht ist nur bei angeschlossenen externen Festplatten geboten: Ist die eingebaute Festplatte belegt, wählt YaST durchaus eine USB-Festplatte für die Standard-Installation. Allerdings klappt es dann nicht mit dem Booten der Distribution.
Ab Version 8.0 können Sie bereits während der Installation die ganze Familie als Benutzer anlegen - SuSE hat eine umfangreiche aber leicht zu bedienende Benutzer- und Gruppenverwaltung integriert, die man bisher nur bei Red Hat fand.
Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, am Ende der Linux-Einrichtung das YaST-Kontrollzentrum aufzurufen. Dort lassen sich komfortabel DSL-Zugang, Firewall und Scanner einrichten oder das Online-Update durchführen.
Standard-Desktop KDE 3
SuSE setzt seit Jahren auf KDE als Standard-Desktop, die Personal 8.0 wird mit KDE 3.0 ausgeliefert. Hier empfiehlt sich ein Online-Update, SuSE bietet darüber die deutlich stabilere Version 3.0.1 an.
Gnome 1.4, das bei der Installation von Hand ausgewählt werden muss, wird eher stiefmütterlich betreut. Statt umfangreicher und gut sortierter Programm-Menüs muss man sich unter Gnome mit wenigen Menüeinträgen begnügen. Auch beim Beta-Test ist Gnome wohl zu kurz gekommen: Es fiel offenbar nicht auf, dass die Nachinstallation einzelner Pakete von CD im YaST nicht funktioniert. Das Programm kollidiert wohl mit dem Auto-Mounter und hat keinen Zugriff auf die eingelegte und verriegelte CD. Da hilft nur noch der Notauswurf am CD-ROM oder ein Neustart des Linux-Systems.
Auch der Desktop-Hintergrund mit Streifenmuster ist nicht unproblematisch, gerade auf analogen TFT-Displays führt das zu Interferenzen und einem zitternden Bild (Abbildung 1).
Nicht nur bei Gnome, auch bei KDE findet man immer wieder Flüchtigkeitsfehler, Haken und Ösen. So kann das SuSE-Hilfezentrum nicht nur keine deutschen Umlaute anzeigen (Abbildung 2), hinter den deutschen Kurzbeschreibungen der Programme versteckt sich eine rein englische Dokumentation. Um an die ebenfalls nur in Englisch mitgelieferten Manual-Pages heran zu kommen, muss der Benutzer zudem das KDE-Hilfezentrum khelpcenter von Hand aufrufen - es findet sich in keinem Menü, und die SuSE-Hilfe bietet Man-Pages nicht mehr an. Das hatten die Nürnberger bei der Version 7.3 deutlich besser gelöst.
Nicht ganz sauber ist die DSL-Konfiguration. Zwar lassen sich problemlos T-Online und andere Anbieter nutzen, ein Rück-Umstieg auf ISDN ist aber nicht ohne Weiteres möglich: Uns gelang nicht, die DSL-Konfiguration mit den Bordmitteln der Distribution zu entfernen oder dauerhaft abzuschalten.



