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Abgespeckt

SuSE Linux 8.0 Personal Edition im Test

01.08.2002 SuSE Linux gilt als leicht zu erlernende deutsche Distribution und wartet bei Version 8.0 mit brandneuen Paketen auf. Doch die Akualität hat bei der Qualität ihren Tribut gefordert.

Mit der SuSE Linux 8.0 Personal hat der Nürnberger Distributor erstmals den Lieferumfang gegenüber der Vorgängerversion verkleinert. Haupt-Kritikpunkt ist das fehlende Quick-Install-Manual - SuSE hat es in das Referenz-Handbuch integriert, das aber nur mit der Professional Edition ausgeliefert wird. Käufern der Personal Edition bleibt nur das Installationskapitel im Basis-Handbuch mit unglaublichen drei einhalb Seiten Umfang. Glücklicherweise ist das Installationsprogramm inzwischen so gut, dass nur selten schwerwiegende Probleme auftreten.

Wie auch alle anderen getesteten Distributionen scheitert die SuSE-Installation an Rechnern mit Windows XP ohne freien Festplattenplatz. Das Verkleinern der NTFS-Partition ist nicht möglich, da es noch keine freien Tools für das von Windows XP eingesetzte Dateisystem gibt. Abhilfe leistet das kommerzielle Windows-Programm Partition Magic.

Installation

SuSE hat die grafische Installation noch einmal verbessert. Gleich nach der Sprachauswahl zeigt YaST eine Zusammenfassung, die von Partitionierung über Installationsumfang bis hin zur Boot-Manager-Konfiguration sinnvolle Vorschläge enthält. Änderungen des Vorschlags benötigen meist nur wenige Mausklicks, sind aber in aller Regel nicht erforderlich.

Vorsicht ist nur bei angeschlossenen externen Festplatten geboten: Ist die eingebaute Festplatte belegt, wählt YaST durchaus eine USB-Festplatte für die Standard-Installation. Allerdings klappt es dann nicht mit dem Booten der Distribution.

Ab Version 8.0 können Sie bereits während der Installation die ganze Familie als Benutzer anlegen - SuSE hat eine umfangreiche aber leicht zu bedienende Benutzer- und Gruppenverwaltung integriert, die man bisher nur bei Red Hat fand.

Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, am Ende der Linux-Einrichtung das YaST-Kontrollzentrum aufzurufen. Dort lassen sich komfortabel DSL-Zugang, Firewall und Scanner einrichten oder das Online-Update durchführen.

Standard-Desktop KDE 3

SuSE setzt seit Jahren auf KDE als Standard-Desktop, die Personal 8.0 wird mit KDE 3.0 ausgeliefert. Hier empfiehlt sich ein Online-Update, SuSE bietet darüber die deutlich stabilere Version 3.0.1 an.

Gnome 1.4, das bei der Installation von Hand ausgewählt werden muss, wird eher stiefmütterlich betreut. Statt umfangreicher und gut sortierter Programm-Menüs muss man sich unter Gnome mit wenigen Menüeinträgen begnügen. Auch beim Beta-Test ist Gnome wohl zu kurz gekommen: Es fiel offenbar nicht auf, dass die Nachinstallation einzelner Pakete von CD im YaST nicht funktioniert. Das Programm kollidiert wohl mit dem Auto-Mounter und hat keinen Zugriff auf die eingelegte und verriegelte CD. Da hilft nur noch der Notauswurf am CD-ROM oder ein Neustart des Linux-Systems.

Auch der Desktop-Hintergrund mit Streifenmuster ist nicht unproblematisch, gerade auf analogen TFT-Displays führt das zu Interferenzen und einem zitternden Bild (Abbildung 1).

Abbildung 1: Auf analogen TFT-Displays führt das Streifenmuster im Hintergrund zu einem zitternden Bild. Insgesamt ist Gnome bei SuSE nur zweite Wahl, in den Menüs finden sich nur wenige Einträge

Nicht nur bei Gnome, auch bei KDE findet man immer wieder Flüchtigkeitsfehler, Haken und Ösen. So kann das SuSE-Hilfezentrum nicht nur keine deutschen Umlaute anzeigen (Abbildung 2), hinter den deutschen Kurzbeschreibungen der Programme versteckt sich eine rein englische Dokumentation. Um an die ebenfalls nur in Englisch mitgelieferten Manual-Pages heran zu kommen, muss der Benutzer zudem das KDE-Hilfezentrum khelpcenter von Hand aufrufen - es findet sich in keinem Menü, und die SuSE-Hilfe bietet Man-Pages nicht mehr an. Das hatten die Nürnberger bei der Version 7.3 deutlich besser gelöst.

Abbildung 2: Das Hilfezentrum von SuSE hat deutliche Probleme mit deutschen Umlauten. Zudem verbergen sich unter den Programm-Beschreibungen rein englische Texte, auch deutsche Manual-Pages gibt es nur bei der Professional

Nicht ganz sauber ist die DSL-Konfiguration. Zwar lassen sich problemlos T-Online und andere Anbieter nutzen, ein Rück-Umstieg auf ISDN ist aber nicht ohne Weiteres möglich: Uns gelang nicht, die DSL-Konfiguration mit den Bordmitteln der Distribution zu entfernen oder dauerhaft abzuschalten.

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Infos zum Autor

Mirko Dölle

Redakteur für Linux bei c't, Heise Zeitschriften Verlag; ehemals Competence Center Hardware/Linux-Magazin, Linux New Media AG


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LinuxUser 03/2012

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